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22. Oktober 2020

Die Friedensstatue muss bleiben

An der Seite des Koreaverbandes setzt sich medica mondiale für den Erhalt einer „Friedensstatue“ in Berlin ein. Die Statue erinnert an das Schicksal der sogenannten Trostfrauen und an hunderttausende Frauen, die weltweit von sexualisierter Kriegsgewalt betroffen sind.

Denkmal für die „Trostfrauen“

Am 28. September hat der Korea-Verband in Berlin-Moabit mit Genehmigung des zuständigen Bezirksamtes die „Friedensstatue“ eingeweiht. Die Statue soll an das Schicksal von Hunderttausenden Mädchen und Frauen erinnern, die während des Asien-Pazifik-Kriegs (1931-1945) vom japanischen Militär als “Trostfrauen” verschleppt und sexuell versklavt wurden.

Japan verlangt den Abbau der Statue

Bereits einen Tag später verlangte die japanische Regierung den Abbau der Statue und machte Druck auf das Auswärtige Amt und das Bezirksamt Moabit. Mit der Begründung die „Friedensstatue“ würde einen politisch-historisch belasteten Konflikt zwischen Japan und Korea aufgreifen, widerrief das Bezirksamt daraufhin die Genehmigung.

Protest gegen den Abbau der Friedensstatue

Als Organisation, die sich seit 1993 für Betroffene sexualisierter Kriegsgewalt weltweit einsetzt und als Mitglied im „Bündnis der Friedensstatue“ widerspricht medica mondiale der Begründung energisch und unterstützt die Proteste gegen den Abbau der Statue. Denn: Noch immer werden in jedem Krieg Frauen und Mädchen vergewaltigt, verschleppt, sexuell versklavt und ausgebeutet – unter anderem in den Konflikten in Afghanistan und der Demokratischen Republik Kongo, in Myanmar, im Irak und in Syrien. Die Geschichten der Frauen und Mädchen werden in den Nachkriegsgesellschaften bis heute überwiegend ignoriert und verdrängt, sie finden keinen Eingang in das kollektive Gedächtnis.

Friedensstatue: Symbol für Hoffnung

Bezugnehmend auf die sexualisierte Kriegsgewalt im Zweiten Weltkrieg in Asien stellt sich die Friedensstatue gegen die Tabuisierung der Gewalt, setzt ein Zeichen gegen die Wiederholung solcher Verbrechen und steht als Symbol der Hoffnung für die Überlebenden des Trostfrauensystems, aber auch für andere Überlebende sexualisierter Kriegsgewalt.

Sexualisierte Kriegsgewalt ist ein Kriegsverbrechen

Sexualisierte Kriegsgewalt ist ein Kriegsverbrechen, das nach internationalem Recht geächtet wird – unabhängig von der Nationalität der Täter, geschweige denn der Nationalität der Überlebenden! Erst im vergangenen Jahr hat Außenminister Heiko Maas die Resolution 2467 in den UN-Sicherheitsrat eingebracht. In diesem Rahmen forderte er die Unterstützung von Überlebenden sexualisierter Kriegsgewalt sowie die Anerkennung des ihnen angetanen Unrechts.

Politik muss Haltung zeigen

Bei einer Pressekonferenz, die der Korea-Verband anlässlich des Erhalts der Friedensstatue in Berlin am 13. Oktober 2020 organisierte, betonte Sara Fremberg, Bereichsleiterin Kommunikation und Politik bei medica mondiale: „Wir fordern die Bezirksregierung sowie den Außenminister dazu auf, Haltung zu zeigen und innenpolitisch das umzusetzen, was sich Deutschland außenpolitisch auf die Fahnen schreibt.“ Nach zahlreichen Protesten darf die Friedensstatue vorerst bleiben. Der Korea-Verband hat vor dem Berliner Verwaltungsgericht Einspruch gegen den Widerruf der Genehmigung eingelegt und die Bezirksregierung ist zu Gesprächen bereit. Auch medica mondiale wird sich weiter für den Erhalt der Statue einsetzen.

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