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03. September 2018

Irak: Wenn Helfende Hilfe brauchen

Leben und Arbeiten im Frauenzufluchtshaus in Dohuk: Von außen erinnert das Stacheldraht umzäunte Gebäude eher an ein Gefängnis als an einen Ort der Zuflucht. Drinnen herrschen Hoffnungslosigkeit und Tristesse. Nicht nur bei den 15 Frauen, die Gewalt überlebt haben und hier untergekommen sind. Auch die 12 Mitarbeiterinnen des Hauses fühlen sich überfordert und von der Politik allein gelassen. Wie kann medica mondiale das Frauenzufluchtshaus in Dohuk unterstützen?

Leben als Frau im Zufluchtshaus

Das Leben hier fällt schwer, auch wenn die Frauen hinter dem Stacheldraht endlich in Sicherheit sind (Die Frauen sind auf gerichtliche Anordnung hier, etwa weil sie vor sogenannten „Ehrenmorden“ geschützt werden sollen.) Deswegen können sie das Haus nicht ohne weiteres verlassen. Im Haus gibt es aber kaum Aktivitäten und positive Ablenkung, die dringend nötig sind. Viele der Bewohnerinnen haben Suizidgedanken oder reagieren aggressiv – deshalb gibt es zum Beispiel im ganzen Haus keine Spiegel, mit deren Scherben sie sich oder andere verletzen könnten.

Arbeit ohne Anerkennung

Auch das Arbeiten mit den Frauen ist nicht einfach. Die Mitarbeiterinnen des Zufluchtshauses fühlen sich alleingelassen und überfordert mit den zum Teil selbstmordgefährdeten Frauen. Die Frauen im Schutzhaus werden gesellschaftlich stigmatisiert und dieses Stigma überträgt sich auf die Mitarbeiterinnen. Manche verheimlichen darum selbst vor ihren Familien wo sie arbeiten.

Was ihnen jedoch am meisten fehlt, ist die Wertschätzung ihrer Arbeit, und sei es nur ein Dankbrief vom Sozialministerium. „Am dringendsten brauchen die Mitarbeiterinnen das Gefühl, dass ihre schwierige Arbeitssituation anerkannt wird.“, erzählt Malene Budde, Psychotherapeutin und Referentin im Auftrag von medica mondiale im Irak. Seit 2017 trainiert sie Mitarbeiterinnen des Zufluchtshauses im stress- und traumasensiblen Umgang mit Frauen die Gewalt überlebt haben. Traumasensibilität und Selbstfürsorge gab es vorher nicht. „Der Arbeitsalltag lässt keine Zeit, über Dinge wie Selbstfürsorge nachzudenken“, heißt es im Team. Viele von ihnen wollen seit Jahren kündigen und weg, haben aber oft keine Wahl, weil sie Geld verdienen müssen.

So unterstützt medica mondiale die Frauen im Zufluchtshaus

Um die Situation für die Frauen und die Mitarbeiterinnen des Zufluchtsorts zu verbessern, hat medica mondiale die lokale Frauenrechtsorganisation EMMA ins Boot geholt. Beide, medica mondiale und die erfahrene Frauenrechtsorganisation aus dem Irak unterstützten jetzt das Zufluchtshaus in Dohuk. Freiwillige veranstalten regelmäßig Musikstunden und Yogaklassen, um den Frauen Abwechslung und Ausgleich zu bieten. Außerdem ermöglichen EMMA und medica mondiale wichtige Anschaffungen, für die es wegen der andauernden Finanzkrise im Nordirak kein Geld gab: Etwa Alltagsgegenständen wie Binden und Tampons. Aber auch Heizöl, das extrem teuer geworden ist.