Zehntausende Frauen und Mädchen wurden während der Jugoslawienkriege in den 1990er Jahren vergewaltigt, gefoltert und sexuell ausgebeutet. Obwohl Bosnien-Herzegowina und der Kosovo beginnen, sich mit ihrer Geschichte auseinanderzusetzen, bleibt geschlechtsspezifische Gewalt ein weit verbreitetes Problem. In Albanien führen Armut und die Dominanz patriarchaler Traditionen dazu, dass Frauen unterdrückt werden.

Frauenrechte in Südosteuropa:

  • Es sind Erinnerungen an Kriegsterror, Internierung, Misshandlung und brutale Vergewaltigung, die das Leben zehntausender bosnischer Frauen bis heute prägen. Während des Bosnienkriegs (1992-1995) vergewaltigten Soldaten und Paramilitärs schätzungsweise zwischen 20.000 und 50.000 Frauen und Mädchen, viele von ihnen mehrfach und über Wochen und Monate hinweg. Die meisten sind seither schwer traumatisiert, leiden an chronischen Krankheiten oder Angststörungen, die den Alltag stark beeinträchtigen und eine berufliche Beschäftigung unmöglich machen. Ohne fremde Unterstützung sind sie von extremer Armut betroffen.
  • Im Kosovo gibt es kaum FrauenärztInnen – geschweige denn auf Traumatisierung spezialisierte GynäkologInnen. Frauen, die sexualisierte Gewalt und Übergriffe erlebt haben, bleiben mit den gesundheitlichen Folgen häufig auf sich allein gestellt. Die Verfassung Kosovos garantiert Frauen gleiche Rechte wie Männer. Doch die praktische Rechtsprechung ist noch immer stark vom jahrhundertealten Stammesrecht "Kanun" geprägt, in dem Frauen extrem benachteiligt werden – besonders auf dem Land.
  • Dank großer Anstrengungen der Oppositionspartei und den Lobby-Aktivitäten des „Kosovarischen Frauennetzwerks“ ist das Gesetz zur Entschädigung von Kriegsopfern im Februar 2014 geändert worden und schließt seitdem auch Frauen mit ein, die sexualisierte Gewalt während des Krieges erlebt haben. Viele Überlebende von Vergewaltigung und sexualisierter Gewalt sehen sich jedoch noch vor großen Hindernissen im Zugang zu Rehabilitationsdiensten, Entschädigungen und Rechtshilfe. Medica Gjakova sieht Rechtsbeistand daher als wichtiges Projektziel.
  • Frauen, die einer ethnischen Minderheit angehören, haben es im Kosovo doppelt schwer. Roma, Sinti oder Askahli sind fast überall im Land Gewalt und Diskriminierung ausgesetzt. Die meisten dieser Frauen leben zudem in bitterer Armut und unter schwierigen sozialen Bedingungen. In ihren Siedlungen herrscht oftmals ein Klima der Gewalt, von dem Frauen besonders hart betroffen sind.

Aus der Praxis:

13 Fachkräfte aus dem Gesundheitssektor hat Medica Zenica im Rahmen des Trainingsprogramms dafür fortgebildet, künftig andere zum stress- und traumasensiblen Ansatz zu schulen.

150 Anträge auf Kriegsopferrente waren bis Ende 2017 Medica Gjakova eingegangen. Sie sollen der zuständigen Kommission übergeben werden, sobald die Rente in Kraft tritt.

Partnerorganisationen:
Bosnien und Herzegowina: Medica Zenica, Vive Žene, Budućnost, SEKA Gorazde
Kosovo: Medica Gjakova, Kosovo Rehabilitation Centre for Torture Victims (KRCT)
Kroatien: Ökumenische Fraueninitiative (EWI)

Projektregionen:
Bosnien und Herzegowina: Kantone Zenica Doboj, Zentralbosnien, Una Sana, Bosnisches Podrinje, Tuzla, und Republica Srpska
Kosovo: ganzes Land
Kroatien: Dalmatien

Projektschwerpunkte:

  • Unterstützung von Überlebenden sexualisierter Kriegsgewalt und anderen Formen geschlechtsspezifischer Gewalt durch psychosoziale Beratung, gynäkologische Versorgung, Rechtsberatung, Einkommen schaffende Maßnahmen
  • Training für Gesundheitsfachkräfte
  • Advocacy- und Aufklärungsarbeit
  • Unterstützung von Frauennetzwerken zur Vergangenheitsbewältigung und Friedensbildung

Finanzierung (Mittelgeber):
Bundesentwicklungsministerium (BMZ)
Auswärtiges Amt (AA)
GIZ
Stiftung Kriegstrauma-Therapie
Stiftung Anne-Marie Schindler
Louis Leitz Stiftung
Spenden/Eigenmittel

Quelle: Jahresbericht 2017

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