Zurück zur Übersicht
03. April 2019

Frauen übernehmen für zwei Wochen die Vereinten Nationen

Mehr als 10.000 staatliche und zivilgesellschaftliche VertreterInnen kamen in diesem Jahr vom 11. bis 22. März 2019 zur 63. Frauenrechtskommission der Vereinten Nationen nach New York (englisch: Commission on the Status of Women, CSW), um über Gleichstellungspolitik zu diskutieren. medica mondiale war zum ersten Mal dabei – und nutzte die Gelegenheit, um sich mit AktivistInnen weltweit zu vernetzen.

Seit der letzten Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking scheint sich das Rad in Sachen Frauenrechte rückwärts gedreht zu haben. Vor 24 Jahren befassten sich die TeilnehmerInnen mit der Situation von Frauen in bewaffneten Konflikten und legten fest, dass Frauen an Friedensprozessen beteiligt und vor sexualisierter Kriegsgewalt geschützt werden sollten. Das Abschlussdokument nannte zudem konkrete Maßnahmen zur Förderung der Gleichstellung. „Was damals in Peking verhandelt wurde, wäre heutzutage nicht mehr erreichbar“, erklärt Jeannette Böhme, Referentin für Politik und Menschenrechte bei medica mondiale.

Der Einsatz für Frauenrechte bei den Vereinten Nationen

Umso wichtiger sind die Aktivitäten der Frauenrechtskommission, die jedes Jahr in New York tagt. Der Kommission gehören 45 Staaten an, darunter auch Deutschland. Ihre Aufgabe ist es, die Umsetzung von Frauenrechten weltweit zu prüfen und weiterzuentwickeln. Neben den offiziellen Verhandlungen zur Verabschiedung eines Abschlussdokuments zeichnet sich die Frauenrechtskommission durch ein Rahmenprogramm mit Veranstaltungen zu aktuellen frauenpolitischen Themen aus – beispielsweise zum Schutz von Frauenrechtsverteidigerinnen oder zur Beteiligung von Frauen an Friedensprozessen.

„Die Stimmung ist einzigartig. Frauen übernehmen quasi für zwei Wochen die Vereinten Nationen. Sie bringen ihre Anliegen vor und kämpfen für ihre Rechte“, beschreibt Jeannette Böhme ihre Eindrücke. Bereits am Tag vor der offiziellen Eröffnung durch die Kommissionsvorsitzende H.E. Ms. Geraldine Byrne Nason und den Generalsekretär der Vereinten Nationen António Guterres versammelten sich Vertreterinnen der Zivilgesellschaft zur Auftaktveranstaltung. „Diese Treffen sind nicht nur wichtig für programmatische Schwerpunktsetzungen, sondern auch, um den gemeinsamen Kampfgeist am Leben zu erhalten und weiterzuentwickeln!“, so Böhme.

Verpflichtungen der internationalen Gemeinschaft auf dem Prüfstand

Im kommenden Jahr wird die Frauenrechtskommission im Zeichen der letzten Weltfrauenkonferenz von Peking stehen. „Peking+25“ lautet dann das Motto. Dann wird es darum gehen, die Umsetzung der in Peking gefassten Beschlüsse auf den Prüfstand zu stellen. Inwieweit sind Staaten und die internationale Gemeinschaft ihren hieraus resultierenden Verpflichtungen gerecht geworden? Wo besteht weiterhin Handlungsbedarf? Gerade in dieser schwierigen Zeit für Frauenrechte ist ein solch prüfender Blick notwendig.