Zweiter Weltkrieg: Vergewaltigungen von Millionen von Frauen und Mädchen

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Kinder des Krieges – Children Born of War

In und nach jedem Krieg werden Kinder geboren, die von Besatzungssoldaten mit einheimischen Frauen gezeugt wurden – die „Children Born of War". Der englische Begriff hat sich international in der Wissenschaft durchgesetzt und meint Kinder, die infolge sexualisierter Kriegsgewalt gezeugt wurden. Und er meint ebenso Kinder, deren Väter den Friedenstruppen oder der humanitären Hilfe angehören, auch, wenn es eine freiwillige Beziehung war.

Kriegskinder: verleugnet und ausgegrenzt

Manche Frauen entscheiden sich zu einem Abbruch, andere bringen ihre Kinder zur Welt und behalten sie oder geben sie zur Adoption frei. Wie viele „Children born of war" in Folge von Vergewaltigungen geboren werden, ist meist ebenso vage zu beziffern, wie die tatsächlich stattfindenden Vergewaltigungen. Um sich selbst und ihre Kinder zu schützen, verschweigen viele Mütter die Wahrheit. Denn auch ihre Kinder werden meist, wie sie selbst, stigmatisiert, diskriminiert und als „Kinder des Feindes" ausgegrenzt.

 

Kinder des Krieges – in Deutschland und weltweit

Kinder des Krieges in Deutschland

In Deutschland fanden die sogenannten Besatzungskinder nach 1945 lange Zeit keine Aufmerksamkeit: Erst seit den 2000er Jahren ändert sich das langsam. Nach Schätzungen wurden zwischen 1945 und 1955 etwa 400.000 Kinder geboren, deren Väter Besatzungssoldaten waren; dazu zählen auch jene Kinder, die nicht gewaltsam gezeugt wurden.

Neben den „Besatzungskindern" hat sich im Kontext des Zweiten Weltkrieges auch der Begriff der „Wehrmachtskinder“ etabliert. Dieser bezeichnet Kinder, die von deutschen Soldaten in den vom NS-Regime okkupierten Ländern gezeugt wurden. Auch die Zahl dieser Kinder bleibt ungewiss: Für Norwegen gibt es beispielsweise Schätzungen von 10.000 bis 12.000. Allein 8.000 wurden durch den von der SS getragenen Verein Lebensborn registriert. Zu den sogenannten Wehrmachtskindern in den besetzten Gebieten der Sowjetunion wiederum gibt es kaum Dokumente. 

Kinder des Krieges in Bosnien-Herzegowina

Schätzungsweise 20.000 bis 50.000 Frauen und Mädchen werden Opfer sexualisierter Gewalt im Bosnien-Krieg von 1992 bis 1995. Die Frauen und Mädchen werden teils mehrfach und über Wochen und Monate hinweg vergewaltigt – durch Soldaten und Paramilitärs.

Infolge der massenhaften Vergewaltigungen kommt es auch zu unfreiwilligen Schwangerschaften. Manche Frauen entscheiden sich zu einem Abbruch, andere bringen ihre Kinder zur Welt und geben sie zur Adoption frei oder behalten sie. Schätzungen zufolge sind 400 bis 600 Kinder im Bosnien-Krieg infolge sexualisierter Gewalt gezeugt und geboren worden. Diese Kinder des Krieges sind bis heute weitgehendst ein Tabu in Bosnien-Herzegowina, sie werden teils ausgegrenzt und stigmatisiert. Das könnte sich ändern, denn einige der Kinder melden sich in den letzten Jahren zu Wort und vernetzen sich. 

Allen Widrigkeiten zum Trotz: Ein Fall, der Hoffnung macht

Ajna Jusić wird 1993 im Frauenzentrum von Medica Zenica geboren, Ihre Mutter wurde im Krieg vergewaltigt und mit ihr schwanger. Ajna Jusić ist heute 26 Jahre alt, sie ist Psychologin und Aktivistin. 2018 ist sie mit ihrer Geschichte erstmals an die Öffentlichkeit gegangen – ganz bewusst. Gemeinsam mit anderen gründet sie den Verein „Forgotten children of war“ – „Vergessene Kinder des Krieges“. Sie wollen ihre Geschichten sichtbar machen; sie wollen über ihre Benachteiligung reden und für ihre Rechte eintreten. Vor allem aber wollen sie anderen Kindern des Krieges zeigen, dass sie nicht allein sind.

