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24. Mai 2018

Frauen verändern die Welt: Meilensteine unserer politischen Arbeit

Seit 25 Jahren unterstützt medica mondiale weltweit Überlebende sexualisierter Gewalt. Gleichzeitig haben wir uns von Beginn an immer auch politisch eingemischt. Denn nur wenn es gelingt, die Ursachen sexualisierter Gewalt zu überwinden und gerechte Strukturen zu schaffen, können Frauen und Mädchen weltweit gewaltfrei und in Würde leben. Dafür kämpft medica mondiale – damals wie heute.

1996 – Ich mische mich ein!

Angesichts der Ankündigung der Bundesregierung, bosnische Geflüchtete abzuschieben, macht medica mondiale gegen die Asylpolitik mobil. Die Kampagne fordert einen gesicherten Aufenthaltsstatus für traumatisierte Frauen aus der Region und eine Härtefallreglung, um Frauen, die während des Balkankriegs Gewalt erlebt haben, vor der Rückkehr an den Ort ihres Leids zu bewahren.

2006 – Kriegsrente in Bosnien

Auf Druck von Medica Zenica und anderen Aktivistinnen gelingt es in Bosnien, für im Krieg vergewaltigte Frauen den Status als zivile Kriegsopfer durchzusetzen. Damit haben Überlebende Anspruch auf Rente und andere Sozialleistungen. Zugleich erkennt der Staat mit dem Gesetz das erlittene Unrecht offiziell an. Seit 2006 haben jedoch weniger als 1000 bosnische Frauen den Status erhalten. Mittlerweile haben auch Kroatien und Kosovo Entschädigungsfonds für kriegsvergewaltigte Frauen eingerichtet.

2016 – Traumasensible Entwicklungszusammenarbeit

Als das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im März 2016 den sogenannten Gender-Aktionsplan vorlegt, enthält dieser ein Novum, an dem medica mondiale entscheidend mitgewirkt hat. Das BMZ verpflichtet sich, für die Entwicklungszusammenarbeit in Nachkriegsländern einen traumasensiblen Ansatz zu entwickeln. Dieser soll sicherstellen, dass Frauen und Mädchen, die Opfer sexualisierter Kriegsgewalt geworden sind, angemessen am Wiederaufbau ihres Staates mitwirken können. medica mondiale berät das Ministerium nun dabei, den Ansatz in die Praxis umzusetzen.

2016 – Geflüchtete Frauen schützen

Überfüllte Flüchtlingsheime, Massenunterbringung in Turnhallen und Zelten ohne abschließbare Schlaf- und Sanitärräume und Privatsphäre – das ist die Situation, mit der 2015/2016 geflüchtete Frauen in Deutschland vielerorts konfrontiert sind. Gemeinsam mit anderen Organisationen weist medica mondiale darauf hin, dass den Frauen auch hier sexualisierte Gewalt droht. Ein Positionspapier gibt konkrete Empfehlungen und fordert getrennte Unterbringung sowie spezifische Informations- und Unterstützungsangebote für traumatisierte Frauen. Vieles davon hat Eingang in das 2017 von Nordrhein-Westfalen vorgelegte Gewaltschutzkonzept und die Mindeststandards des Bundes gefunden.

2017 – Nationaler Aktionsplan

Frieden gibt es nur mit Frauen. Das hat der UN-Sicherheitsrat mit der Resolution 1325 „Frauen, Frieden, Sicherheit“ schon im Jahr 2000 klargestellt. Anfang 2017 verabschiedet die Bundesregierung ihren zweiten Nationalen Aktionsplan zur Umsetzung der Resolution. Der Auftrag darin lautet: Frauen und Mädchen in bewaffneten Konflikten vor sexualisierter Gewalt zu schützen und gleichberechtigt an Friedensprozessen zu beteiligen. Gemeinsam mit anderen zivilgesellschaftlichen Akteurinnen hat medica mondiale die Erarbeitung des Aktionsplans fachlich beraten. Jetzt gilt es dranzubleiben, wie die Regierung ihren Plan erfüllt.

 

Seit 25 Jahren engagiert gegen Gewalt

  • 1996 Monika Hauser soll das Bundesverdienstkreuz erhalten. Wegen des Beschlusses der Innenministerkonferenz zur Abschiebung bosnischer Flüchtlinge lehnt sie die Ehrung ab.
  • 1997 medica mondiale unterstützt die Ermittlungen des Internationalen Strafgerichtshofes in Den Haag und beobachtet den Prozess.
  • 2003 medica mondiale Afghanistan legt eine Dokumentation zum Thema Zwangsheirat vor. Sie richtet sich gegen die Praxis, dass in Afghanistan viele Mädchen bereits in jungen Jahren verheiratet und vorzeitig schwanger werden.
  • 2008 Monika Hauser erhält für ihr Engagement den Alternativen Nobelpreis (Right Livelihood Award)
  • 2009 Mit einer Unterschriftenaktion fordert medica mondiale Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, sich gegen Kriegsgewalt an Frauen einzusetzen.
  • 2009 medica mondiale veröffentlicht die Zeuginnenstudie „… damit es niemandem in der Welt widerfährt“. Sie thematisiert den Umgang mit sexualisierter Gewalt vor internationalen Gerichten und fordert, diese Taten systematisch zu erfassen und juristisch zu verfolgen.
  • 2012 Monika Hauser erhält den Nord-Süd Preis des Europarates. Im selben Jahr zeichnet das Land Nordrhein-Westfalen sie mit dem Staatspreis aus.
  • 2015 Gemeinsam geben medica mondiale und Medica Zenica die Studie „We are still alive…“ zu den Langzeitfolgen von Kriegsvergewaltigungen und Bewältigungsstrategien von Überlebenden in Bosnien heraus.
  • 2017 Im Vorfeld der Bundestagswahlen stellt medica mondiale Eckpunkte für eine feministische Außen-, Sicherheits- und Asylpolitik vor und nimmt die Wahlprogramme der Parteien unter die Lupe.

 

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