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23. September 2020

Safe Abortion: Schwangerschaftsabbrüche in Zeiten von Corona

Pressemitteilung: Köln, 23.9.2020. medica mondiale und ihre Partnerorganisationen beobachten seit Ausbruch der Pandemie, dass sexuelle und reproduktive Rechte von Frauen eingeschränkt werden - insbesondere in Krisen- und Kriegsgebieten.

Corona bedroht die Grundversorgung

”Die Corona-Pandemie verstärkt die Benachteiligung von Frauen. Das beobachten wir auch mit Blick auf die gynäkologische Grundversorgung, zu der die Möglichkeit gehört, eine Schwangerschaft sicher zu beenden” sagt Monika Hauser, Gründerin und Vorständin der Frauenrechtsorganisation medica mondiale anlässlich des Safe Abortion Day am 28. September 2020. Seit Ausbruch der Pandemie wurden die sexuellen und reproduktiven Rechte von Frauen in vielen Ländern stark eingeschränkt.

Schwangerschaftsabbrüche in Serbien

In Serbien können zwar Schwangerschaften legal abgebrochen werden. Doch hier berichten die Partnerorganisationen von medica mondiale von überfüllten Kliniken, die wegen der hohen Auslastung keine Abbrüche mehr durchgeführt und die Frauen wieder nach Hause geschickt haben. “In den wenigen verbliebenden privaten Kliniken müssen Frauen oft mehr als 200 Euro für einen Schwangerschaftsabbruch zahlen, ein Betrag, den sich viele Frauen schon vor Corona nicht leisten können“, sagt Sanja Pavlovic von der Frauenrechtsorganisation Autonomous Women`s Center in Serbien. Das Durchschnittseinkommen in Serbien beträgt circa 600 Euro. 

In Liberia sind Abbrüche verboten

Mit besonderer Sorge schaut medica mondiale nach Liberia, wo Schwangerschaftsabbrüche schon vor der Krise gesetzlich verboten waren. „Frauen brauchen Zugang zu sicheren Schwangerschaftsabbrüchen, das sollte das Gesetz endlich sicherstellen“, fordert Caroline Bowah, Direktorin von medica Liberia. Die Frauenrechtsorganisation beobachtet seit Ausbruch der Pandemie, dass die Preise für Verhütungsmittel durch globale Lieferengpässe und eingeschränkte Produktionen angestiegen sind. „Deswegen können sich noch weniger Frauen aufgrund von finanziellen Überlegungen vor ungewollten Schwangerschaften zu schützen."

Nordirak: Keine Selbstbestimmung für Frauen

„In der autonomen Region Kurdistan und im Zentralirak gibt es keine Selbstbestimmung für Frauen, hier entscheiden nicht die Frauen selbst, sondern eine medizinische Kommission, ob die Frau in Ausnahmefällen eine Schwangerschaft beenden kann” berichtet Bahar Ali, Direktorin von der Frauenrechtsorganisation EMMA, die sich seit Jahren für legalen Zugang zu sicheren Schwangerschaftsabbrüchen im Nordirak einsetzten. Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie sei das Problem gewachsen, so Bahar Ali: Der weltweite Anstieg von sexualisierter Gewalt gegen Frauen mache es besonders dringlich, Frauen zu unterstützen und ihnen einen sicheren Schwangerschaftsabbruch zu ermöglichen.

Besorgniserregende Situation in Deutschland

„Wo sichere Schwangerschaftsabbrüche erschwert und verboten werden, sterben am Ende Frauen, weil sie zu unsicheren Methoden greifen oder sich das Leben nehmen, das haben wir insbesondere in Konfliktgebieten immer wieder erlebt“ erzählt Gynäkologin Hauser, die Mitte der 90er Jahre im  Bosnienkrieg Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt hat.  Doch auch in Deutschland sieht medica mondiale eine besorgniserregende Verschlechterung: So kategorisierten ÄrztInnen in einigen Bundesländern Schwangerschaftsabbrüche während des Lockdowns als „elektiv“, also nicht dringlich und aufschiebbar, und führten keine Abbrüche mehr durch.

Weg mit §218 und §219a

Monika Hauser: „Frauen müssen auch in Krisenzeiten zeitnah einen sicheren Schwangerschaftsabbruch durchführen lassen können. Die Paragraphen 218 und 219a stigmatisierten bereits vor der Pandemie Frauen, die einen Abbruch in Anspruch nehmen sowie medizinisches Personal, die Abbrüche durchführen. Wir fordern die Bundesregierung auf, diese Paragraphen zu streichen und Schwangerschaftsabbrüche endlich zu legalisieren.“

Safe Abortion Day

Der Safe Abortion Day wurde 1990 zum ersten Mal von der Frauenrechtsbewegung in Lateinamerika ausgerufen, um eine Dekriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen zu erwirken. 2011 wurde der 28.09. als internationaler Aktionstag ausgerufen. In Deutschland werden die Aktionen vom Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung getragen, an dem medica mondiale beteiligt ist. 


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