Jahresrückblick 2021

Ein schwieriges Jahr für Frauenrechte – aber kein hoffnungsloses

Afghanistan war nur der Höhepunkt einer traurigen Entwicklung: Die Arbeit von Frauenrechtsaktivistinnen wird weltweit immer häufiger attackiert, eingeschränkt oder ganz verhindert. Die Corona-Pandemie tut ihr Übriges dazu.

Trotz dieser Entwicklungen haben unsere Partnerorganisationen nicht aufgegeben und auch 2021 viel erreicht. So konnten neue Netzwerke aufgebaut und neue Handlungsoptionen ausgelotet werden.

Tausende von Gewalt betroffene Frauen und Mädchen fanden bei unseren Partnerinnen Unterstützung. Wir stehen solidarisch an ihrer Seite.

 

Schwierige Lage weltweit

Die internationalen Truppen waren gerade erst aus Afghanistan abgezogen, da hatten die Taliban Frauen und Mädchen schon fast komplett aus dem öffentlichen Leben verdrängt. Proteste wurden niedergeschlagen, Frauenrechtsaktivist:innen berichteten von Drohanrufen. Und auch in Europa gab es schlimme Entwicklungen: Die Türkei ist aus der Istanbul-Konvention ausgetreten, was ein fatales Signal gesendet hat. Und in Polen mussten Frauen erleben, wie ein Gesetz zum Schwangerschaftsabbruch ihr Leben bedrohen kann. Das alles passiert vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie, die weiterhin die Arbeit von Frauenrechtsaktivistinnen massiv einschränkt.

Rückblick Afghanistan: Terror, Trauer, Dankbarkeit

Es war ein historischer Einschnitt: Nach der Machtübernahme der Taliban mussten unsere Partnerorganisationen ihre Büros in Kabul, Mazar-i-Sharif und Herat schließen.

20 Jahre lang hat medica mondiale zusammen mit ihnen Frauen über ihre gesetzlich verbrieften Rechte aufgeklärt oder Überlebende sexualisierter Gewalt unterstützt. Das ist in dieser Form jetzt nicht mehr möglich.

medica mondiale hat in den vergangenen Monaten ununterbrochen alles dafür getan, die Ausreise der Kolleginnen und eine sichere Einreise nach Deutschland zu ermöglichen. Mittlerweile sind die ersten Kolleginnen in Deutschland oder anderen Ländern angekommen. Darüber sind wir sehr froh und dankbar. Wir wünschen ihnen und ihren Familien viel Kraft und Ruhe. Wir werden auch weiterhin tun was wir können, um sie zu unterstützen – ob in Deutschland, Afghanistan oder einem anderen Land. 

 

Südosteuropa: Sexualisierte Gewalt aus dem Tabu holen

In Südosteuropa haben Schauspielerinnen ihre Stimme erhoben. Unter dem Hashtag #NisiSama (Du bist nicht alleine) haben Tausende Frauen aus Serbien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Montenegro über ihre Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt berichtet und eine wichtige Debatte angestoßen. Gleichzeitig sitzt seit diesem Jahr die kosovarische Aktivistin und Überlebende von sexualisierter Kriegsgewalt Vasfije Krasniqi Goodman im Parlament. Mit ihr finden feministische Themen hoffentlich mehr Präsenz in der Region.

medica mondiale hat zudem mit sieben Partnerorganisationen 2020 ein neues Regionalprogramm entwickelt und in diesem Jahr gestartet.

Ziel ist es, langfristig eine feministische und inter-ethnische Erinnerungskultur in Südosteuropa zu erarbeiten. Dazu soll es in den nächsten Jahren Bildungsangebote sowie länderübergreifende Vernetzungsarbeit geben.

Vernichtendes Feuer und Hoffnung bringende Solidarität im Nordirak

Sie flohen vor Tod, Folter und Vergewaltigung durch den Islamischen Staat, landeten in einem Camp im Nordirak, hofften auch eine sichere Bleibe – und dann vernichtete ein Feuer ihr spärliches Dach über dem Kopf. 400 Zelte der jesidischen Geflüchteten im Lager Sharya brannten ab. Viele Frauen und Kinder verloren alles. Unsere Partnerorganisation EMMA hat Betroffene mit psychosozialer Beratung und Hilfsgütern unterstützt.

 

Bei dieser Arbeit ist Selbstfürsorge wichtig. Deshalb hat medica mondiale mit EMMA ein Konzept entwickelt, das Mitarbeiter:innen-Fürsorge in Krisen- und Konfliktgebieten in den Vordergrund stellt. Das soll nun auch für andere Organisationen zur Verfügung gestellt werden. 

 

DR Kongo: Hoffnung im Zeichen des Vulkans

Und plötzlich ist alles anders: Im Mai brach in der DR Kongo der Vulkan Nyiragongo aus, die Lava zerstörte mehrere Dörfer und somit die Heimat von vielen Menschen. Das Büro unserer Partnerorganisation PAIF in Goma war lange nicht zugänglich. Ein Hoffnungsschimmer: Trotz dieser Lage gab es eine große länderübergreifende Solidarität. Unsere Partnerinnen aus Ruanda brachten zum Beispiel Gelder über die Grenze, weil die Banken geschlossen hatten. So konnten Betroffene in den Lava-Gebieten sowohl medizinisch, als auch mit Hygieneartikeln, Nahrung und Decken versorgt werden.  

 

Spotlights 2021: Mut und Zusammenhalt

Die Beispiele zeigen: Inmitten größter Krisen sehen wir so viel Kraft, Zusammenhalt und Mut bei den Aktivistinnen! Unsere Partnerinnen haben sie sich gegenseitig unterstützt, geholfen und aufgebaut. Auch wir in Köln haben gegen die Mühlen der politischen Bürokratie für einige afghanische Kolleginnen samt Familien die Evakuierung erreicht – und wir geben auch 2022 nicht auf. Ihre Spenden machen das alles möglich!

Lassen Sie uns auch im kommenden Jahr gemeinsam Frauenrechte weltweit stärken – ob persönlich oder mit einer Spende. Für eine bessere Zukunft für Frauen und Kinder weltweit.

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