Zweiter Weltkrieg: Vergewaltigungen von Millionen von Frauen und Mädchen

Video: Zweiter Weltkrieg endete vor 75 Jahren – Monika Hausers Grußwort zur Kampagne "Niemals nur Geschichte" Video anschauen

Frauen im Zweiten Weltkrieg: Das Leiden der "Trostfrauen"

Die Friedensstatue muss bleiben
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Zweiter Weltkrieg: Korea-Verband demonstriert seit Jahrzehnten Solidarität mit den “Trostfrauen”
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Gedenkaktion Zweiter Weltkrieg: Erinnern an das Leiden der „Trostfrauen“
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Inhaltsangabe des Verlags: Die Hauptfigur in Ruth Hallos Roman, die Chinesin Meian Ling, steht für über hunderttausende Frauen, die während des Zweiten Weltkrieges vom japanischen Militär zur...
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Der „Internationale Tag der Trostfrauen“ am 14. August erinnert an das Leiden der sogenannten Trostfrauen, ihre Kraft, aber auch an die Menschenrechtsverletzungen, die niemals von offizieller  Stelle verurteilt wurden. Sara Fremberg, Bereichsleiterin Kommunikation und Politik bei medica mondiale, nahm in Berlin mit einem Redebeitrag an der Gedenkaktion teil.

„Hunderttausende Frauen überlebten das Trauma, aber konnten oder durften nicht über das Erlebte sprechen. Ihre Geschichten und ihr Leid werden in den Nachkriegsgesellschaften bis heute überwiegend ignoriert und verdrängt“

Bis zu 200.000 Frauen und Mädchen aus Japans damaliger Kolonie Korea, aber auch aus allen anderen japanisch besetzten Ländern wie China, Taiwan oder den Philippinen, waren im Zweiten Weltkrieg von sexualisierter Kriegsgewalt betroffen – ebenso wie Millionen von Frauen in Russland und Polen, in Frankreich und Deutschland.

„Wir wollen dafür eintreten, dass ihre Geschichten nicht vergessen werden. Ihre Geschichten sind niemals nur Geschichte. Ihre Geschichten sind ein Teil von uns.“

Sara Fremberg, Bereichsleiterin Kommunikation und Politik bei medica mondiale

Rede von Sara Fremberg bei der Mahnwache des Koreaverbandes zum 8. Internationalen Gedenktag der „Trostfrauen” Download
Stimmen zum Gedenktag:

Niemals nur Geschichte: Gemeinsam gegen sexualisierte Kriegsgewalt

75 Jahre Kriegsende in Europa und Asien. Zu den schweren Menschenrechtsverletzungen dieses Krieges zählten auch Vergewaltigungen von Millionen von Frauen und Mädchen. Die Erlebnisse und Geschichten der Frauen und Mädchen, die im Zweiten Weltkrieg vergewaltigt wurden, sind kaum bekannt. Ihr Leid wurde in den Nachkriegsgesellschaften bis heute meist ignoriert und verdrängt – auch in Deutschland. Die Betroffenen hatten kaum Möglichkeiten, über das Erlebte zu sprechen und erhielten keine angemessene psychosoziale Unterstützung.

Folgen sexualisierter Kriegsgewalt über Generationen

Ohne die Unterstützung jedoch, kann das Erlebte nicht verarbeitet werden. Unverarbeitet dauern die Folgen der erlebten Gewalt an und reichen tief in ihr Leben. Aber die erlebte Gewalt und die einhergehende Tabuisierung haben nicht nur Folgen für die direkt Betroffenen. Ihre Traumata wirken sich auf alle aus, beeinflussen familiäre und soziale Beziehungen und werden als transgenerationales Trauma an die folgenden Generationen weitergegeben. Sie prägen unsere Gesellschaft bis in die Gegenwart.

„Auch wir hierzulande brauchen Heilungsarbeit. Heilungsarbeit braucht Erinnerung.“

Monika Hauser über unbearbeitete Kriegstraumata in Deutschland

Erlebtes sichtbar machen, die Kraft von Frauen würdigen

Mit der Kampagne "Niemals nur Geschichte – Gemeinsam gegen sexualisierte Kriegsgewalt" erinnert medica mondiale an das Unrecht und macht auf das Schicksal der zahlreichen Frauen und Mädchen aufmerksam, würdigt aber auch ihre Kraft bei der Bewältigung des Erlittenen.

 

Oberbürgermeisterin Henriette Reker: "Wir können dazu beitragen, einen Heilungsprozess in Gang zu setzen."