Leid anerkennen, Trauma bewältigen

Ajna Jusić hat ihre Geschichte aufgearbeitet – gemeinsam mit ihrer Mutter. Andere sind noch nicht so weit; sie brauchen (weiterhin) Hilfe und Unterstützung. Dabei geht es auch darum, transgenerationale Traumata zu bewältigen. Wenn die Mütter die Gewalterfahrung nicht aufarbeiten können, in den Familien geschwiegen wird und das gesellschaftliche Stigma anhält, werden Traumata weitergegeben.

„Nach dem Krieg gab es keine systematische Unterstützung für die Überlebenden sexualisierter Kriegsgewalt. Die Vergewaltigung blieb das Problem der einzelnen Frau“, sagt Ajna Jusić. Das sei ein Fehler gewesen. Die Überlebenden sexualisierter Gewalt und ihre Kinder brauchen Anerkennung und Unterstützung, auch damit Traumata nicht über Generationen weitergegeben werden.

Chancen für die Zukunft

Die Kinder des Krieges können in Nachkriegsgesellschaften auch Brücken bauen. In ihrem Verein sprechen sie nicht über ethnische Zugehörigkeiten. Sie reden über die Überlebenden sexualisierter Gewalt und ihre Kinder – über ihre Anerkennung und ihre Zukunft. „Vergewaltigung hat keine Nationalität. Es ist ein Trauma – und so müssen wir es behandeln“, sagt Ajna Jusić. 

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Niemals nur Geschichte: Gemeinsam gegen sexualisierte Kriegsgewalt

75 Jahre Kriegsende in Europa und Asien. Zu den schweren Menschenrechtsverletzungen dieses Krieges zählten auch Vergewaltigungen von Millionen von Frauen und Mädchen. Die Erlebnisse und Geschichten der Frauen und Mädchen, die im Zweiten Weltkrieg vergewaltigt wurden, sind kaum bekannt. Ihr Leid wurde in den Nachkriegsgesellschaften bis heute meist ignoriert und verdrängt – auch in Deutschland. Die Betroffenen hatten kaum Möglichkeiten, über das Erlebte zu sprechen und erhielten keine angemessene psychosoziale Unterstützung.

Folgen sexualisierter Kriegsgewalt über Generationen

Ohne die Unterstützung jedoch, kann das Erlebte nicht verarbeitet werden. Unverarbeitet dauern die Folgen der erlebten Gewalt an und reichen tief in ihr Leben. Aber die erlebte Gewalt und die einhergehende Tabuisierung haben nicht nur Folgen für die direkt Betroffenen. Ihre Traumata wirken sich auf alle aus, beeinflussen familiäre und soziale Beziehungen und werden als transgenerationales Trauma an die folgenden Generationen weitergegeben. Sie prägen unsere Gesellschaft bis in die Gegenwart.

Erlebtes sichtbar machen, die Kraft von Frauen würdigen

Mit der Kampagne "Niemals nur Geschichte – Gemeinsam gegen sexualisierte Kriegsgewalt" erinnert medica mondiale an das Unrecht und macht auf das Schicksal der zahlreichen Frauen und Mädchen aufmerksam, würdigt aber auch ihre Kraft bei der Bewältigung des Erlittenen.

 

Oberbürgermeisterin Henriette Reker: "Wir können dazu beitragen, einen Heilungsprozess in Gang zu setzen."

Wir schaffen einen Raum für ihre Geschichten und die ihrer Angehörigen, Kinder und EnkelInnen. Wir wollen öffentlich unsere Solidarität zeigen und planen gemeinsam mit der Stadt Köln einen Erinnerungssort für alle Frauen, die damals und seitdem weltweit in Kriegen vergewaltigt wurden. Diese Frauen und ihre Geschichten sind ein Teil von uns. Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker unterstützt das Anliegen: „Ich danke medica mondiale für die Initiative und unterstütze die Forderung nach einem Erinnerungsort für Überlebende sexualisierter Kriegsgewalt. Indem wir ihr Leid anerkennen und gleichzeitig die Kraft würdigen, mit der die Überlebenden ihr Schicksal gemeistert haben, können wir dazu beitragen, einen Heilungsprozess in Gang zu setzen – für die betroffenen Frauen, aber auch für uns als Gesellschaft.“

