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10. Oktober 2019

DR Kongo: Frauenrechte als Motor für Veränderung

Die Demokratische Republik Kongo ist eines der gefährlichsten Länder für Frauen. 2018 wurden dort die meisten Fälle von sexualisierter Gewalt weltweit registriert. Bewaffnete Konflikte, Vertreibungen und der neue Ausbruch von Ebola sorgen für eine angespannte Sicherheitslage. Unsere Partnerorganisation PAIF weiß, wie wichtig neben der Notfallversorgung auch präventive Maßnahmen sind. Mit einem grenzübergreifenden Projekt verleiht sie den Frauenrechten in der Region neuen Aufwind.

Die Demokratische Republik Kongo ist rund sechseinhalb Mal so groß wie Deutschland. Von den über 80 Millionen Einwohnern sind 13 Millionen angewiesen auf humanitäre Hilfe. Seit letztem Jahr breitet sich zudem die zweitgrößte Ebola-Epidemie weltweit im Osten des Landes aus. Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation starben bis Juli 2019 bereits 1.600 Menschen. Anders als beim Nachbarn Uganda, wo staatliche Stellen gut vorbereitet sind, gibt es laut unser Partnerorganisation PAIF in der DR Kongo keine wirksamen Maßnahmen zur Kontrolle und Eindämmung der Krankheit. Es bestehe die Gefahr, dass Ebola sich unkontrolliert ausbreite.

Unter Gewalt in Konflikten leiden vor allem Frauen und Mädchen

Die Geschichte des Landes, insbesondere des Ostkongo, ist eng mit der der Nachbarstaaten Burundi, Uganda und Ruanda verwoben. Gewaltsame Konflikte, Armut, Flucht und Vertreibungen prägen die Gegend. Rebellengruppen und Milizen bewegen sich zwischen den internationalen Grenzen und verüben brutale Übergriffe auf die Bevölkerung. Besonders betroffen sind Frauen und Mädchen. Sie werden vergewaltigt, gefoltert, misshandelt.

Soldaten und Paramilitärs vergewaltigen Frauen, um eine Familie, eine Gemeinde zu demütigen und das soziale Gefüge anzugreifen. Es geht um die symbolische Zerstörung des Gegners durch die gewaltvolle Inbesitznahme des Körpers „seiner“ Frauen. Sexualisierte Gewalt findet in allen bewaffneten Konflikten statt – von allen Gruppen, die am Konflikt beteiligt sind, aber auch von Zivilisten beispielsweise in Flüchtlingscamps. Aus unserer langjährigen Arbeit in Kriegsgebieten wissen wir: Auch Gewalt in Partnerschaften nimmt in schwierigen Lebenssituationen wie in Camps oder auf der Flucht zu.

Länderübergreifende Vernetzung für nachhaltige Prävention sexualisierter Gewalt

Für die Mitarbeiterinnen von PAIF bedeutet das: Tag für Tag versorgen sie vergewaltigte Frauen und Mädchen, begleiten sie zur Erstversorgung in Gesundheitsstationen und bieten ihnen psychosoziale Beratung an. Trotz der vielen zu bewältigenden Fälle wissen die Frauen von PAIF, wie wichtig neben der Notfallversorgung die Präventionsarbeit ist. Deswegen bietet PAIF auch Alphabetisierungskurse an und organisiert Solidargruppen, in denen betroffene Frauen Schneidern oder Backen lernen, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Viele der genannten Herausforderungen, vor allem aber das hohe Maß an geschlechtsspezifischer Gewalt, betreffen all unsere Partnerinnen in der Region der Großen Seen Afrikas. Als Reaktion darauf hat medica mondiale das Gemeinschaftsprojekt „See Far“ ins Leben gerufen. Beteiligt sind neben PAIF die Organisationen SEVOTA aus Ruanda und MEMPROW aus Uganda. Die Organisationen möchten sich grenzübergreifend über die Prävention von sexualisierter Gewalt austauschen. Sie möchten voneinander lernen und Schulungskonzepte für Eltern, LehrerInnen, Gemeindeälteste, Polizei und Gerichte erarbeiten. Geplant sind gegenseitige Besuche, gemeinsame Aufklärungskampagnen und eine Konferenz zum Thema feministische Räume. Gemeinsam werden sie daran arbeiten, patriarchale Strukturen länderübergreifend aufzubrechen und die Region zu einem sichereren Ort für Frauen und Mädchen zu machen.

So viel kostet unsere Hilfe, die nur mit Ihrer Spende möglich wird:

  • 32 Euro kostet ein „Starter Kit“ für Absolventinnen der Berufskurse (z.B. Schneidern, Frisurenflechten, Backen und Kochen).
  • 68 Euro kostet die Sensibilisierungsarbeit und Dialogveranstaltung mit lokalen Autoritäten.
  • 182 Euro kostet ein Backofen für Backkurse, in denen Frauen und Mädchen das Handwerk erlernen.

Autorinnen: Laura Fix, Mechthild Buchholz und Sophia von Merzljak, Mitarbeiterinnen von medica mondiale
Erschienen im memo, 2. Ausgabe 2019, S. 8
Eine Langform erschien in der Zeitschrift afrika süd Nr. 4, Juli/August 2019

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