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27. Mai 2020

Unsere Arbeit in der Corona-Pandemie: Aktivitäten in unseren Projektländern

Frauenrechte schützen, Heldinnen unterstützen - unter dieser Überschrift steht unsere Arbeit während der Corona-Pandemie. Durch die zahlreichen bereits eingegangenen Spenden in unseren Corona-Nothilfefonds können wir zusammen mit unseren Partnerorganisationen dazu beitragen, das Virus in unseren Projektländern einzudämmen und gleichzeitig Frauen vor Gewalt zu schützen.

„Zuerst verwüstete mein Mann unser Zuhause. Dann weckte, beschimpfte und bedrohte er mich mitten in der Nacht. Ich rief die Polizei, doch niemand kam. Erst als ich eure Nummer wählte, nahm sofort jemand ab. Ihr habt mich verstanden und dafür gesorgt, dass die Polizei endlich kam. Mein Mann musste die Wohnung verlassen, was mich sehr erleichtert hat.“ berichtet eine Klientin von Medica Zenica aus Bosnien und Herzegowina.

Die Beratung geht weiter – telefonisch und digital

In den meisten Ländern, in denen wir tätig sind, gab und gibt es Ausgangssperren, Lockdowns und Besuchsverbote. Umstände, die eine persönliche psychosoziale Beratung von Frauen unmöglich machen. Viele unserer Partnerinnen haben ihre Beratungsangebote inzwischen auf Telefonhotlines oder digitale Angebote umgestellt. Sie sprechen ihre Klientinnen jetzt in Chats statt Gruppenberatungen oder bei Videoanrufen statt persönlicher Besuche. Trotz “Social Distancing” können unsere Partnerinnen so an der Seite von Frauen stehen, die jetzt mehr denn je Beratung und Beistand brauchen. Ihre Spenden tragen dazu bei, dass wir diese kostenlosen Hotlines einrichten und betreiben können.

In Bosnien und Herzegowina erinnert der Lockdown viele Frauen an die Situation während des Krieges, viele werden dadurch re-traumatisiert. Die Organisation Medica Zenica ist eine der wenigen Anlaufpunkte für sie.In allen Regionen werden diese neuen Angebote umgesetzt. Medica Afghanistan kann so ihre Rechtsberatung weiterführen. Unsere Partnerinnen aus Ruanda berichten, dass sich die Frauen durch diese Angebote trotz Ausgangsbeschränkungen verbunden fühlen.

Aufklärungsarbeit zum Corona-Virus

Ein wichtiger neuer Schwerpunkt der Arbeit unserer Partnerinnen ist die Aufklärung über das Corona-Virus. Aus dem Nothilfefonds können wir Material für Aufklärungskampagnen wie Flyer oder Plakate finanzieren, aber auch Radiobeiträge oder Aufklärungsarbeit für die Websites oder Social Media Kanäle unserer Partnerinnen. Die Zielgruppe der Aufklärungsarbeit sind vor allem Frauen und Mädchen, die aufgrund sozialer Isolierung noch schlechter an Informationen kommen als sonst.

Besonders Medica Liberia war sehr schnell bei der Reaktion auf das Corona-Virus. Die Erfahrungen, die unsere Partnerinnen währen der Ebola-Epidemien gemacht haben, haben dazu geführt, dass Aktivitäten jetzt schnell umgestellt und Aufklärungsprogramme gestartet werden konnten.

Jetzt sind die Kolleginnen in Teams und in Schutzkleidung unterwegs, um auf Märkten und belebten Plätzen über das Virus aufzuklären und so dazu beizutragen, Infektionsketten zu unterbrechen.

Die Erinnerung an die Ebola-Krisen versetzt viele Menschen in Panik. Medica Liberia genießen aufgrund der etablierten Beziehungen und Verbindungen zu den Gemeinden und Communitys großes Vertrauen in der Bevölkerung. Ihre Informationen zu Covid-19 und der besonderen Bedrohung für Frauen und Mädchen werden ernst genommen, sie können den Ängsten der

Bevölkerung gut begegnen. Im Gegensatz zu den internationalen Organisationen haben lokale Organisationen diesen Zugang zu „ihren“ Gemeinden und spielen daher eine Schlüsselrolle bei der Eindämmung des Virus.

Unsere Partnerinnen von CEFCI (Centre Féminin pour la Démocratie et les Droits Humains en Côte d’Ivoire) und WANEP (West Africa Network for Peacebuildung) in der Elfenbeinküste bilden junge Frauen darin aus, die Informationen über das Corona-Virus in ihre Gemeinschaften hineinzutragen. In Sierra Leone leisten insbesondere die sogenannten Girls Clubs wichtige Arbeit bei der Verbreitung von Informationen. Diese Clubs sind beliebte Treffpunkte für Mädchen. Dort lernen sie zum Beispiel alles über die Themen (reproduktive) Gesundheit, Selbstbestimmung und bekommen Berufsvorbereitungstrainings.

