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16. Juni 2016

Burundi: Bildung steigert Selbstwertgefühl und Unabhängigkeit von Frauen

Die Frauenrechtsorganisation „Solidarität der burundischen Frauen im Kampf gegen AIDS und Malaria“ (SFBLSP) wurde 2004 von Espérance Ntirampeba gegründet. In den vergangenen acht Monaten unterstützte medica mondiale die Organisation dabei, Frauen und Mädchen insbesondere durch Alphabetisierungskurse und psychosoziale Beratung zu stärken. Die Frauen lernen ihre Rechte kennen, werden unabhängiger und selbstbewusster.

Bildung stark nachgefragt: Perspektiven für Frauen in einem instabilen Land

Die Mehrheit der Frauen sind Analphabetinnen. Lesen, schreiben und rechnen zu können bedeutet für sie Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit. Deswegen organisiert SFBLSP Alphabetisierungskurse und bildet mit Unterstützung des burundischen Bildungsministeriums LehrerInnen in diesem Bereich aus. 131 Frauen nahmen dieses Jahr an den Alphabetisierungskursen teil. Die ursprünglich 100 Plätze mussten aufgrund der großen Nachfrage aufgestockt werden. Der Abschluss des Kurses bedeutet viel: „Die erfolgreiche Teilnahme steigert das Selbstwertgefühl und verringert die Abhängigkeit der Frauen“, erklärt medica mondiale Länderreferentin Karen Knipp-Rentrop. Dass sie lesen, schreiben und rechnen können, gibt ihnen eine neue Perspektive. Ihre Heimat Burundi bleibt nach der Präsidentschaftswahl im letzten Jahr instabil. Insbesondere in einigen Stadtvierteln der Hauptstadt kommt es immer wieder zu willkürlichen Verhaftungen und Ermordungen, zu Anschlägen und zu gewaltsamen Zwischenfällen zwischen Sicherheitskräften, Oppositions- sowie Rebellengruppen. Im ganzen Land steigen Armut und Kriminalität bedenklich an. Gerade Frauen und Mädchen sind in diesem unsicheren Umfeld massiv von sexualisierter und struktureller Gewalt bedroht. Der Kurs umfasst aus diesen Gründen auch Sensibilisierungen zu Frauenrechten und sexualisierter Gewalt. So sollen die Frauen in die Lage versetzt werden, sich besser gegen sexualisierte Gewalt, Diskriminierung und Stigmatisierung zu schützen.

Gelebte Stärke: Frau schreibt mahnende SMS, wenn ihr Mann das Familiengeld in der Bar ausgibt!

Kürzlich fand die Abschlussfeier statt. Zwei Mitarbeiterinnen von medica mondiale, Angeles Martinez, Leiterin des medica mondiale Regionalbüros in Burundi, und Karen Knipp-Rentrop, waren bei der feierlichen Urkundenverleihung dabei. „So viele waren gekommen, obwohl sie eine lange Anreise haben“, erinnert sich Karen Knipp-Rentrop. Um den Anlass zu würdigen, hatten sie sich festlich gekleidet. Die AbsolventInnen verrieten, wie sie ihre neue Kompetenz einsetzen wollen: „Sie können jetzt selbstständig Nachrichten und offizielle Briefe lesen, aber beispielsweise auch ihren Männern eine mahnende SMS schreiben, wenn diese das Familiengeld in einer Bar ausgeben“, erläutert Karen Knipp-Rentrop. 78% der Teilnehmenden bestanden die Prüfung. Einige mussten bereits vorher den Kurs abbrechen, weil sie es etwa aufgrund häuslicher Verpflichtungen, der Entfernung oder der wachsenden Unsicherheit in Burundi nicht immer zum Kurs schafften. Andere konnten am Tag der Prüfung nicht erscheinen. Umso wichtiger ist die Projektzusammenarbeit von medica mondiale und SFBLSP, die bereits die Fortsetzung beschlossen haben.

Weitere Arbeitsschwerpunkte: psychosoziale Beratung, Einkommen schaffende Maßnahmen und Sensibilisierung für sexualisierte Gewalt

Neben den Alphabetisierungskursen förderte medica mondiale die Ausbildung von 25 psychosozialen Assistentinnen in Beratung und im Umgang mit Traumata. Sie beraten Überlebende vor Ort und überweisen sie gegebenenfalls an spezialisierte Organisationen und Institutionen. Zudem unterstützte SFBLSP im Förderzeitraum 25 Frauen bei Einkommen schaffenden Maßnahmen und sensibilisierte 25 Frauen zum Thema HIV/AIDS. Zusätzlich erhielten 25 Sexarbeiterinnen ein Training in Selbstschutzmaßnahmen. Ihnen soll langsam ein Weg in ein Leben jenseits der Prostitution eröffnet werden. Bereits seit 2013 finanziert medica mondiale Maßnahmen der Organisation SFBLSP aus Burundi mit dem Ziel, Überlebende sexualisierter Gewalt und Sexarbeiterinnen zu beraten, weiterzubilden und zu stärken.