Wir schaffen einen Raum für ihre Geschichten und die ihrer Angehörigen, Kinder und EnkelInnen. Wir wollen öffentlich unsere Solidarität zeigen und planen gemeinsam mit der Stadt Köln einen Erinnerungssort für alle Frauen, die damals und seitdem weltweit in Kriegen vergewaltigt wurden. Diese Frauen und ihre Geschichten sind ein Teil von uns. Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker unterstützt das Anliegen: „Ich danke medica mondiale für die Initiative und unterstütze die Forderung nach einem Erinnerungsort für Überlebende sexualisierter Kriegsgewalt. Indem wir ihr Leid anerkennen und gleichzeitig die Kraft würdigen, mit der die Überlebenden ihr Schicksal gemeistert haben, können wir dazu beitragen, einen Heilungsprozess in Gang zu setzen – für die betroffenen Frauen, aber auch für uns als Gesellschaft.“

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Pressemitteilung: medica mondiale plant gemeinsam mit der Stadt Köln einen Erinnerungsort für im Krieg vergewaltigte Frauen (Download Pressemitteilung)

Download Presseinformation: "Niemals nur Geschichte – Gemeinsam gegen sexualisierte Kriegsgewalt"

Vergewaltigung im Krieg: Gewalt gegen Frauen im Zweiten Weltkrieg und in der Nachkriegszeit

Kriegsvergewaltigungen und ihre Folgen für Millionen von Frauen

Millionen Frauen und Mädchen wurden im Zweiten Weltkrieg Opfer sexualisierter Gewalt. Die physischen, psychischen und sozialen Folgen für die Betroffenen reichen bis in die Gegenwart.

Sexualisierte Kriegsgewalt wurde von allen Armeen zum grausamen Instrument des Krieges. Zahlreiche Frauen und Mädchen starben an den Folgen der Vergewaltigungen oder wurden anschließend getötet. Viele begingen unmittelbar nach der erlittenen Gewalttat oder in den darauffolgenden Wochen und Monaten Suizid.

Vergewaltigung im Krieg und Nachkrieg: Wer waren die Täter?

Zu den Tätern gehörten SA- und SS-Männer, einfache Wehrmachts-Soldaten und Polizisten sowie ihre Kollaborateure in den besetzten Ländern. Frauen wurden in Konzentrationslagern und den besetzen Gebieten - zum Beispiel in der Sowjetunion, Polen, Frankreich und den Niederlanden – durch deutsche Soldaten vergewaltigt, zwangsprostituiert oder erlitten andere sexualisierte Übergriffe. Auch die japanische Armee verschleppte und versklavte Frauen aus Japans damaliger Kolonie Korea sowie aus anderen besetzten Ländern wie China, Taiwan oder den Philippinen.

Vergewaltigungen: Kein Ende in der Nachkriegszeit

Ebenso sind Übergriffe durch sowjetische, US-amerikanische, französische und britische Soldaten dokumentiert. Von alliierten Soldaten wurden Frauen während ihrer Flucht und Vertreibung, während der Kampfhandlungen und unter der Besatzung in den Nachkriegsjahren in Europa und Asien vergewaltigt.

Schmerzvolles Schweigen: Tabu, Scham und Stigmatisierung

In den Nachkriegsgesellschaften fanden die Opfer nirgendwo einen Platz im kollektiven Gedächtnis. Es gab keine angemessene öffentliche Aufarbeitung. Denn seit jeher wird sexualisierte Gewalt als eine Art „Kollateralschaden“ des Krieges betrachtet und gesellschaftlich tabuisiert. Häufig wurden die Opfer zusätzlich stigmatisiert.

Fehlende Anerkennung und Aufarbeitung

Auch in Deutschland verschwiegen viele Betroffene die Gewalttaten aus Scham, Angst und in Folge des Traumas. Sie bekamen keine Unterstützung; die Verbrechen im Zweiten Weltkrieg wurden weder sozial noch juristisch anerkannt. Vielen blieb allein das Verdrängen. Zerstörung und Trauma entfalteten ihre Wirkung im Stillen. Und auch wenn sich viele Betroffene trotz der schmerzhaften Erfahrungen ein stabiles Leben aufgebaut haben, können Traumata im Alter unvermittelt wieder aufbrechen.

Transgenerationales Kriegstrauma verhindern und überwinden

Dass sexualisierte Gewalt aufgearbeitet wird, ist für die Betroffenen, aber auch für die nachfolgenden Generationen essenziell. Denn Traumata der Vergangenheit können über Generationen hinweg weiterwirken. Das gilt für Kinder und Enkel*innen, in deren Familien Vergewaltigung verschwiegen und tabuisiert wurde. Es gilt für Kinder, die sexualisierte Gewalt mit ansehen mussten. Und es gilt für Kinder, die durch eine Vergewaltigung gezeugt wurden.

Sexualisierte (Kriegs-)Gewalt verhindern und ihre Folgen beenden

Obwohl es inzwischen auf internationaler Ebene eine Reihe Initiativen gibt, um sexualisierte Kriegsgewalt zu verhindern und zu ahnden, fehlt es weiterhin an einem breiten politischen Bewusstsein für die Notwendigkeit von Präventionsarbeit, die Bedeutung von kurz- und langfristiger Hilfe für Betroffene sowie einer umfangreichen Strafverfolgung dieser Verbrechen.

Um zu verhindern, dass sich Traumata transgenerational und gesamtgesellschaftlich fortschreiben, braucht es einen pro-aktiven Umgang mit der Vergangenheit und sexualisierter Gewalt im Zweiten Weltkrieg – in Europa und in Asien.

