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16. Juni 2021

Sexualisierte Kriegsgewalt - neues Ausmaß der Gewalt nach einem Jahr Pandemie

Pressemitteilung: Köln, 16. Juni 2021 – Neu sind Gewalt, Vergewaltigung und Mord an Frauen und Mädchen in Kriegen und Konflikten nicht. Neu sind jedoch das Ausmaß sexualisierter Gewalt infolge der Corona-Pandemie und die Art der Übergriffe. Das zeigen zahlreiche Berichte internationaler Organisationen und lokaler Nichtregierungsorganisationen mit denen medica mondiale in Krisen- und Kriegsgebieten zusammenarbeitet. Anlässlich des Welttags zur Beseitigung sexueller Gewalt in Konflikten am 19. Juni fordert medica mondiale von der Bundesregierung, Überlebende sexualisierter Kriegsgewalt besser zu schützen und Frauenrechtsorganisationen zu unterstützen - zum Beispiel in der DR Kongo und in Afghanistan.

Gewalt gegen Frauen in der DR Kongo

Eine Partnerorganisation von medica mondiale in der DR Kongo, PAIF (Promotion et Appui aux Initiatives Féminines), dokumentierte in den vergangenen Monaten die Zunahme von sexualisierter Gewalt, und insbesondere von Vergewaltigungen und Gruppenvergewaltigungen. "Immer wieder erlebten Frauen und Mädchen sexualisierte Gewalt, wenn sie wegen angeblicher Verstöße gegen Corona-Maßnahmen von Sicherheitskräften bedroht werden", berichtet Sara Fremberg, Leiterin des Bereichs Kommunikation und Politik bei medica mondiale. "Schulschließungen haben zu erhöhter Kriminalität unter Jugendlichen und zu sexualisierten Übergriffen - oft auch in Gruppen - auf Frauen und Mädchen geführt."

Vulkanausbruch in der DR Kongo verschärft Situation für Frauen und Mädchen

Zusätzlich verschlechtert der Ausbruch des Nyiragongo Vulkans nahe Goma die Situation von Frauen und Mädchen in der Region. PAIF verteilt derzeit dringend benötigte Mittel für medizinische Versorgung und akut lebensnotwendige Güter an Klientinnen ihrer Programme. "Die Auswirkungen der Pandemie haben die Gefahr für Frauen und Mädchen seit mehr als einem Jahr immer weiter verschärft, durch den Vulkanausbruch ist die Situation nun weiter eskaliert ", sagt Fremberg. "Sexualisierte Kriegsgewalt ist ein schweres Menschenrechtsverbrechen, das Betroffene und Gesellschaften über mehrere Generationen hinweg schwer traumatisiert und den Aufbau von Frieden verhindert. medica mondiale fordert daher die Bundesregierung auf sich gezielt für die Rechte und den Schutz von Frauen und Kindern einzusetzen", so Fremberg.

Unterstützung für Frauenrechtsaktivistinnen in Afghanistan

Besondere Aufmerksamkeit fordert medica mondiale außerdem für die aktuelle Situation in Afghanistan: "Sexualisierte Kriegsgewalt endet nicht mit einem Friedensabkommen - schon gar nicht, wenn Frauen von den Friedensverhandlungen ausgeschlossen sind", sagt Fremberg. Deutschland trage auch nach Abzug der Bundeswehr weiter Verantwortung. "Deutschland muss Frauenrechtsorganisationen in Afghanistan politisch und finanziell unterstützen." Dazu gehöre auch, Frauenrechtsaktivist:innen bei akuter Bedrohung Visa und einen gesicherten Aufenthalt in Deutschland zu gewähren. Neben kurzfristigen Maßnahmen zur Bewältigung der Corona-Pandemie braucht es langfristig eine feministische Gesamtstrategie zur Beendigung von sexualisierter Gewalt. medica mondiale hat mit Blick auf die anstehende Bundestagswahl ein Forderungspapier mit konkreten Forderungen zur Inlands- und Außenpolitik veröffentlicht.