Die Entstehung von medica mondiale

Im Herbst 1992 – es ist mitten im Krieg in Bosnien – liest Monika Hauser von den unzähligen vergewaltigten Frauen. Sie liest, dass serbische Soldaten Hotels und Fabriken zu Bordellen umwandeln, in denen Frauen tage- oder monatelang gefangen gehalten werden. Sie ist schockiert von den Ereignissen. Gleichzeitig empört sie sich über die Art, wie die Medien über die Frauen berichten und sie so ein zweites Mal missbrauchen. Die Gynäkologin entschließt sich, vor Ort tätig zu werden. Im Winter reist sie ins Kriegsgebiet und entscheidet sich, in Zenica, einer Stadt in Zentralbosnien, ein Frauenzentrum aufzubauen.

1994 baut Monika Hauser gemeinsam mit fünf Mitarbeiterinnen ein Büro in Köln auf. Bald kommt es zu einem Namensstreit mit der Düsseldorfer Messe Medica. Deswegen heißt die Organisation seit 1995 medica mondiale. In darauf folgenden Jahren unterstützt das
Bosnien, Monika Hauser 1993.

Bei internationalen Hilfsorganisationen stößt Monika Hauser mit ihrem Anliegen, sich ausschließlich um die im Krieg vergewaltigten Mädchen und Frauen kümmern zu wollen, auf Desinteresse. So schließt sie sich mit rund 20 bosnischen Psychologinnen und Ärztinnen zusammen. Gemeinsam entwickeln sie Konzepte, wie kriegstraumatisierten Frauen und ihren Kindern noch während des Krieges geholfen werden kann. In Deutschland macht sich Monika Hauser auf die Suche nach SpenderInnen – und hat Erfolg. Ende 1993 wird sie in den ARD-Tagesthemen zur „Frau des Jahres“ gewählt. Daraufhin gehen Spenden in Höhe von rund 750.000 DM ein.

Am 4. April 1993 startet die Arbeit von Medica Zenica mit der Einweihung eines Projekthauses, das neben einer gynäkologischen Praxis und eines Operationssaales auch Räume für psychosoziale Beratung und die Unterbringung von Frauen umfasst. In der Anfangszeit fahren Teams aus Psychologinnen und Ärztinnen in die umliegenden Dörfer und Flüchtlingslager, um die Bosnierinnen über das Unterstützungsangebot zu informieren. Die Frauen direkt auf die Vergewaltigungen und Folter anzusprechen, ist jedoch zu diesem Zeitpunkt unmöglich. Daher entwickelt das Medica-Team neue Methoden der Anamnese, der Befragung nach Krankheiten und Symptomen, um mit Frauen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben, in Kontakt zu kommen. Schnell wächst das Frauenzentrum in Zenica, bald eröffnet ein zweites Haus, im August dann das dritte in Visoko. Etwa 4.000 bosnische Frauen werden im ersten Jahr allgemeinmedizinisch, gynäkologisch und psychisch betreut. Und viele weitere in den Folgejahren – häufig unter extrem schwierigen Bedingungen wie die militärische Blockade, die Zenica Mitte der Neunziger Jahre fast komplett von der Außenwelt abschneidet.

Monika Hauser mit bosnischen Kolleginnen in Zenica 1993. Copyright: medica mondiale
Monika Hauser mit bosnischen Kolleginnen in Zenica 1993.

1994 baut Monika Hauser gemeinsam mit fünf Mitarbeiterinnen ein Büro in Köln auf. Bald kommt es zu einem Namensstreit mit der Düsseldorfer Messe Medica. Deswegen heißt die Organisation seit 1995 medica mondiale.

In darauf folgenden Jahren unterstützt das kleine Team weiterhin das bosnische Frauenzentrum, mit Spendengeldern und fachlicher Beratung. Mit der Zeit wird jedoch immer klarer, dass die Frauen in Köln Frauenprojekte auch in anderen Ländern mit Kriegen und Konflikten unterstützen wollen. Nach und nach macht sich Medica Zenica unabhängig von der Unterstützung aus Deutschland und wird 1996 offiziell in Bosnien als humanitäre Organisation anerkannt.

Auf der Grundlage des in Bosnien entwickelten ganzheitlichen Ansatzes – gynäkologische Versorgung, psychosoziale Beratung und Rechtshilfe – weitet medica mondiale in den Folgejahren ihr Engagement auf viele andere Länder aus. Mit Therapiezentren in Afghanistan, Kosovo, Albanien und Liberia und in Kooperation mit Partnerorganisationen in der Demokratischen Republik Kongo, in Uganda und Israel – um nur einige Bespiele zu nennen – unterstützt medica mondiale traumatisierte Frauen und Mädchen in vielen Ländern weltweit.