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Pressemitteilung: medica mondiale plant gemeinsam mit der Stadt Köln einen Erinnerungsort für im Krieg vergewaltigte Frauen (Download Pressemitteilung)

Download Presseinformation: "Niemals nur Geschichte – Gemeinsam gegen sexualisierte Kriegsgewalt"

Vergewaltigung im Krieg: Gewalt gegen Frauen im Zweiten Weltkrieg und in der Nachkriegszeit

Kriegsvergewaltigungen und ihre Folgen für Millionen von Frauen

Millionen Frauen und Mädchen wurden im Zweiten Weltkrieg Opfer sexualisierter Gewalt. Die physischen, psychischen und sozialen Folgen für die Betroffenen reichen bis in die Gegenwart.

Sexualisierte Kriegsgewalt wurde von allen Armeen zum grausamen Instrument des Krieges. Zahlreiche Frauen und Mädchen starben an den Folgen der Vergewaltigungen oder wurden anschließend getötet. Viele begingen unmittelbar nach der erlittenen Gewalttat oder in den darauffolgenden Wochen und Monaten Suizid.

Vergewaltigung im Krieg und Nachkrieg: Wer waren die Täter?

Zu den Tätern gehörten SA- und SS-Männer, einfache Wehrmachts-Soldaten und Polizisten sowie ihre Kollaborateure in den besetzten Ländern. Frauen wurden in Konzentrationslagern und den besetzen Gebieten - zum Beispiel in der Sowjetunion, Polen, Frankreich und den Niederlanden – durch deutsche Soldaten vergewaltigt, zwangsprostituiert oder erlitten andere sexualisierte Übergriffe. Auch die japanische Armee verschleppte und versklavte Frauen aus Japans damaliger Kolonie Korea sowie aus anderen besetzten Ländern wie China, Taiwan oder den Philippinen.

Vergewaltigungen: Kein Ende in der Nachkriegszeit

Ebenso sind Übergriffe durch sowjetische, US-amerikanische, französische und britische Soldaten dokumentiert. Von alliierten Soldaten wurden Frauen während ihrer Flucht und Vertreibung, während der Kampfhandlungen und unter der Besatzung in den Nachkriegsjahren in Europa und Asien vergewaltigt.

Schmerzvolles Schweigen: Tabu, Scham und Stigmatisierung

In den Nachkriegsgesellschaften fanden die Opfer nirgendwo einen Platz im kollektiven Gedächtnis. Es gab keine angemessene öffentliche Aufarbeitung. Denn seit jeher wird sexualisierte Gewalt als eine Art „Kollateralschaden“ des Krieges betrachtet und gesellschaftlich tabuisiert. Häufig wurden die Opfer zusätzlich stigmatisiert.

Fehlende Anerkennung und Aufarbeitung

Auch in Deutschland verschwiegen viele Betroffene die Gewalttaten aus Scham, Angst und in Folge des Traumas. Sie bekamen keine Unterstützung; die Verbrechen im Zweiten Weltkrieg wurden weder sozial noch juristisch anerkannt. Vielen blieb allein das Verdrängen. Zerstörung und Trauma entfalteten ihre Wirkung im Stillen. Und auch wenn sich viele Betroffene trotz der schmerzhaften Erfahrungen ein stabiles Leben aufgebaut haben, können Traumata im Alter unvermittelt wieder aufbrechen.

Transgenerationales Kriegstrauma verhindern und überwinden

Dass sexualisierte Gewalt aufgearbeitet wird, ist für die Betroffenen, aber auch für die nachfolgenden Generationen essenziell. Denn Traumata der Vergangenheit können über Generationen hinweg weiterwirken. Das gilt für Kinder und Enkel*innen, in deren Familien Vergewaltigung verschwiegen und tabuisiert wurde. Es gilt für Kinder, die sexualisierte Gewalt mit ansehen mussten. Und es gilt für Kinder, die durch eine Vergewaltigung gezeugt wurden.

