Interview mit Herrn Karl Josef Kassing. Er wurde 1936 in Lüdenscheid geboren. Nach seinem Studium in Köln war er Lehrer für Deutsch und Latein. Er bezeichnet sich als kritisch-katholisch und ist seit seiner Jugend auch literarisch tätig. Herr Kassing hat medica mondiale in seinem Testament berücksichtigt und spricht über seine Verbindung zu medica mondiale und warum er sich für das Thema Frauenrechte engagiert.

Herr Kassing, Sie sind langjähriger Unterstützer von medica mondiale. Wie kam es dazu?

Gewalt gegen Frauen einzudämmen ist ein wichtiges Thema für mich. Meine eigene Frau wurde im Treppenhaus zu ihrer Wohnung überfallen und verlor dabei ein Auge. Seitdem bin ich sensibel für das Problem Gewalt gegen Frauen und möchte mich entsprechend einsetzen. medica mondiale arbeitet in den Bereichen, die mir und meiner Frau wichtig sind. So ist mein Geld auch besser angelegt als auf einer Bank.

Weshalb beschäftigen Sie sich in Ihren Büchern besonders mit der Stellung der Frau in der katholischen Kirche?

Das katholische Patriarchat bedeutet eine einseitige Ausübung von Macht zu Ungunsten der Frauen. Es gibt kein stichhaltiges Argument dafür, dieser Ungerechtigkeit muss ein Ende gesetzt werden. Wer der Kirche eine Zukunft wünscht, muss sich für das gleichberechtigte Mitwirken von Frauen einsetzen.

Sie selbst sind 1936 geboren. Liegt Ihnen die Arbeit von medica mondiale auch deshalb am Herzen?

Die Erlebnisse der Kriegszeit prägen mich bis heute. Ich erinnere mich noch deutlich an die Ängste und auch an die Not danach. Heute gehöre ich, weltweit gesehen, zu einer kleinen privilegierten Minderheit, die in Sicherheit und Wohlstand lebt. Das ist aber nicht mein Verdienst. Dass ich hier geboren bin und es mir an nichts fehlt, das ist zufällig so. Deshalb möchte ich Menschen helfen, denen es schlechter geht. Außerdem kann ich diejenigen unterstützen, die sich mit Empathie und Zivilcourage für die Rechte anderer einsetzen, besonders in Kriegsgebieten. Das findet meine volle Anerkennung.

Ist das auch der Grund, weshalb Sie medica mondiale in Ihrem Testament bedacht haben?

Ja, sicherlich. Denn so kann langfristig und wirklich grundlegend etwas verändert werden. Da ich selbst keine Kinder habe, lag die Entscheidung für mich nahe. Mein Erbe kommt Menschen zugute, die Unterstützung benötigen. Das ist meiner Meinung nach das Beste, was ich mit meinem Geld tun kann - auch über mein Leben hinaus.