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08. März 2018

Kinofilm über Monika Hauser: Interview mit den Regisseurinnen

Im Dezember 1993 sah eine der beiden Regisseurinnen die ARD Tagesthemen. Die junge Gynäkologin Monika Hauser wurde zur „Frau des Jahres“ gekürt. „Abgespannt und mit einem traurigen Blick berichtete sie über die Lage in Bosnien und ihre Arbeit dort – in ihrer absolut eigenen und nachwirkenden Ernsthaftigkeit. Über diese Frau muss es doch eine filmische Dokumentation geben!“ So beschreiben die Regisseurinnen Evi Oberkofler und Edith Eisenstecken den ersten Impuls für ihren Dokumentarfilm „Monika Hauser – ein Porträt“, der am 3. Mai ins Kino kommt.

Wie ist es zu der Zusammenarbeit für den Film „Monika Hauser – ein Portrait“ gekommen?

„Fünf Jahre nachdem Monika Hauser ‚Frau des Jahres‘ geworden war, lasen wir beide ganz unabhängig voneinander das Buch über sie ‚Am Anfang war die Wut‘. Es vergingen wieder etliche Jahre. Monika Hauser war inzwischen eine mehrfach preisgekrönte öffentliche Person. Irgendwann in dieser Zeit hatten wir beide beschlossen, zusammen Fernsehen zu machen. Plötzlich war der Gedanke an ein Portrait über Monika Hauser bei uns beiden wieder da. Diese Person hatte wohl über sehr lange Zeit hin immer wieder im Unterbewusstsein eine starke Faszination auf uns ausgeübt.“

Welche Verbindung gab es zwischen Ihnen und Monika Hauser?

„Wir sind beide in Südtirol geboren und aufgewachsen. Monika Hauser ist zwar in der Schweiz geboren und aufgewachsen, ihre Eltern stammen aber aus Südtirol. So ist sie doch auch irgendwie mit uns ‚verwandt‘. Auch in Südtirol werden die Gewalterlebnisse von Frauen vor, während und nach den beiden Weltkriegen fast ausnahmslos und buchstäblich totgeschwiegen. Doch die unerzählten Geschichten wollen erkannt und erzählt werden. Nach unserem Kennenlernen war recht schnell klar: wir wollen den Film zusammen machen.“

Wann begannen die Recherchen und wann die Dreharbeiten?

„Im Herbst 2011 trafen wir Monika Hauser zum ersten Mal persönlich in Köln. Da hatten wir bereits einen umfangreichen theoretischen Teil unserer Recherche hinter uns. Bald darauf begleiteten wir sie mit der Kamera bei einem Vortrag über sexualisierte Gewalt und ein halbes Jahr später drehten wir ein erstes kurzes Interview mit ihr. Es folgten weitere Recherchen. Die eigentlichen Dreharbeiten begannen dann schließlich im Herbst 2013 in Bosnien anlässlich des 20. Jubiläums von Medica Zenica.

Letztlich sind drei Filme entstanden: Eine 45-minütige Fassung mit dem Titel ‚Krieg gegen Frauen‘, die sehr erfolgreich auf 3sat gelaufen ist, eine ebenso 45-minütige Fassung ‚Mit Monika Hauser durch Bosnien und Südtirol‘ für die RAI und der Kinofilm ‚Monika Hauser – ein Portrait‘. Alles in allem sind wir mit den drei unterschiedlichen Filmen schon sehr zufrieden.“

Warum ist Ihnen das Thema „sexualisierte Kriegsgewalt“ wichtig?

„Jede und jeder von uns wird mit einer Geschichte geboren. Diese Geschichte hat mit unseren Müttern, unseren Vätern, unseren Großeltern zu tun. Es bleiben Fragen in Nachkriegsgenerationen offen, auf die es keine einfachen Antworten gibt. Das Schweigen, das Nicht-Erzählen begleitet die meisten von uns. Frauen und die Gewalt, die ihnen in Kriegen und im Zusammenhang mit militärischer Taktik widerfährt, wurden sehr lange nicht gesehen – wollten und sollten nicht gesehen und gehört werden. Bis heute. Deshalb muss immer noch und immer wieder beharrlich davon berichtet werden. Und auch darüber, was dagegen unternommen werden kann.“

Was waren besondere Momente der Dreharbeiten und der Begegnungen mit Monika Hauser?

„Da gab es sehr viele. Wir wollen uns da nicht auf einzelne Momente reduzieren. Monika war das energetische Zentrum. Es gab ja unterschiedliche Teams über die Zeit der Dreharbeiten hinweg. Allen – ob Kamerafrauen und Kameramännern, Tonfrauen und –männern, OrganisatorInnen und MitarbeiterInnen wurde über die Dreharbeiten hinaus Kraft und der Mut zur Empathie und Verantwortung mitgegeben.

Besonders war sicher das Treffen mit ehemaligen Mitarbeiterinnen in Zenica 20 Jahre nach dem Krieg. Allein die gegenseitigen Umarmungen beim Wiedersehen ließen erahnen, wie viel diese Frauen gemeinsam erlebt haben, welche Vertrautheit, welche gegenseitige Behutsamkeit und wie viel immerwährender Respekt füreinander daraus erwachsen sind.“

Was lief zwischendurch mal so richtig schief?

„Wir wollten nach Liberia. Dann brach Ebola aus. Einreiseverbot. Dreharbeiten in Afghanistan waren fest geplant. Aus Sicherheitsgründen konnten wir auch dorthin nicht reisen. Dann wackelte auch noch die Finanzierung. Das war zwischendurch nicht einfach. Und schließlich konnten wir Monika Hauser auch nicht mit der Kamera in den Nordirak begleiten, als sie dort zum ersten Mal zu Besuch war. Unsere Dreharbeiten konnten wir aber leider nicht unendlich in die Länge ziehen.“

Was geben Sie Monika Hauser und medica mondiale zum diesjährigen 25. Jubiläum mit auf den Weg?

„Wir wünschen Monika Hauser und allen Frauen von medica mondiale weltweit weiterhin viel Kraft und die Anerkennung für die immens wichtige Arbeit, die sie geleistet haben und mit solidarischer Unterstützung aus Politik und Gesellschaft weiterhin leisten werden. Unsere Hoffnung ist es, dass wir mit unseren Filmen die Menschen für die schwersten Themen in unserer Gesellschaft sensibilisieren können und es uns gelingt zu zeigen, wofür es sich lohnt zu kämpfen.“

 

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Kinotrailer zu "Monika Hauser - ein Porträt"

Informationen zum Dokumentationsfilm „Krieg gegen Frauen“, Erstausstrahlung auf 3sat 2016. Regie: Evi Oberkofler und Edith Eisenstecken (Deutschland 2015, Länge 45 Minuten. Inzwischen leider nicht mehr in der 3sat-Mediathek)