 

Sexualisierte Kriegsgewalt – Wahrnehmung und Folgen

Sexualisierte Kriegsgewalt: Kollateralschaden? Kriegswaffe?

Jahrzehntelang wurde sexualisierte Kriegsgewalt als nicht vermeidbarer „Kollateralschaden“ gesehen. Heute gilt, dass Vergewaltigung im Krieg gezielt als Waffe und Kriegsstrategie eingesetzt wird. Sexualisierte Gewalt jedoch auf ein Motiv und eine Funktion zu reduzieren, macht ein nachhaltiges Bekämpfen des Problems unmöglich, da seine Komplexität ignoriert wird.

[...] Sexualisierte Gewalt im Krieg ausschließlich als kriegsstrategische Funktion zu sehen, [kann ein Mittel sein], sich von dem Geschehen, von dem, was jetzt als schweres Unrecht gesehen wird, zu distanzieren – und so keine Verantwortung übernehmen zu müssen. Stellen wir also für eine Weile das Spotlight „Kriegsstrategie“ aus und beleuchten stattdessen die Komplexität sexualisierter Kriegsgewalt. 

 

Tipp: Sie finden den Beitrag "Sexualisierte Kriegsgewalt – Wahrnehmung und Folgen" von Gabriela Mischkowski und Monika Hauser in voller Länge in unserer Fachbroschüre (S. 8)

Das Kontinuum sexualisierter Gewalt

Erstens: Sexualisierte Gewalt hört nicht mit dem Ende von Kriegshandlungen auf. [...] Abflauenden Kämpfen folgt in der Regel eine jahrzehntelange Grauzone [...]. In dieser Grauzone können die Täter sexualisierter Gewalt einerseits dieselben sein wie zuvor, jetzt vielleicht demilitarisiert und im Polizeidienst tätig. Andererseits wird die Tätergruppe vielschichtiger, da nun auch jene Männer mitmischen, die sich gern in der Beschützerrolle sehen: Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen, Aufseher und Sicherheitspersonal in Flüchtlingslagern, UN-Soldaten. [...]

Zweitens: [...] Sexualisierte Gewalt oder ihre Möglichkeit ist schon vor dem Krieg für viele Frauen und Mädchen eine Alltagserfahrung. [...] Hinzu kommen unterschiedliche Grade sexistischer und misogyner Einstellungen, fest verankert in soziokulturellen Praxen, gesellschaftlichen Normen und militärischer Ausbildung, die ein Unrechtsbewusstsein gar nicht erst aufkommen lassen. [...]

Drittens: An den Folgen der Gewalt im Allgemeinen und die der sexualisierten Gewalt im Besonderen haben Betroffene oft ihr ganzes Leben und die gesamte Gesellschaft über Generationen zu tragen. Gerade bei sexualisierter Gewalt wissen wir, dass Traumasymptome häufig chronifizieren. [...] Dem Trauma der sexuellen Gewalterfahrung folgt das Trauma der Stigmatisierung. [...]

 

Tipp: Sie finden den Beitrag "Sexualisierte Kriegsgewalt – Wahrnehmung und Folgen" von Gabriela Mischkowski und Monika Hauser in voller Länge in unserer Fachbroschüre (S. 8)

Formen, Muster und Motive sexualisierter Kriegsgewalt

Militärbordelle konventioneller Armeen: [...] [Medizinisch streng kontrollierte Militärbordelle] sollten sowohl die Sexualität der Soldaten steuern als auch die einheimischen Prostituierten kontrollieren. Dabei waren die Grenzen zwischen freiwilliger Prostitution, Zwang und sexueller Versklavung fließend. Das bekannteste Beispiel für Militärbordelle war die systematische Einrichtung sogenannter Comfort Stations durch die japanische Armee im Zweiten Weltkrieg. [...]

Sexuelle Versorgung in Neuen Kriegen: [...] In vielen Kriegen der jüngsten Zeit, dienen Vergewaltigungen einerseits als Instrument des Terrors oder der Vertreibung. Gleichzeitig ist die Entführung und sexuelle Versklavung von Mädchen für die Reproduktion von ständig mobil operierenden Rebellengruppen und Milizen funktional. [...]

Male Bonding: Gemeinsame Bordellbesuche wie auch sexuelle Übergriffe und Vergewaltigungen können Teil geselliger Kameradschaftsabende sein [...]. Gruppenvergewaltigungen können militärische oder rassistische Hierarchien innerhalb einer Gruppe nivellieren oder festigen, wenn die Reihenfolge zum Beispiel dem militärischen Rang bzw. der Ethnienzugehörigkeit folgt. [...]

Sexualisierte Gewalt in Armeen und Milizen: 2010 wurden laut Angaben des US-Verteidigungsministeriums 19 000 Soldatinnen innerhalb der Armee sexuell angegriffen. [...] Sexualisierte Gewalt ist auch innerhalb von Rebellengruppen Lateinamerikas oder Afrikas präsent. Häufig besteht die einzige Chance für Frauen, und insbesondere Kindersoldatinnen, der Vielzahl sexueller Übergriffe durch ihre männlichen Pendants zu entgehen, darin, diese an Brutalität zu übertreffen, um selbst Vorgesetzte zu werden, oder sich einen Vorgesetzten auszusuchen, um dessen alleiniges sexuelles Eigentum zu werden. [...]


