Die zentralafrikanische Region der Großen Seen, die mit der DR Kongo, Ruanda, Burundi und Uganda viele ehemalige und aktuelle Bürgerkriegsländer umfasst, ist ein regionaler Förderschwerpunkt des Projektefonds. Lokale Frauenrechtsorganisationen leisten mit meist sehr geringen Mitteln unverzichtbare Hilfe für Überlebende und ihre Familien. Um ihre Arbeit zu stärken und lokale Ansätze zu fördern, stellt medica mondiale ausgewählten Partnerinnen vor Ort finanzielle und fachliche Unterstützung bereit. Allein im Jahr 2016 erhielten acht Frauenrechtsorganisationen in dieser Region Hilfe bei der Versorgung und Beratung von Überlebenden sexualisierter und geschlechtsspezifischer Gewalt.

Sexualisierte Gewalt gegen Frauen und Mädchen in der Region Große Seen Afrikas

  • Laut einer amerikanischen Studie aus dem Jahre 2011 wurden in der Demokratischen Republik Kongo bis zu 1,8 Millionen Frauen und Mädchen zwischen 15 und 49 Jahren (ca. 12 Prozent) mindestens einmal in ihrem Leben vergewaltigt. Allein im Zeitraum zwischen 2006 und 2007 waren es demnach rund 400 000 Frauen, zwei Drittel davon Kinder unter 18 Jahren, die vergewaltigt wurden. Sogenannte „häusliche Gewalt“, also sexualisierte Gewalt seitens ihrer Ehemänner oder Partner, erlebten rund 35 Prozent aller kongolesischen Frauen.
  • Jede vierte Vergewaltigung in der DR Kongo trifft ein Kind. Eine von hundert Frauen wird durch die Vergewaltigung schwanger. Eine von zehn Frauen wird durch die Vergewaltigung mit dem HI-Virus infiziert.
  • Von 100.000 werdenden Müttern sterben etwa 730 bei der Geburt.
  • In der DR Kongo werden die meisten Frauen auf den Feldern überfallen oder aus ihren Häusern entführt. Die Täter sind in der Regel Mitglieder bewaffneter Gruppen wie der kongolesischen Armee, Milizen oder Rebellen, aber auch immer mehr Zivilisten. Gemeinsam ist ihnen die brutale Vorgehensweise. Viele Opfer werden verschleppt, manchmal wochenlang immer wieder vergewaltigt und oftmals schwer verletzt zurückgelassen.
  • Die Überlebenden der Gewalt finden nur selten medizinisch-psychologische oder materielle Unterstützung. Insbesondere in den Krisenregionen im Osten der DR Kongo ist das Sozial- und Gesundheitswesen unzureichend. Vor allem auf dem Land fehlt es an medizinischem Personal. Viele Frauen und Mädchen werden durch die Vergewaltigung so schwer verletzt, dass sie den Weg in die nächste Klinik nicht mehr bewältigen können. Die meisten sind darüber hinaus zu arm, um die Mittel für Transport, Medikamente oder für eine Behandlung aufzubringen.
  • Sexualisierte Kriegsgewalt wurde in Ruanda gezielt eingesetzt, um Angst zu verbreiten und Macht zu demonstrieren. Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerkes UNICEF liegt die Zahl der vergewaltigten Frauen und Mädchen zwischen 250.000 und 500.000 – genaue Angaben sind nicht bekannt. Die meisten wurden nach den Vergewaltigungen getötet. Einige der Überlebenden wurden durch die sexualisierten Gewalttaten ungewollt zu Müttern – offizielle Schätzungen gehen von 2.000 bis 5.000 Kindern aus, die Dunkelziffer liegt mit Sicherheit deutlich höher.
  • In vielen Dörfern in Norduganda verbieten die Traditionen den Frauen, Eigentum zu besitzen.
  • Seit den Anfängen der kriegerischen Auseinandersetzungen in Uganda in den frühen 80er Jahren wurden etliche junge Frauen und Mädchen verschleppt, vergewaltigt und sexuell versklavt. Über Monate, manchmal auch Jahre hindurch wurden sie von den Rebellen festgehalten, mussten ihnen sexuell zu Diensten stehen und wurden gezwungen zu töten.
  • Mädchen und junge Frauen in Uganda, die wiederholt vergewaltigt wurden, gelten in den Augen ihrer Familien als „beschmutzt“ und werden oftmals verstoßen. Außerdem haben viele der jungen Frauen in den Lagern der Rebellen als Folge der wiederholten Vergewaltigungen Kinder zur Welt gebracht. Neben der oftmals schwierigen und traumatischen Beziehung von Mutter und Kind werden die Kinder häufig weder von der eigenen Familie noch von der Gemeinschaft akzeptiert.

Aus der Praxis:

8 neue Spar- und Kreditgruppen hat FOWAC 2017 in Norduganda aufgebaut. Mit Kleinkrediten und wirtschaftlichem Grundwissen in Buchhaltung, Marketing und Kundenbetreuung eröffnen sie den Frauen den Weg zu einem eigenen Einkommen.

15 junge Mädchen konnten in viermonatigen Kursen Stricken und Schneidern lernen und erhielten anschließend Maschinen und Zubehör für den Start in die Selbstständigkeit.

1.190 von sexualisierter Gewalt betroffene Frauen und Mädchen haben die Partnerorganisationen im Süd-Kivu seit 2015 unterstützt. 446 davon wurden zur medizinischen Behandlung an Kliniken überwiesen.

Partnerorganisationen:
Burundi: Maison Marthe Robin, SFBSP, MUKENYEZI MENYA
DR Kongo: ADDF, PAIF; Südkivu-Programm: AFPDE, EPF, HAM, La Floraison, RAPI, RFDP
Ruanda: SEVOTA
Uganda: FOWAC, MEMPROW

Projektregionen:
Burundi: Bujumbura, Provinzen Cibitoke, Bubanza, Bujumbura Rural und Mairie
DR Kongo: Provinzen Nord- und Südkivu
Ruanda: Muhanga, Kirehe, Kigali
Uganda: Distrikte Nebbi, Kitgum, Lamwo in Norduganda

Projektschwerpunkte:

  • Ganzheitliche medizinische, psychosoziale und sozioökonomische Unterstützung für von geschlechtsspezifischer Gewalt Betroffene und deren Kinder
  • Prävention sexualisierter Gewalt in Gemeinden und Schulen
  • Advocacy-Arbeit mit zivilgesellschaftlichen und staatlichen Akteuren, um die Unterstützung und den Schutz von Überlebenden zu verbessern
  • Qualifizierung und Organisationsentwicklung für Frauenorganisationen, die von sexualisierter Gewalt betroffene Frauen und Mädchen unterstützen
  • Qualifizierung von psychosozialen Beraterinnen zu stress- und traumasensibler Unterstützung

Finanzierung (Mittelgeber):
Bundesentwicklungsministerium (BMZ)
Fondation Smartpeace
Medicor Foundation
Fürsorge und Bildungsstiftung
Stiftung Anne-Marie Schindler
Sigrid Rausing Trust
Spenden/Eigenmittel

Quelle: Jahresbericht 2017

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