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05. Oktober 2018

Friedensnobelpreis 2018 geht an den Kampf gegen sexualisierte Kriegsgewalt

Das norwegische Nobelkomitee setzte heute ein Zeichen gegen sexualisierte Kriegsgewalt. Es zeichnete Dr. Denis Mukwege und Nadia Murad mit dem Friedensnobelpreis 2018 aus. Der kongolesische Arzt betreut in seinem Krankenhaus seit fast 20 Jahren eine eigene Station für Frauen und Mädchen, die sexualisierte Kriegsgewalt erlebt haben. Nadia Murad erlebte 2014 bei einem Überfall auf ihr Heimatdorf selbst sexuelle Versklavung, Vergewaltigung und Folter. Nach ihrer Flucht aus der IS-Gefangenschaft kam sie nach Deutschland und ist seither als Menschenrechtsaktivistin gegen die Menschenrechtsverletzungen an Frauen und Mädchen aktiv.

Die Nobelpreis-Jury betonte in ihrer Begründung: „Dr. Denis Mukwege und Nadia Murad haben beide ihre persönliche Sicherheit riskiert, indem sie mutig gegen Kriegsverbrechen eingestanden sind und Gerechtigkeit für die Opfer eingefordert haben.“
Warum sich Dr. Denis Mukwege für Überlebende sexualisierter Kriegsgewalt einsetzt? Er sagt: „justice is everyone’s business” – für Gerechtigkeit zu sorgen, gehe uns alle an, ob Frau oder Mann. Mukwege wird nicht müde zu betonen, dass die Straflosigkeit von Massenvergewaltigungen in der DR Kongo und in anderen Ländern unerträglich sei und die PolikerInnen sich viel zu wenig für ein Ende dieser Gewalt einsetzten. Er und sein Team haben schon Tausende Frauen und Mädchen medizinisch versorgt und unterstützt – doch der Bedarf ist nach wie vor hoch.
Die irakische Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad hat inzwischen genug Kraft, sich für jene Frauen und Mädchen stark zu machen, die keine Stimme haben. Entgegen allen Tabus sprach Murad in den letzten drei Jahren vor der Presse und mit hochrangigen PolitikerInnen über ihre Erlebnisse. Zurecht verlangt sie, dass diese Kriegsverbrechen als Unrecht anerkannt werden.

Schutz für Frauen und Mädchen, Bestrafung für die Täter

Aber warum dieser Schwerpunkt auf sexualisierter Kriegsgewalt bei der diesjährigen Friedensnobelpreisverleihung? Das Nobelkomitee wies darauf hin, dass sich vor genau 10 Jahren der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen mit der UN-Resolution 1820 dazu bekannte, dass sexualisierte Kriegsgewalt als Kriegstaktik eingesetzt wird und ein Kriegsverbrechen darstellt. Die Jury stellte heraus, dass eine friedvollere Welt nur dann erreicht werden könne, wenn die fundamentalen Rechte und die Sicherheit von Frauen auch in Kriegszeiten gewahrt würden. Die wichtigste Nachricht, die von dieser Verleihung ausgehen solle, sei, dass Frauen und Mädchen geschützt und die Täter verurteilt werden müssten.

Auf der Pressekonferenz zur Friedensnobelpreisverleihung hob die Sprecherin des Komitees abschließend hervor, dass diese Preisverleihung sich nicht auf ein spezielles Ereignis in 2018 beziehe, sondern eine Auszeichnung sei für alle Anstrengungen im Kampf gegen sexualisierte Kriegsgewalt – insbesondere seitens zahlreicher mutiger EinzelkämpferInnen. Mukwege und Murad sei es gelungen, all diesen Menschen eine Stimme zu geben.

Unsere Sicht auf die Friedenspreisverleihung 2018

Aus unserer Sicht als Frauenrechts- und Hilfsorganisation, die sich weltweit gegen sexualisierte Kriegsgewalt einsetzt, sind solche Auszeichnungen ermutigend für alle, die sich seit Jahrzehnten für die Bekämpfung von sexualisierter Kriegsgewalt einsetzen und Überlebende unterstützen. Allerdings sehen wir den Kampf gegen sexualisierte und geschlechtsbasierte Gewalt als gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Diese darf auf keinen Fall auf Einzelne delegiert werden. #Metoo hat gezeigt, wie viel wir als Gesellschaft noch aufzuarbeiten und zu verändern haben – selbst in Friedenszeiten. Erst wenn wir als Gemeinschaft aktiv gegen Diskriminierung und Geschlechterungerechtigkeiten vorgehen, kann sexualisierte Gewalt beseitigt werden und nachhaltiger Frieden bekommt eine wahrhaftige Chance. Wie sagt Denis Mukwege so schön: Gerechtigkeit geht uns alle an.

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2013: Alternativer Nobelpreis für Dennis Mukwege – Männer als Mitstreiter im Kampf gegen sexualisierte Gewalt

Website mit Infos zu Dr. Denis Mukwege anlässlich der Verleihung des Right Livlihood Awards 2013