Tipp:
Sie finden den Beitrag "Sexualisierte Kriegsgewalt – Wahrnehmung und Folgen" von Gabriela Mischkowski und Monika Hauser in voller Länge in unserer Fachbroschüre (S. 8)

Sexualisierte Gewalt ganzheitlich bekämpfen

Vergewaltigungen können im Krieg als Waffe dienen und zur Erreichung bestimmter Kriegsziele dienlich sein. Sie jedoch ausschließlich funktional zu sehen, heißt, den Fokus auf Ereignisse und Täter zu legen, die mit uns und unserer Welt nichts zu tun haben. So können wir uns davon abgrenzen, moralisch darüber erheben und müssen keine Verantwortung übernehmen. [...]

Wenn wir alle Scheinwerfer einschalten, erscheint sexualisierte Gewalt als eine besonders hartnäckige Konstante unserer Gesellschaften in Kriegs- und Nichtkriegszeiten, eine Konstante, die allerdings keine Naturgewalt ist, sondern gesellschaftlich produziert und also veränderbar. Deshalb ist jedes Unterfangen, nur einen Aspekt davon – sexualisierte Gewalt als Kriegsstrategie – bekämpfen zu wollen, zum Scheitern verurteilt.

Tipp: Sie finden den Beitrag "Sexualisierte Kriegsgewalt – Wahrnehmung und Folgen" von Gabriela Mischkowski und Monika Hauser in voller Länge in unserer Fachbroschüre (S. 8)

Kriegsvergewaltigungen und (transgenerationales) Trauma

Vergewaltigungen sind systematischer Bestandteil nahezu jeder kriegerischen Auseinandersetzung. Unverarbeitet dauern die seelischen Folgen der erfahrenen Gewalt an und prägen das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen nachhaltig. Für Betroffene, aber auch für uns als Gesellschaft insgesamt, ist entscheidend, wie wir mit den Auswirkungen sexualisierter Kriegsgewalt umgehen.

Trauma: tiefe seelische Wunden

Trauma bezeichnet eine tiefe seelische Wunde, die auf einem elementaren Angriff auf die körperliche und seelische Unversehrtheit beruht. Sind die Erfahrungen zu überwältigend, um sie unmittelbar zu verarbeiten, führen diese zu psychischen, körperlichen und sozialen Langzeitfolgen.

In einer traumatisierenden Situation wird in Körper und Gehirn ein Notfallmechanismus in Gang gesetzt, um das unmittelbare Überleben zu sichern. Nach dieser existenziellen Erfahrung versucht der Organismus den betroffenen Menschen vor einer weiteren potentiellen Gefahr zu warnen. So können beispielsweise Gerüche, Geräusche, Farben oder ein Stimmklang Erinnerungen wachrufen und dazu führen, dass die Situation erneut durchlebt wird.

Wie stark und dauerhaft die Folgen eines Traumas sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Ganz wesentlich tragen zur Verarbeitung die Erfahrungen bei, die die Betroffenen danach in ihrem sozialen und gesellschaftspolitischen Umfeld machen.

Folgen der Gewalt bis in die nächsten Generationen

Kriegsvergewaltigungen sind invasiv und verletzen die körperliche und seelische Integrität. Sie sind ein massiver Angriff auf das Vertrauen und die Beziehungsfähigkeit der Betroffenen und hat neben der Entwürdigung der Frauen unter anderem auch das Ziel, die gegnerische Partei zu erniedrigen und das soziale Gefüge zu zerstören.

Ohne angemessene psychosoziale Unterstützung kann das Erlebte nicht verarbeitet werden, Die Stigmatisierung der Betroffenen, die familiäre und gesellschaftliche Tabuisierung von geschlechtsspezifischer Gewalt sowie eine fehlenden öffentliche Anerkennung des erfahrenen Unrechts verstärken posttraumatische Stress-Symptome.

Ängste, Schutz- oder Stressreaktionen werden oft unbewusst an Kinder und Enkelkinder weitergegeben und auch die emotionale Verbindung im familiären Miteinander kann stark beeinträchtigt sein. Nachfolgenden Generationen können so an den Folgen der Gewalt leiden, ohne sie selbst jemals erlebt zu haben.

Die Kultur des Schweigens überwinden, Leid anerkennen

Das öffentliche Bewusstsein und die öffentliche Anerkennung, dass es sich bei Kriegsvergewaltigungen und anderen Formen von sexualisierter Gewalt nicht nur um ein individuelles Trauma der Betroffenen, sondern auch um ein gesellschaftliches Trauma handelt, kann entscheidend zur Enttabuisierung der Gewalt beitragen. Und es ermöglicht auch, den Blick auf die transgenerationalen Folgen von Kriegsvergewaltigungen zu richten.

