medica mondiale verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz im Kampf gegen sexualisierte Kriegsgewalt. Neben der direkten Unterstützung für Überlebende ist politische Frauenrechtsarbeit daher ein zentrales Anliegen von medica mondiale. Denn die sexualisierter und geschlechtsspezifischer Gewalt zugrundeliegenden Ursachen lassen sich nur überwinden, wenn es gelingt, politische SchlüsselakteurInnen für die Themen Frauenrechte und sexualisierte Gewalt zu sensibilisieren und zu konsequentem Handeln zu bewegen.

Ohne Gleichberechtigung von Frauen kann es keinen nachhaltigen Frieden geben. Der Schutz von Frauen und Mädchen in bewaffneten Konflikten sowie ihre volle Mitwirkung an Friedensprozessen tragen erheblich zur Wahrung und Förderung des Friedens und der internationalen Sicherheit bei.

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Interview mit Menschenrechtsreferentin Jessica Mosbahi

Jessica Mosbahi, Menschenrechtsreferentin bei medica mondiale. Copyright: Ulla Burghardt/ medica mondiale

Warum ist der politische Dialog so wichtig für medica mondiale?

Als Frauenrechtsorganisation wollen wir nicht nur direkte Hilfe für Überlebende sexualisierter Kriegsgewalt leisten, sondern gleichzeitig immer auch diskriminierende Strukturen aufbrechen, die diese Gewalt erst ermöglichen. Eine wichtige strategische Partnerin ist dabei die Politik, die mit Hilfe von Gesetzen und durch die Ausrichtung ihrer Politik zu mehr Gerechtigkeit und Schutz für Frauen und Mädchen beitragen könnte.

Wie sieht dieser Dialog in der Praxis aus?

Es gibt verschiedene Instrumente. Positions- und Forderungspapiere können ein guter Aufhänger sein. Mit Bezug auf ein solches Papier lässt sich zum Beispiel um ein Gespräch bitten, um sich persönlich über die Inhalte auszutauschen. Im besten Fall fragen die PolitkerInnen uns an, weil sie unsere Anliegen wichtig finden.

So wichtig der persönliche Kontakt zu den politischen AkteurInnen auch ist, wenn keine eigenen, verschriftlichten Positionierungen und Forderungen vorhanden sind, die man veröffentlichen und mit denen man auch Druck ausüben kann, können die erfolgreichsten Gespräche ins Leere laufen.

Ist dieser Einsatz nicht manchmal recht mühselig?

In der Tat kann die politische Arbeit zuweilen mühsam sein. Zum einen, weil es bei einem solch tabuisierten Thema wie sexualisierter Kriegsgewalt eher in kleinen Schritten vorangeht als in großen Sprüngen. Zum anderen, weil leider immer noch viele PolitikerInnen die Relevanz des Themas und dessen negative Auswirkungen auf Gesellschaften unterschätzen oder einfach ignorieren.

Woran lassen sich Erfolge der politischen Arbeit erkennen?

Von einem Erfolg können wir sprechen, wenn konkrete Forderungen aufgegriffen und in politische Strategien oder Leitlinien integriert werden. Auch wenn PolitikerInnnen uns anrufen, um sich mit uns auszutauschen, oder uns einladen als Expertin vor einem Ausschuss Stellung zu nehmen. Ein besonders schöner Erfolg ist es, wenn ich merke, dass jemand seine Haltung zu unserem Thema verändert hat, weil wir auf ihn oder sie eingewirkt haben.

 

Interview aus dem Jahresbericht 2016 (S. 26/27)

Kampagnen

Kampagne "Zeit zu sprechen" von medica mondiale 2005. Copyright: Rendel Freude/medica mondiale

medica mondiale versteht sich als Anwältin für Frauen – weltweit. Deshalb macht sie neben der vielfältigen Projektarbeit öffentlich auf den weltweiten Skandal von sexualisierter Gewalt im Krieg und ihre Folgen aufmerksam. Dazu initiieren und beteiligen wir uns an Aktionen und Kampagnen, die die Öffentlichkeit über die Ursachen und Hintergründe sexualisierter Gewalt gegen Frauen aufklären und auf die Rechte der Frauen aufmerksam machen.