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13. September 2019

Gutes hinterlassen: Tag des Testaments

Am 13. September ist der Internationale Tag des Testaments. Immer mehr Menschen vermachen ihren Nachlass gemeinnützigen Organisationen. Vera Stauf-Reintjes ist Notarin und berät Menschen, die gemeinnützige Organisationen wie medica mondiale in ihrem Testament bedenken wollen. Sie weiß, worauf TestamentsspenderInnen achten müssen, um über ihren Tod hinaus Frauen und Mädchen zu unterstützen. Im Interview erläutert sie, was beim Schreiben eines Testaments wichtig ist und was es bedeutet, dass medica mondiale wie andere gemeinnützige Organisationen von der Erbschafts- und Schenkungsteuer befreit ist.

Warum ist es gut ein Testament zu machen?

Vera Stauf: Es gibt viele gute Gründe, ein Testament zu verfassen. Ganz besonders dann, wenn Sie Teile Ihres Vermögens oder einzelne Erinnerungsstücke ganz anders zuwenden möchten, als es das Gesetz vorsieht. Denn es ist wichtig zu wissen: Ohne Testament gilt allein die gesetzliche Erbfolge. Mit einem Testament können Sie dafür Ihre persönlichen Wünsche verwirklichen.

Ab welchem Alter sollte ein Testament geplant werden?

Vera Stauf: Es ist keine Frage des Alters, die Erbschaft zu regeln. Auch junge Menschen oder Familien sollten für den Fall vorsorgen, dass ihnen etwas zustößt. Die Regelung der Erbfolge durch ein Testament oder einen Erbvertrag ist in jedem Fall zu empfehlen, um unschöne Überraschungen in der Erbfolge zu vermeiden. Kein zweites Thema führt in der Familie so oft zu Streitigkeiten, wie die Vermögensnachfolge. Und außerdem: Tritt die gesetzliche Erbfolge in Kraft, weil Sie kein Testament hinterlassen, so gehen nicht verheiratete bzw. nicht eingetragene LebensgefährtInnen, Stiefkinder oder EnkelInnen, deren Eltern noch leben, leer aus. FreundInnen haben ebenfalls keinerlei Ansprüche – ganz gleich, wie nahe sie Ihnen stehen.

Worauf muss ich beim Aufsetzen eines Testaments achten?

Vera Stauf: Ein Testament, ganz gleich, ob handschriftlich verfasst oder notariell beurkundet, bringt Ihren letzten Willen rechtsgültig und verbindlich zum Ausdruck. Entscheidend ist dabei, dass es individuell auf Sie zugeschnitten ist. Wenn Sie alleinstehend leben, dann sind andere Kriterien für die Nachlassplanung wichtig als bei einem verheirateten Paar. Außerdem sind viele Formvorschriften für ein rechtsgültiges Testament zu beachten. Eine Einzelperson muss die Erklärung vollständig selbst schreiben und selbst unterzeichnen. Bei einem gemeinschaftlichen Testament reicht es aus, wenn eine Person von beiden schreibt und abschließend beide unterzeichnen. Dabei muss stets erkennbar sein, dass es sich um ein Testament handelt. Zudem sollte das Datum der Errichtung angegeben werden. Dann gibt es noch die Möglichkeit, ein notarielles Testament aufzusetzen und beurkunden zu lassen. Es hat neben der juristisch klaren Formulierung den Vorteil, dass nach dem Tod kein Erbscheinsverfahren notwendig ist.

Wo kann ich das Testament aufbewahren?

Vera Stauf: Entscheidend ist, dass es nach Ihrem Tod nicht in die falschen Hände gerät, sondern gefunden und eröffnet wird. Sie haben drei Möglichkeiten der Aufbewahrung:

  • Zuhause an einem Ort Ihrer Wahl, den Sie mindestens einer Person Ihres Vertrauens mitteilen sollten.

  • Ein notarielles Testament wird vom Notar an das Nachlassgericht geschickt, dort verwahrt und nach Ihrem Tode automatisch eröffnet.

  • Aber auch für eigenhändige Testamente übernimmt das Nachlassgericht gegen eine Pauschalgebühr von 75 Euro die Aufbewahrung und sorgt nach Ihrem Tod für die ordnungsgemäße Eröffnung.

Wie kann ich einer gemeinnützigen Organisation etwas vermachen?

Vera Stauf: Wenn Sie eine gemeinnützige Organisation im Testament berücksichtigen, können Sie in gewisser Weise Ihr Engagement über den Tod hinaus fortsetzen. Das machen zunehmend mehr Menschen. Ein weiterer Vorteil ist, dass viele gemeinnützige Organisationen von der Erbschaftsteuer befreit sind. Ebenfalls steuerbefreit sind Schenkungen, die eine schöne Möglichkeit bieten, sich bereits zu Lebzeiten zu engagieren. Daneben gibt es sogenannte Schenkungen auf Widerruf, wenn sich Menschen nicht sicher sind, ob sie eine größere Summe nicht doch noch mal selbst brauchen. Sie können die Summe dann wieder zurückfordern.

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