Um die Kultur des Schweigens zu überwinden, brauchen wir Stellungnahmen, auch von Personen des öffentlichen Lebens, zum Beispiel von Politiker*innen. Ihr Sprechen sendet wichtige Botschaften aus. Auf gesellschaftlicher Ebene muss das Tabu im Sinne der betroffenen Frauen behutsam aufgebrochen werden. Dabei ist eine differenzierte Wahrnehmung wichtig, die Frauen nicht nur in der Opferrolle zeigt, sondern auch ihre Überlebensstärke würdigt.

FAQ "Transgenerationales Trauma": Wie man es erkennt, anspricht, damit umgeht und es bewältigen kann

1. Wie erkennt man ein eigenes transgenerationales Trauma, obwohl die traumatisierte Generation nicht über die eigenen Erfahrungen spricht?

Viele Nachkommen beschreiben, dass eine dunkle und schwere Stimmung des Schweigens über der Familie liegt, die sie nicht zuordnen können. Gleichzeitig haben viele ein diffuses Schuldgefühl entwickelt, dessen Ursprung für sie nicht greifbar ist. Viele fühlen sich von Ängsten geplagt, von tiefer Verunsicherung, einer Verlorenheit in der Welt oder von einer unterdrückten Wut. Manche haben wiederkehrende, belastende Träume, die sie zeitlich mit der Eltern- oder Großelterngeneration in Verbindung bringen. Viele ahnen, dass es nichts mit ihrem eigenen Tun oder Erleben zu tun hat. Dies sind häufig die ersten Schritte, sich dem Thema zuzuwenden und Unterstützung zu suchen.

Zum Weiterlesen:

TraumatherapeutInnen und TraumafachberaterInnen mit dem Schwerpunkt transgenerationales Trauma: Kontaktliste

2. Wie spricht man das Thema transgenerationale Traumatisierung innerhalb der eigenen Familie an?

Verschwiegene oder gar tabuisierte Themen müssen behutsam angegangen werden. Das Schweigen der Betroffenen sexualisierter Gewalt ist ein wichtiger Schutzmechanismus, damit diese ihren Alltag meistern können. Auf Dauer allerdings hindern sie sie daran, sich zu entfalten und frei zu bewegen. Damit solche Muster geändert werden können, sind Vertrauen und Sicherheit notwendig. Fragen sollten behutsam gestellt, eher Erzählimpulse gegeben werden und nicht auf das Berichten von Details abzielen. Es kommt darauf an zu vermitteln, dass es immer die Wahl gibt innezuhalten, fortzufahren oder auch einen Schritt zurückzutreten.

Und nicht immer kann und muss ein erlittenes Trauma über das Gespräch mit der direkt betroffenen Person bearbeitet werden. Es kann hilfreich sein, die eigenen Fragen und Zweifel in einem anderen Rahmen zu bearbeiten, in dem diese gut aufgehoben sind. Welcher dies ist, kann ganz unterschiedlich sein – für manche ist es eine Selbsthilfegruppe, für andere die beste Freundin, für jene ist es eine Therapie oder ein spiritueller Weg.

3. Was wurde von Betroffenen bei der Bewältigung ihres Traumas als hilfreich erlebt? Wie konnten die Frauen weiterleben?

Die meisten Überlebenden von sexualisierter Kriegsgewalt haben ihre Kräfte in die Bewältigung des Nachkriegsalltags gesteckt. Sie haben versucht zu funktionieren in dem Maße, in dem das Umfeld nicht bereit und nicht in der Lage war, sich angemessen mit dem Thema zu beschäftigen und die Betroffenen zu unterstützen. Dies kann als Verdrängung bezeichnet werden. Die Tatsache, dass diese Frauen es geschafft haben, einen Alltag zu entwickeln, ist jedoch auch eine große Energieressource und Stärke, die gesehen und anerkannt werden sollte.

4. Warum sollte sich die Öffentlichkeit heute noch für die Vergewaltigungen im Zweiten Weltkrieg interessieren? Was kann das bewirken?

Das Bewusstsein, dass es sich nicht nur um ein individuelles, sondern auch um ein gesellschaftliches Trauma handelt, kann entscheidend zur Enttabuisierung von sexualisierter Gewalt beitragen. Öffentliche Stellungnahmen, gerade auch von PolitikerInnen, helfen die Kultur des Schweigens zu überwinden. Sie erkennen damit an, dass es sich um Verbrechen handelt. Auf gesellschaftlicher Ebene muss das Tabu im Sinne der betroffenen Frauen behutsam aufgebrochen werden. Dabei ist eine differenzierte Wahrnehmung wichtig, die Frauen nicht nur in der Opferrolle zeigt, sondern auch ihre Überlebensstärke würdigt.

Unsere Trauma-Expertin:

Kinder des Krieges – Children Born of War

In und nach jedem Krieg werden Kinder geboren, die von Besatzungssoldaten mit einheimischen Frauen gezeugt wurden – die „Children Born of War". Der englische Begriff hat sich international in der Wissenschaft durchgesetzt und meint Kinder, die infolge sexualisierter Kriegsgewalt gezeugt wurden. Und er meint ebenso Kinder, deren Väter den Friedenstruppen oder der humanitären Hilfe angehören, auch, wenn es eine freiwillige Beziehung war.

