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05. Dezember 2018

Friedensnobelpreis: Frauen schützen und stärken, Täter bestrafen

Pressemitteilung: Köln, 6. Dezember 2018. "Der Friedensnobelpreis 2018 setzt ein wichtiges Zeichen gegen sexualisierte Kriegsgewalt", freut sich Monika Hauser, Gründerin der Frauenrechtsorganisation medica mondiale vor der Preisverleihung am 10. Dezember in Oslo. "Frauen und Mädchen müssen vor Gewalt geschützt und die Täter verurteilt werden", so Hauser weiter. "Diese Botschaft verbinde ich mit der Auszeichnung für Nadia Murad und Denis Mukwege und gratuliere beiden sehr herzlich." Die Gynäkologin und Aktivistin wurde 2008 für ihr Engagement mit dem Alternativen Nobelpreis, dem Right Livelihood Award, geehrt. Zehn Jahre später zeigt die aktuelle Würdigung, dass das Thema auch aufgrund steter weltweiter Sensibilisierung selbst in konservativen Kreisen angekommen ist.

Eine friedvollere Welt könne nur dann erreicht werden, so die Jury bei der Bekanntgabe, wenn die fundamentalen Rechte und die Sicherheit von Frauen auch in Kriegszeiten gewahrt würden. Der Friedensnobelpreis sei ermutigend für alle, erklärt Hauser, die sich wie medica mondiale seit Jahrzehnten für die Bekämpfung von sexualisierter Kriegsgewalt und die Stärkung der Überlebenden einsetzen. Preise wie diese trügen dazu bei, Öffentlichkeit und PolitikerInnen auf die anhaltenden Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen. Sie seien eine Chance, gesellschaftliche und strukturelle Veränderungen voranzutreiben.

Vergewaltigung im Krieg ist ein Kriegsverbrechen

Nadia Murad erlebte 2014 bei einem Überfall auf ihr Heimatdorf im Irak sexuelle Versklavung, Vergewaltigung und Folter. Seit 2016 spricht sie als erste Sonderbotschafterin für die Würde der Überlebenden von Menschenhandel der Vereinten Nationen (UNO) über Kriegsverbrechen und fordert ein Ende des Unrechts. Der Arzt Denis Mukwege betreut im Panzi-Hospital in der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) seit knapp 20 Jahren eine eigene Station für Frauen und Mädchen, die sexualisierte Kriegsgewalt überlebt haben.

medica mondiale unterstützt unter anderem Projekte in den Herkunftsländern der PreisträgerInnen: Im Nordirak arbeitet die Organisation mit regionalen Frauengruppen und Behörden der Autonomen Region Kurdistan in Dohuk zusammen. Angeboten werden Schulungen für Gesundheitspersonal in traumasensibler psychosozialer Arbeit, gynäkologische Beratung, Nähkurse und Selbsthilfegruppen. In der DR Kongo fördert medica mondiale seit 2004 verschiedene lokale Frauenorganisationen. Oft sind sie die einzigen Anlaufstellen für Überlebende sexualisierter Gewalt. Sie bieten ihnen medizinische, juristische und psychosoziale Unterstützung, eröffnen Einkommensmöglichkeiten, dokumentieren Verbrechen an Frauen und Mädchen und tragen durch Aufklärung über Frauenrechte zur Gewaltprävention bei.

25 Jahre gegen Gewalt an Frauen und Mädchen in Kriegs- und Krisengebieten

Seit 25 Jahren setzt sich medica mondiale für Frauen und Mädchen in Kriegs- und Krisengebieten ein. Dabei versteht sich die Organisation als Anwältin für die Rechte und Interessen von Frauen, die sexualisierte Kriegsgewalt überlebt haben. Neben medizinischer, psychosozialer und rechtlicher Unterstützung bietet medica mondiale Programme zur Existenzsicherung und leistet politische Menschenrechtsarbeit. 2008 wurde die Gründerin der Organisation, Dr. Monika Hauser, mit dem Right Livelihood Award, dem so genannten Alternativen Nobelpreis, ausgezeichnet.

www.medicamondiale.org/25-jahre

 

Bei Rückfragen und Interviewwünschen wenden Sie sich bitte an:
medica mondiale
Susanne Jahn
Telefon: 0221 93 18 98 41
Mail: sjahn@medicamondiale.org

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