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16. September 2013

Koreanische "Trostfrau" LEE Ok-Seon:
“Solange ich am Leben bin, kämpfe ich“

"Jeder soll wissen, welches Schicksal wir als 'Trostfrauen' erleiden mussten", erklärt LEE Ok-Seon bei ihrem Besuch in der Geschäftsstelle von medica mondiale am 30. August 2013. Die 86-jährige Südkoreanerin war auf Einladung des Korea-Verbands für elf Tage zu Gast in Deutschland. Ihre Mission: Über sexualisierte Kriegsgewalt und ihre geschichtliche Aufarbeitung sprechen.

LEE Ok-Seon ist eine von circa 200.000 sogenannten "Trostfrauen", die während des Asien-Pazifik-Krieges 1937 bis 1945 vom japanischen Militär verschleppt und zur Sexsklaverei gezwungen wurden. LEE Ok-Seon lehnt den Begriff Trostfrauen ab. "Heute sagen sie, dass wir freiwillig dort waren. Dabei war es Zwangsarbeit." Ihre Forderung ist ebenso klar wie einfach: Die japanische Regierung soll sich entschuldigen und den wenigen Überlebenden eine Entschädigung zahlen.

Die damals 14-Jährige wird aus Südkorea in eine "Troststation" im Nordwesten Chinas verschleppt. Drei Jahre lang ist LEE Ok-Seon in dem Militärbordell eingesperrt.

Nach Kriegsende setzen die Japaner das junge Mädchen vor die Tür, ohne Geld, ohne Papiere. "Nach Hause zurückkehren konnte ich nicht. Auf meinem Gesicht stand 'Trostfrau' geschrieben". Sie bleibt in China, lernt einen aus Korea stammenden Mann kennen und zieht mit ihm seine Kinder groß. Eigene kann sie nicht bekommen – als Folge verschiedener Geschlechtskrankheiten musste ihre Gebärmutter entfernt werden. 

Erst im Jahr 2000, nach dem Tod ihres Mannes, kehrt LEE Ok-Seon zurück nach Südkorea. Sie lebt in der Nähe von Seoul im "House of Sharing", einem Wohnprojekt für ehemalige Zwangsprostituierte. Regelmäßig demonstriert sie vor der japanischen Botschaft in Seoul. Dort treffen sich seit 1991 jede Woche Überlebende, Angehörige und UnterstützerInnen mit Transparenten und skandieren Parolen. Bislang ohne Erfolg. "Ich bin nach Deutschland gekommen, um Unterstützung zu finden. Lassen Sie uns Hand in Hand für Frauenrechte und für unsere Würde kämpfen."