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04. Mai 2020

„Niemals nur Geschichte. Gemeinsam gegen sexualisierte Kriegsgewalt“ – medica mondiale plant Erinnerungsort für im Krieg vergewaltigte Frauen

Pressemitteilung: Köln, 4. Mai 2020: 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs plant die Frauenrechtsorganisation medica mondiale gemeinsam mit der Stadt Köln einen Erinnerungsort für alle Frauen, die damals und seitdem weltweit in Kriegen vergewaltigt wurden. Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker unterstützt das Vorhaben.

„Es ist wichtig, dass endlich von offizieller Seite anerkannt wird, dass die zahllosen Kriegsvergewaltigungen im Zweiten Weltkrieg ein schweres Unrecht sind, das viel Leid verursacht hat. Hier gibt es immer noch eine Leerstelle im offiziellen Gedenken. Vergewaltigungen sind mehr als Einzelschicksale, sie haben ihre Ursachen in kulturellen, politischen, gesellschaftlichen und familiären Verhältnissen“, sagt Monika Hauser, Gründerin und Vorstandsmitglied von medica mondiale. „Die damals erlebte Gewalt hat sich tief in das Leben der Betroffenen eingegraben. Ihre Traumata wirken in den nachfolgenden Generationen weiter und prägen unsere Gesellschaft bis in die Gegenwart.“

Erinnerungsort für Überlebende sexualisierter Kriegsgewalt

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker unterstützt das Anliegen: „Ich danke medica mondiale für die Initiative und unterstütze die Forderung nach einem Erinnerungsort für Überlebende sexualisierter Kriegsgewalt. Indem wir ihr Leid anerkennen und gleichzeitig die Kraft würdigen, mit der die Überlebenden ihr Schicksal gemeistert haben, können wir dazu beitragen, einen Heilungsprozess in Gang zu setzen – für die betroffenen Frauen, aber auch für uns als Gesellschaft.“

medica mondiale ist mit der Stadt Köln seit Herbst vergangenen Jahres über den Ort und die Gestaltung eines solchen Ortes der Erinnerung im Gespräch. „Mit Engagement, Expertise und Beharrlichkeit unterstützt die Frauenrechtsorganisation medica mondiale seit mehr als 25 Jahren Frauen und Mädchen, die in Kriegsgebieten von sexualisierter Gewalt betroffen sind. Ich freue mich daher ganz besonders, mit Monika Hauser und ihrer Organisation als starke Vertreterin der Humanität hier in Köln einen solchen Erinnerungsort planen zu können.“

Zweiter Weltkrieg: Millionen von Frauen vergewaltigt

Millionen von Frauen wurden Schätzungen zufolge im Zweiten Weltkrieg und den Folgemonaten vergewaltigt – im Holocaust, während der Kriegshandlungen und der Besatzung. Das extrem hohe Ausmaß der Gewalt belegen Berichte der betroffenen Frauen ebenso wie Erinnerungen ehemaliger Soldaten, Krankenhausakten, Militärdokumente und Aufzeichnungen von Pfarrämtern. Alle beteiligten Armeen setzen sexuelle Gewalt als Kriegswaffe ein.

In den Nachkriegsgesellschaften wurden die Verbrechen verdrängt, unter den Teppich gekehrt und nicht systematisch aufgearbeitet. Die betroffenen Frauen wurden stigmatisiert und ausgegrenzt und konnten deswegen in der Regel nicht über das sprechen, was sie durchlitten hatten.

Transgenerationales Trauma: Kriegsfolgen wirken über Generationen hinweg

„Kriegsvergewaltigungen sind bis heute Bestandteil nahezu jeder kriegerischen Auseinandersetzung und werden oft systematisch eingesetzt“, so Hauser weiter. Auch nach einem offiziellen Kriegsende setzt sich die Gewalt meist fort. „Wo Vergewaltigungen tabuisiert und Betroffene ausgegrenzt werden, normalisieren sich gewaltvolle Strukturen: Sie prägen familiäre und soziale Beziehungen und werden als sogenanntes transgenerationales Trauma an Kinder und Enkelkinder weitergegeben.“

„Obwohl es inzwischen auf internationaler Ebene politische Initiativen gibt, um sexualisierte Kriegsgewalt zu verhindern und zu ahnden, fehlt es weiterhin an einem breiten politischem Bewusstsein für Gewaltprävention, die Bedeutung von psychosozialer Unterstützung für die Betroffenen sowie einer umfangreichen Anerkennung der gesamtgesellschaftlichen Folgen dieser Verbrechen.“


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