„Es war eine unglaubliche Erleichterung, das erste Mal darüber sprechen zu können.“

Olivia, Teilnehmerin Jugendforen, Ruanda

Tag für Tag sehe ich in die Augen meiner Tochter – und sehe die Augen meines Vergewaltigers."

U., 32 Jahre, Liberia.

„Manche Frauen sind mit ihren Kindern abgetaucht, damit sie ihnen nicht von den Behörden weggenommen werden“

Monika Hauser über Mütter und ihre Kinder aus Vergewaltigungen durch IS-Kämpfer, Nordirak

Kriegskinder: verleugnet und ausgegrenzt

Manche Frauen entscheiden sich zu einem Abbruch, andere bringen ihre Kinder zur Welt und behalten sie oder geben sie zur Adoption frei. Wie viele „Children born of war" in Folge von Vergewaltigungen geboren werden, ist meist ebenso vage zu beziffern, wie die tatsächlich stattfindenden Vergewaltigungen. Um sich selbst und ihre Kinder zu schützen, verschweigen viele Mütter die Wahrheit. Denn auch ihre Kinder werden meist, wie sie selbst, stigmatisiert, diskriminiert und als „Kinder des Feindes" ausgegrenzt.

 

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MDR Kultur Radiobeitrag: "Born of War – Vom Krieg geboren" (10.03.2020, 56 Minuten)

Kinder des Krieges – in Deutschland und weltweit

Kinder des Krieges in Deutschland

In Deutschland fanden die sogenannten Besatzungskinder nach 1945 lange Zeit keine Aufmerksamkeit: Erst seit den 2000er Jahren ändert sich das langsam. Nach Schätzungen wurden zwischen 1945 und 1955 etwa 400.000 Kinder geboren, deren Väter Besatzungssoldaten waren; dazu zählen auch jene Kinder, die nicht gewaltsam gezeugt wurden.

Neben den „Besatzungskindern" hat sich im Kontext des Zweiten Weltkrieges auch der Begriff der „Wehrmachtskinder“ etabliert. Dieser bezeichnet Kinder, die von deutschen Soldaten in den vom NS-Regime okkupierten Ländern gezeugt wurden. Auch die Zahl dieser Kinder bleibt ungewiss: Für Norwegen gibt es beispielsweise Schätzungen von 10.000 bis 12.000. Allein 8.000 wurden durch den von der SS getragenen Verein Lebensborn registriert. Zu den sogenannten Wehrmachtskindern in den besetzten Gebieten der Sowjetunion wiederum gibt es kaum Dokumente. 

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Monika Hauser zu Vergewaltigungen im Nachkriegs-Deutschland

 

Buchtipp: Miriam Gebhardt "Wir Kinder der Gewalt"

Empfehlenswert

Seit Miriam Gebhardt ihr Buch „Als die Soldaten kamen“ (2015) veröffentlichte, ist sie für viele Überlebende der Kriegsgewalt des Zweiten Weltkriegs zur Ansprechpartnerin geworden. Menschen kamen von sich aus mit ihren biographischen Erlebnissen, niedergeschrieben in Mails und Briefen, auf sie zu. Stand in ihrem ersten Buch das Ziel im Fokus, das Ausmaß sexualisierter Kriegsgewalt sowie die diversen Tätergruppen zu benennen und ihre Taten zu belegen, so sind es in „Wir Kinder der Gewalt“ die Kinder des Krieges, die selbst zu Wort kommen.

Lesend tauchen wir ein in die Erlebnisse von Kindern, die sexualisierte Gewalt mit ansehen mussten, sie und ihre Folgen selbst erlebten oder aus einer Vergewaltigung hervorgingen. Dabei sind die Schilderungen achtsam formuliert und dosiert. Dies trägt dazu bei, einen voyeuristischen Blick auf die Geschehnisse oder eine retraumatisierende Wirkung bei den Lesenden zu vermeiden, obgleich die geschilderte Gewalt, die gesellschaftliche Ausgrenzung der Opfer und die fehlende Anerkennung des erlebten Leids mindestens sprachlos machen: „(…) erwiesen sich die Behörden und die nähere Umgebung oft als moralische Scharfrichter über die Betroffenen. Die Taten wurden angezweifelt, Gewaltopfer für ihr Schicksal selbst verantwortlich gemacht, Anträge auf Schwangerschaftsabbrüche abgewiesen, finanzielle Hilfe für die Kinder aus Vergewaltigungen verweigert.“ (S. 218).

Darüber hinaus legt die Historikerin großen Wert darauf, die Einzelfälle in die gesellschaftlichen Umstände und Gegebenheiten der Nachkriegszeit einzuordnen. Aus dem Vorwort: „So wechseln sich in diesem Buch ausführliche Falldarstellungen mit allgemeineren Quellen ab, die bei der historischen Einordnung des Einzelfalls in das Große und Ganze helfen sollen.“ Insbesondere die wertvollen, mutigen Zeitzeugnisse und ihre Einordnung in gesellschaftliche Zusammenhänge machen dieses Buch lesenswert, auch wenn ein tiefgehender kritischer Blick beispielsweise auf patriarchale Strukturen als Nährboden sexualisierter Gewalt unterbleibt.

