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12. März 2020

Zweiter Weltkrieg: Vergewaltigungen von Millionen von Frauen und Mädchen

Am 8. Mai 2020 jährt sich das Ende des II. Weltkrieges in Europa zum 75. Mal. Zu den schweren Menschenrechtsverletzungen dieses Krieges zählten auch Vergewaltigungen von Millionen von Frauen und Mädchen. In den Nachkriegsgesellschaften wurden diese Verbrechen verdrängt. medica mondiale will an dieses Unrecht erinnern. Wir wollen, dass den Frauen endlich Anerkennung widerfährt.

Während des Zweiten Weltkriegs kam es zu millionenfachen sexualisierten Übergriffen auf Frauen und Mädchen. Sie wurden spontan und auch systematisch verübt. Betroffen waren unter anderem Frauen, die in den Konzentrationslagern eingesperrt waren: Vor allem Jüdinnen, Romnija und Sintize, aber auch Frauen, die Widerstand gegen das NS-Regime leisteten. In den von Deutschen okkupierten Ländern wie Frankreich, Polen sowie in den besetzten Gebieten der Sowjetunion kam es ebenfalls massenhaft zu Vergewaltigungen. Die Täter waren deutsche Soldaten. Aber auch alliierte Streitkräfte wurden im Nachkriegsdeutschland zu Tätern. Frauen und Mädchen, die durch eine Vergewaltigung schwanger wurden, hatten oft keine Möglichkeit, zu entscheiden, ob sie das Kind bekommen wollten oder nicht. Mütter und Kinder wurden isoliert und stigmatisiert.

Vergewaltigungen im Krieg: Erlebte Geschichte(n) von Frauen und ihre transgenerationalen Folgen

Die Erlebnisse und Geschichten dieser Frauen sind kaum bekannt. Ihr Leid wurde in den Nachkriegsgesellschaften bis heute meist ignoriert und verdrängt – auch in Deutschland. Die Betroffenen hatten kaum Möglichkeiten, über das Erlebte zu sprechen und erhielten keine angemessene psychosoziale Unterstützung. Ohne sie jedoch, kann das Erlebte nicht verarbeitet werden. Unverarbeitet dauern die Folgen der erlebten Gewalt an und reichen tief in ihr Leben. Sie prägen familiäre und soziale Beziehungen und werden als sogenanntes transgenerationales Trauma an die folgenden Generationen weitergegeben.

Der 75. Jahrestag der Befreiung Europas vom Nationalsozialismus ist für medica mondiale deshalb Anlass, an diese Frauen zu erinnern und ihre Kraft zu würdigen. Wir wollen öffentlich unsere Solidarität zeigen – mit ihnen und den Überlebenden von sexualisierter Gewalt weltweit. Diese Frauen und ihre Geschichten sind ein Teil von uns. Weitere Informationen finden Sie demnächst auf unserer Webseite.

Autorin: Beate Kriechel, freie Autorin im Auftrag von medica mondiale

 

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