Sexualisierte (Kriegs-)Gewalt verhindern und ihre Folgen beenden

Obwohl es inzwischen auf internationaler Ebene eine Reihe Initiativen gibt, um sexualisierte Kriegsgewalt zu verhindern und zu ahnden, fehlt es weiterhin an einem breiten politischen Bewusstsein für die Notwendigkeit von Präventionsarbeit, die Bedeutung von kurz- und langfristiger Hilfe für Betroffene sowie einer umfangreichen Strafverfolgung dieser Verbrechen.

Um zu verhindern, dass sich Traumata transgenerational und gesamtgesellschaftlich fortschreiben, braucht es einen pro-aktiven Umgang mit der Vergangenheit und sexualisierter Gewalt im Zweiten Weltkrieg – in Europa und in Asien.

 

Sexualisierte Kriegsgewalt weltweit verhindern, Frauen und Mädchen unterstützen

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Kriegsvergewaltigungen und (transgenerationales) Trauma

Vergewaltigungen sind systematischer Bestandteil nahezu jeder kriegerischen Auseinandersetzung. Unverarbeitet dauern die seelischen Folgen der erfahrenen Gewalt an und prägen das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen nachhaltig. Für Betroffene, aber auch für uns als Gesellschaft insgesamt, ist entscheidend, wie wir mit den Auswirkungen sexualisierter Kriegsgewalt umgehen.

Trauma: tiefe seelische Wunden

Trauma bezeichnet eine tiefe seelische Wunde, die auf einem elementaren Angriff auf die körperliche und seelische Unversehrtheit beruht. Sind die Erfahrungen zu überwältigend, um sie unmittelbar zu verarbeiten, führen diese zu psychischen, körperlichen und sozialen Langzeitfolgen.

In einer traumatisierenden Situation wird in Körper und Gehirn ein Notfallmechanismus in Gang gesetzt, um das unmittelbare Überleben zu sichern. Nach dieser existenziellen Erfahrung versucht der Organismus den betroffenen Menschen vor einer weiteren potentiellen Gefahr zu warnen. So können beispielsweise Gerüche, Geräusche, Farben oder ein Stimmklang Erinnerungen wachrufen und dazu führen, dass die Situation erneut durchlebt wird.

Wie stark und dauerhaft die Folgen eines Traumas sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Ganz wesentlich tragen zur Verarbeitung die Erfahrungen bei, die die Betroffenen danach in ihrem sozialen und gesellschaftspolitischen Umfeld machen.

Folgen der Gewalt bis in die nächsten Generationen

Kriegsvergewaltigungen sind invasiv und verletzen die körperliche und seelische Integrität. Sie sind ein massiver Angriff auf das Vertrauen und die Beziehungsfähigkeit der Betroffenen und hat neben der Entwürdigung der Frauen unter anderem auch das Ziel, die gegnerische Partei zu erniedrigen und das soziale Gefüge zu zerstören.

Ohne angemessene psychosoziale Unterstützung kann das Erlebte nicht verarbeitet werden, Die Stigmatisierung der Betroffenen, die familiäre und gesellschaftliche Tabuisierung von geschlechtsspezifischer Gewalt sowie eine fehlenden öffentliche Anerkennung des erfahrenen Unrechts verstärken posttraumatische Stress-Symptome.

Ängste, Schutz- oder Stressreaktionen werden oft unbewusst an Kinder und Enkelkinder weitergegeben und auch die emotionale Verbindung im familiären Miteinander kann stark beeinträchtigt sein. Nachfolgenden Generationen können so an den Folgen der Gewalt leiden, ohne sie selbst jemals erlebt zu haben.

Die Kultur des Schweigens überwinden, Leid anerkennen

Das öffentliche Bewusstsein und die öffentliche Anerkennung, dass es sich bei Kriegsvergewaltigungen und anderen Formen von sexualisierter Gewalt nicht nur um ein individuelles Trauma der Betroffenen, sondern auch um ein gesellschaftliches Trauma handelt, kann entscheidend zur Enttabuisierung der Gewalt beitragen. Und es ermöglicht auch, den Blick auf die transgenerationalen Folgen von Kriegsvergewaltigungen zu richten.

Um die Kultur des Schweigens zu überwinden, brauchen wir Stellungnahmen, auch von Personen des öffentlichen Lebens, zum Beispiel von Politiker*innen. Ihr Sprechen sendet wichtige Botschaften aus. Auf gesellschaftlicher Ebene muss das Tabu im Sinne der betroffenen Frauen behutsam aufgebrochen werden. Dabei ist eine differenzierte Wahrnehmung wichtig, die Frauen nicht nur in der Opferrolle zeigt, sondern auch ihre Überlebensstärke würdigt.