(...)

medica mondiale, Mai 2020

>> Fortsetzung und ganzen Buchtipp lesen
(inklusive Inhaltsangabe, Leseprobe und weiterer Rezensionen)

 

Kinder des Krieges in Bosnien-Herzegowina

Schätzungsweise 20.000 bis 50.000 Frauen und Mädchen werden Opfer sexualisierter Gewalt im Bosnien-Krieg von 1992 bis 1995. Die Frauen und Mädchen werden teils mehrfach und über Wochen und Monate hinweg vergewaltigt – durch Soldaten und Paramilitärs.

Infolge der massenhaften Vergewaltigungen kommt es auch zu unfreiwilligen Schwangerschaften. Manche Frauen entscheiden sich zu einem Abbruch, andere bringen ihre Kinder zur Welt und geben sie zur Adoption frei oder behalten sie. Schätzungen zufolge sind 400 bis 600 Kinder im Bosnien-Krieg infolge sexualisierter Gewalt gezeugt und geboren worden. Diese Kinder des Krieges sind bis heute weitgehendst ein Tabu in Bosnien-Herzegowina, sie werden teils ausgegrenzt und stigmatisiert. Das könnte sich ändern, denn einige der Kinder melden sich in den letzten Jahren zu Wort und vernetzen sich. 

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Sarajevo: Kinder des Krieges – Jahrzehnte des Schweigens

Sexualisierte Kriegsgewalt: „Trauma ist ein ernsthaftes Hindernis für Friedensbildung“

 

Allen Widrigkeiten zum Trotz: Starke, hoffnungsvolle Kriegskinder

Ajna Jusić wird 1993 im Frauenzentrum von Medica Zenica geboren, Ihre Mutter wurde im Krieg vergewaltigt und mit ihr schwanger. Ajna Jusić ist heute 26 Jahre alt, sie ist Psychologin und Aktivistin. 2018 ist sie mit ihrer Geschichte erstmals an die Öffentlichkeit gegangen – ganz bewusst. Gemeinsam mit anderen gründet sie den Verein „Forgotten children of war“ – „Vergessene Kinder des Krieges“. Sie wollen ihre Geschichten sichtbar machen; sie wollen über ihre Benachteiligung reden und für ihre Rechte eintreten. Vor allem aber wollen sie anderen Kindern des Krieges zeigen, dass sie nicht allein sind.

Leid anerkennen, Trauma bewältigen

Ajna Jusić hat ihre Geschichte aufgearbeitet – gemeinsam mit ihrer Mutter. Andere sind noch nicht so weit; sie brauchen (weiterhin) Hilfe und Unterstützung. Dabei geht es auch darum, transgenerationale Traumata zu bewältigen. Wenn die Mütter die Gewalterfahrung nicht aufarbeiten können, in den Familien geschwiegen wird und das gesellschaftliche Stigma anhält, werden Traumata weitergegeben.

„Nach dem Krieg gab es keine systematische Unterstützung für die Überlebenden sexualisierter Kriegsgewalt. Die Vergewaltigung blieb das Problem der einzelnen Frau“, sagt Ajna Jusić. Das sei ein Fehler gewesen. Die Überlebenden sexualisierter Gewalt und ihre Kinder brauchen Anerkennung und Unterstützung, auch damit Traumata nicht über Generationen weitergegeben werden.

Chancen für die Zukunft

Die Kinder des Krieges können in Nachkriegsgesellschaften auch Brücken bauen. In ihrem Verein sprechen sie nicht über ethnische Zugehörigkeiten. Sie reden über die Überlebenden sexualisierter Gewalt und ihre Kinder – über ihre Anerkennung und ihre Zukunft. „Vergewaltigung hat keine Nationalität. Es ist ein Trauma – und so müssen wir es behandeln“, sagt Ajna Jusić. 

Frauen und ihre Kinder nach dem Völkermord in Ruanda

Vor 26 Jahren wurde Ruanda von einem Völkermord erschüttert. Eine Million Menschen kam dabei ums Leben, mindestens 250.000 Frauen wurden vergewaltigt. Wie geht eine Gesellschaft mit solchen Ereignissen um? Unsere Partnerorganisation SEVOTA erkannte die Gefahr, die vom Schweigen und Wegschauen ausgeht. Ihre Angebote bieten Frauen und ihren Kindern einen positiven Blick in die Zukunft. (...)

