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02. September 2020

Sechs Monate im Kampf gegen Corona: Das haben unsere Partnerorganisationen geleistet

Seit Anfang des Jahres verbreitet sich das neuartige Corona-Virus weltweit. Für Frauen und Mädchen in Krisengebieten ist die Bedrohung durch das Virus besonders groß. Wie unsere Partnerorganisationen weltweit mit der veränderten Situation umgehen, welche Maßnahmen sie gegen das Virus ergreifen und wie sie sich unter aktuellen Bedingungen für Frauenrechte einsetzen, erfahren Sie in diesem Update.

Irak

Der Irak hat mit mehreren längeren Lockdowns auf die Bedrohung durch das Corona-Virus reagiert. Viele Frauen haben durch die Ausgangssperre kein Einkommen, sodass unsere nordirakische Partnerorganisation EMMA nicht nur über Präventionsmaßnahmen informiert, sondern auch Hygiene-Utensilien und Grundnahrungsmittel an Betroffene verteilt. Ein besonderes Anliegen von EMMA ist dabei die Unterstützung der Geflüchteten, die oft unter prekären Bedingungen in zahlreichen Camps in der Region leben. Unsere Kolleginnen sind zudem politisch aktiv und thematisieren unter anderem geschlechtsspezifische Gewalt und die problematische Rollenzuschreibung in der Corona-Krise.

Sierra Leone

Sierra Leone hatte in der Vergangenheit bereits mit dem Ebola-Virus zu kämpfen. Unsere lokalen Partner*innen von der Organisation Girl2Girl nutzen Erkenntnisse und Taktiken aus der Zeit des Ebola-Ausbruchs nun, um die Ausbreitung von Covid-19 einzudämmen. In geschützten Räumen klären sie Mädchen über das Corona-Virus und seine Folgen auf, beseitigen Gerüchte und Unsicherheiten und lehren Präventionsmaßnahmen. Die Mädchen tragen dieses Wissen in ihre Familien und Gemeinden und helfen so, möglichst viele Menschen zu informieren. Neben diesen Maßnahmen setzt sich Girl2Girl zudem weiterhin für weibliche Sexualaufklärung und die Stärkung finanzieller Unabhängigkeit von Frauen ein.

Bosnien und Herzegowina

Unsere Partnerorganisation SEKA bietet in Bosnien und Herzegowina psychosoziale Beratung und Betreuung für Frauen, die im Bosnienkrieg sexualisierte Gewalt erfahren haben. Ein zweimonatiger Lockdown, ein Anstieg familiärer Gewalt und existenzielle Sorgen um das Überleben der Familie bewirken bei vielen Frauen das Aufleben alter Traumata. Die Kolleginnen von SEKA setzen darum ihr Betreuungsangebot über Chat, Videoanrufe und eine Telefonhotline fort. Zudem verteilen sie Hygieneutensilien und Nahrungsmittelpakete und unterstützen Betroffene familiärer Gewalt.

Demokratische Republik Kongo

Die Corona-Pandemie hat die Demokratische Republik Kongo hart getroffen. Um eine Ausbreitung von Covid-19 zu verhindern, hat die Regierung einen 68 Tage währenden Lockdown verhängt, der vielen Menschen die wirtschaftliche Existenzgrundlage genommen hat. Hunger, Gewalt und Unsicherheiten in Bezug auf das neue Virus sind weit verbreitet. Unsere Partnerorganisation PAIF hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, Aufklärung zu leisten: Auf Grundlage ihrer Erfahrung im Umgang mit der letzten Ebola-Epidemie informieren unsere Kolleginnen über Risiken und Prävention von Covid-19. Zudem verteilen sie Lebensmittel, um der drohenden Hungerkatastrophe entgegen zu wirken.

Liberia

Medica Liberia hat im Zuge der Corona-Pandemie bereits viel geleistet. Mit Plakaten und Handzetteln, per Megaphon und auch in Radiosendungen haben unsere Kolleginnen über die Gefahren von Covid-19 und Präventionsmaßnahmen aufgeklärt. Die Mittel dafür und für die Verteilung von Hygienematerialien konnten sie aus den Spenden an unseren Corona-Nothilfefonds beziehen. Zudem bietet Medica Liberia weiterhin eine Anlaufstelle für Frauen, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind, und setzen sich für ein Ende geschlechtsspezifischer Gewalt ein. Auf politischer Ebene fordern die Aktivistinnen unter anderem mehr Aufklärung über das Virus, ein Hilfspaket für die Wirtschaft und sofortige Hilfsmaßnahmen für die Bevölkerung.

Afghanistan

Auch Afghanistan ist schwer vom Corona-Virus betroffen. Der zweimonatige Lockdown ab Ende März hat viele Familien um ihr Einkommen gebracht und zu einem Anstieg familiärer Gewalt gegen Frauen geführt. Unsere Partnerinnen von Medica Afghanistan können die psychologische und rechtliche Beratung der Betroffenen zurzeit nur über eine Notfall-Hotline durchführen. Die Corona-Krise verstärkt die ohnehin schon ausgeprägte Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern: So setzt sich Medica Afghanistan mit Nachdruck für inhaftierte Frauen ein, die aufgrund ihrer Umstände einem besonders großen Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind, während mehr als 14.000 männliche Gefangene – darunter Taliban-Kämpfer – auf Kaution entlassen wurden, um die Verbreitung des Virus einzudämmen.

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