FAQ "Transgenerationales Trauma": Wie man es erkennt, anspricht, damit umgeht und es bewältigen kann

1. Wie erkennt man ein eigenes transgenerationales Trauma, obwohl die traumatisierte Generation nicht über die eigenen Erfahrungen spricht?

Viele Nachkommen beschreiben, dass eine dunkle und schwere Stimmung des Schweigens über der Familie liegt, die sie nicht zuordnen können. Gleichzeitig haben viele ein diffuses Schuldgefühl entwickelt, dessen Ursprung für sie nicht greifbar ist. Viele fühlen sich von Ängsten geplagt, von tiefer Verunsicherung, einer Verlorenheit in der Welt oder von einer unterdrückten Wut. Manche haben wiederkehrende, belastende Träume, die sie zeitlich mit der Eltern- oder Großelterngeneration in Verbindung bringen. Viele ahnen, dass es nichts mit ihrem eigenen Tun oder Erleben zu tun hat. Dies sind häufig die ersten Schritte, sich dem Thema zuzuwenden und Unterstützung zu suchen.

2. Wie spricht man das Thema transgenerationale Traumatisierung innerhalb der eigenen Familie an?

Verschwiegene oder gar tabuisierte Themen müssen behutsam angegangen werden. Das Schweigen der Betroffenen sexualisierter Gewalt ist ein wichtiger Schutzmechanismus, damit diese ihren Alltag meistern können. Auf Dauer allerdings hindern sie sie daran, sich zu entfalten und frei zu bewegen. Damit solche Muster geändert werden können, sind Vertrauen und Sicherheit notwendig. Fragen sollten behutsam gestellt, eher Erzählimpulse gegeben werden und nicht auf das Berichten von Details abzielen. Es kommt darauf an zu vermitteln, dass es immer die Wahl gibt innezuhalten, fortzufahren oder auch einen Schritt zurückzutreten.

Und nicht immer kann und muss ein erlittenes Trauma über das Gespräch mit der direkt betroffenen Person bearbeitet werden. Es kann hilfreich sein, die eigenen Fragen und Zweifel in einem anderen Rahmen zu bearbeiten, in dem diese gut aufgehoben sind. Welcher dies ist, kann ganz unterschiedlich sein – für manche ist es eine Selbsthilfegruppe, für andere die beste Freundin, für jene ist es eine Therapie oder ein spiritueller Weg.

3. Was wurde von Betroffenen bei der Bewältigung ihres Traumas als hilfreich erlebt? Wie konnten die Frauen weiterleben?

Die meisten Überlebenden von sexualisierter Kriegsgewalt haben ihre Kräfte in die Bewältigung des Nachkriegsalltags gesteckt. Sie haben versucht zu funktionieren in dem Maße, in dem das Umfeld nicht bereit und nicht in der Lage war, sich angemessen mit dem Thema zu beschäftigen und die Betroffenen zu unterstützen. Dies kann als Verdrängung bezeichnet werden. Die Tatsache, dass diese Frauen es geschafft haben, einen Alltag zu entwickeln, ist jedoch auch eine große Energieressource und Stärke, die gesehen und anerkannt werden sollte.

4. Warum sollte sich die Öffentlichkeit heute noch für die Vergewaltigungen im Zweiten Weltkrieg interessieren? Was kann das bewirken?

Das Bewusstsein, dass es sich nicht nur um ein individuelles, sondern auch um ein gesellschaftliches Trauma handelt, kann entscheidend zur Enttabuisierung von sexualisierter Gewalt beitragen. Öffentliche Stellungnahmen, gerade auch von PolitikerInnen, helfen die Kultur des Schweigens zu überwinden. Sie erkennen damit an, dass es sich um Verbrechen handelt. Auf gesellschaftlicher Ebene muss das Tabu im Sinne der betroffenen Frauen behutsam aufgebrochen werden. Dabei ist eine differenzierte Wahrnehmung wichtig, die Frauen nicht nur in der Opferrolle zeigt, sondern auch ihre Überlebensstärke würdigt.

Unsere Trauma-Expertin:

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