Vivien war 16 Jahre alt, Waise und schwanger durch Vergewaltigung, als sie im Dezember 1994 zu SEVOTA kam. Die Gemeinschaft der anderen Frauen tat ihr gut. „Am Anfang weinten und weinten wir. Danach fühlten wir uns besser.“

Die Frauenforen sind weit mehr als nur ein Treffen Gleichgesinnter. Sie sind ein Gegenentwurf zur zerrütteten Gesellschaft von 1994. Vergewaltigungen führen, auch in Friedenszeiten, häufig zu einem Gefühl der Vereinzelung. Im Krieg vergewaltigen Soldaten gezielt, um Gemeinschaften zu zerstören. Vivien berichtet: „Meine Schwester wirft mir bis heute vor, dass ich mein Kind bekommen habe. Sie hat den Kontakt zu mir abgebrochen.“ SEVOTA übernahm für sie eine überlebenswichtige Funktion: „Das ist jetzt meine Familie.“

Mehr über die Frauen und ihre Kinder in Ruanda erfahren

Mütter und ihre Kinder aus Vergewaltigungen durch IS-Kämpfer

„Manche Frauen sind mit ihren Kindern abgetaucht, damit sie ihnen nicht von den Behörden weggenommen werden“, berichtet Monika Hauser von ihrer Reise in den Nordirak. Anlässlich einer zweitägigen Friedenskonferenz im kurdischen Erbil, die von medica mondiale kofinanziert wurde, war sie mit einigen Kölner Kolleginnen kürzlich in die Region gereist. Die anwesenden Frauenrechtsaktivistinnen diskutierten insbesondere über die verletzliche Situation von jesidischen Frauen und ihren aus Vergewaltigungen hervorgegangenen Kindern. Ihnen begegnet Ablehnung und Ausgrenzung, wenn sie aus der IS-Gefangenschaft in ihre Heimat zurückkehren. (...)

Lange ignoriert wurde indes das Schicksal der Kinder, die während der IS-Gefangenschaft gezeugt wurden. Sie werden von vielen Menschen in ihrer Heimat als „IS-Bastarde“ beschimpft und ausgegrenzt. Nach irakischem Recht sind die Kinder eines muslimischen Mannes zudem automatisch Muslime. Viele Frauen und Mädchen, die vom IS versklavt worden waren, mussten ihre Kinder verstoßen oder sie wurden ihnen bei der Einreise kurzerhand von den irakischen Behörden abgenommen. In Mossul leben Tausende dieser verstoßenen Kinder in Waisenheimen oder bei Pflegeeltern. Monika Hauser hält dies für eine fatale Entwicklung: „Alleine in Heimen aufzuwachsen, mit dem Label eines ‚IS-Bastards‘, wird eine neue extrem traumatisierte Generation heranwachsen lassen.“

Mehr über Frauen und ihre Kinder im Nordirak erfahren

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Kriegstrauma und Retraumatisierung während der Pandemie

„Bei vielen unserer Klientinnen kommen Kriegserinnerungen hoch.“

Leonita Gojani, psychosoziale Beraterin bei der Frauenrechtsorganisation Medica Gjakova, schildert im Live-Talk mit Jennifer Marchand, Trauma-Therapeutin bei medica mondiale, wie sich die Corona-Pandemie auf die Frauen und Mädchen auswirkt, die im Kosovo-Krieg (1998-1999) vergewaltigt wurden.

Kriege und Krisen verstärken bestehende Ungleichheiten

Sie bestätigt, was medica mondiale auch aus der jahrelangen Arbeit in anderen Projektländern weiß – Kriege und Krisen verstärken bestehende Ungleichheiten und die größten Leidtragenden sind dabei diejenigen, die unseren besonderen Schutz benötigen. Ausgangssperren, Isolation und Unsicherheit stellen eine besondere Belastung für Frauen und Mädchen dar und können außerdem zu einer Reaktivierung traumatischer Erlebnisse führen. Klientinnen von Medica Gjakova klagen über Angst, Schlafstörungen und körperliche Schmerzen. „Am schlimmsten ist es bei den Frauen, die in der Zeit von März bis Mai 1999 vergewaltigt wurden.“ Die Ausgangssperre während der Corona-Pandemie sei ebenfalls in die Frühlingsmonate gefallen.

In den letzten Wochen zeigte sich aber auch, wie krisenerprobt die Partnerorganisationen von medica mondiale sind. Trotz aller Einschränkungen fangen sie ihre Klientinnen mit psychosozialer Unterstützung auf und stärken sie.

„Wir haben sehr schnell Chatgruppen eingerichtet“,

berichtet Leonita Gojani.

„Die Frauen haben sich Fotos geschickt, gegenseitig kleine Aufgaben gestellt und ihre Sorgen formuliert.“

Eine weitere Maßnahme sind Online-Beratungen, die Medica Gjakova stark ausbaute.

Krisenzeiten wie die Corona-Pandemie machen deutlich, dass Traumata noch Jahrzehnte später geweckt werden können und wie wichtig auch dann die Begleitung für Überlebende sexualisierter Kriegsgewalt ist.

„medica mondiale hat sich dafür eingesetzt, dass die Frauen, die im Krieg schreckliche Dinge erlebt haben, nicht allein bleiben. Wir werden das nie vergessen. Vielen Dank für eure großartige Arbeit!“

Leonita Gojani, psychosoziale Beraterin bei Medica Gjakova

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