Mit Programmen zur Gesundheitsaufklärung in Camps für Geflüchtete sind unsere Partnerinnen von Khanzad aus dem Nordirak aktiv. Die Informationslage über Covid-19 dort ist besonders schlecht, viele Hygiene- und Abstandsregeln sind aufgrund der beengten Situation schwer oder gar nicht einzuhalten. Gute Aufklärung ist hier besonders wichtig, um Ansteckungen aber auch Panik zu vermeiden.

Verteilung von Hygienematerial und Nahrungsmitteln

Durch den Lockdown konnten Frauen in der Demokratischen Republik Kongo ihre Waren lange nicht auf dem Markt verkaufen, Einnahmen blieben aus. Ähnlich geht es Frauen im Irak, auch sie sind aufgrund der Situation von Hunger bedroht. Aus Mitteln des Nothilfefonds haben unter anderem unsere Partnerinnen PAIF (Promotion et appui aux initiatives féminines) aus der DR Kongo und mit Unterstützung durch Mittel des BMZ auch EMMA (kurdisch für “wir”) ihre Aktivitäten um die Verteilung von dringend notwendigen Nahrungsmittelpaketen ergänzt. 

Der Bedarf an Nahrungsmitteln oder finanzieller Unterstützung ist groß. Normalerweise überlassen wir diese humanitäre Arbeit anderen Organisationen, die darauf spezialisiert sind. Anders in der Krise.

Auch der Bedarf an Hygienematerial wie Seife, Desinfektionsmittel oder Schutzmasken ist hoch. Unsere Partnerinnen springen hier in vielen Ländern ein und verteilen diese Materialien in der Bevölkerung. Auch hier finanzieren wir die benötigten Materialien aus dem Nothilfefonds.

Medica Zenica aus Bosnien und Herzegowina hat Nähstuben auf die Produktion von Schutzmasken umgestellt. Im Moment werden rund 5.000 Masken produziert, die unter anderem an Frauenhäuser verteilt werden.

Arbeit aus dem Homeoffice

Die Mitarbeiterinnen aus der Geschäftsstelle in Köln arbeiten seit Mitte März bis auf wenige Ausnahmen aus dem Homeoffice. Von dort stellen wir sicher, dass alle Projekte und Programme weiterlaufen und sind teilweise täglich im Austausch mit unseren Partnerinnen.

Die meisten von ihnen arbeiten ebenso von zu Hause aus oder haben es zeitweise getan. Mit den Spenden können wir dafür notwendige Geräte anschaffen und Infrastruktur bereitstellen. Egal, mit welcher Kollegin aus welchem Land man spricht, die meisten stehen vor den gleichen Herausforderungen: Fürsorge-Arbeit, Familie, Kinder und den Job unter einen Hut zu bringen.

Besonders unsere muslimischen Kolleginnen hatten während des Ramadans eine erhebliche Mehrbelastung: tagsüber mussten sie körperlich anstrengendes Fasten einhalten und neben

beruflichen und familiären Verpflichtungen auch noch das traditionelle Fastenbrechen am Abend vorbereiten.

Und die Frauenrechte?

Neben den Anstrengungen auf die unmittelbaren Bedrohungen durch das Virus, bleibt der Kampf für Frauenrechte für uns und unsere Partnerinnen natürlich immer im Fokus.

Unsere Partnerorganisation MEMPROW (Mentoring and Empowerment Programme for Young Women aus Uganda hat sich während der Krise als wichtige Stimme für die Achtung der Frauenrechte etabliert. Unsere Partnerinnen werden regelmäßig von der Regierung und Medien als Ansprechpartnerinnen herangezogen.

Unsere irakischen Partnerinnen von EMMA führen auf politischer Ebene Gespräche zu den Themen psychische Gesundheit, den problematischen Rollenzuschreibungen von Frauen in der Krise und geschlechtsspezifische Gewalt.

Wie geht es weiter? 

Mit den eingegangenen Spenden in unseren Nothilfefonds haben wir bereits viele Aktivitäten anschieben und zur Verbesserung der Lage für Frauen und Mädchen beitragen können. Doch es zeigt sich immer mehr: Das Virus wird uns lange begleiten und unsere Bemühungen müssen wirksam und nachhaltig sein. Ihre Spenden sind und bleiben wichtig, damit wir gemeinsam weiter an unserem Ziel in dieser Krise arbeiten können: Frauenrechte schützen, Heldinnen unterstützen!

 

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