Sexualisierter Kriegsgewalt auf allen Ebenen zu begegnen, dieser Aufgabe stellt sich die in Köln ansässige Frauenrechts- und Hilfsorganisation medica mondiale seit der Gründung 1993 durch Monika Hauser. Die Entstehung der Organisation wurzelt im Tatendrang und der Empörung einer einzelnen Frau. Sie versteht es als persönliche Aufgabe, den Opfern sexualisierter Kriegsgewalt zur Seite zu stehen: „Ich habe das Privileg eines europäischen Passes, ich habe eine gute Ausbildung genießen können, ich bin stark. Ich muss diese Privilegien nutzen, um andere Frauen, die auf der Schattenseite leben, zu unterstützen“, so Hauser im Vorwort ihrer Biographie. Möglich wird diese engagierte Arbeit durch zahlreiche UnterstützerInnen.

medica mondiale hat diesen Einsatz bis heute kontinuierlich fortgesetzt. Grundlegend hierfür waren die jüngere deutsche Geschichte sowie die wirtschaftlichen und politischen Bedingungen in Deutschland:

  • Die Bundesrepublik Deutschland ist die größte Volkswirtschaft Europas und viertgrößte der Welt. Sie besitzt damit wirtschaftliche und politische Macht; ihr Einfluss in der Internationalen Gemeinschaft ist groß. Auch die Tatsache, dass Deutschland zu den größten Rüstungsexporteuren gehört, bringt Verantwortung mit sich. Die Bundesregierung als auch die deutsche Zivilgesellschaft verfügen über die notwendigen Mittel und Instrumente, um die Lebensbedingungen von Menschen weltweit positiv beeinflussen zu können. Daraus folgt die Verpflichtung, Menschen- und Frauenrechte zu achten und sich gezielt dafür einzusetzen.
  • Im Hinblick auf die Verbrechen der Nationalsozialisten, dem von ihnen verursachten zweiten Weltkrieg und seinen massiven langfristigen Folgen ist eine selbstkritische Sichtweise Deutschlands angebracht. Bis heute – rund 70 Jahre nach dem Ende des Krieges, der nationalsozialistischen Diktatur und dem Holocaust – hat den Millionen vergewaltigten Frauen noch keine Rede eines deutschen Staatsoberhauptes gegolten, niemand widmete ihnen ein Mahnmal, niemand machte je ernsthafte Anstrengungen in Richtung Aufarbeitung und Entschädigung.
  • Deutschland trägt nicht nur eine moralische Verantwortung. Als Mitglied der Vereinten Nationen und durch die UN-Resolutionen ist der deutsche Staat rechtlich dazu verpflichtet, sich – im Rahmen seines Engagements bei der Entwicklungszusammenarbeit als auch von Friedensmissionen – gegen sexualisierte Kriegsgewalt einzusetzen. Es muss Ziel der deutschen Politik sein, sich für die Durchsetzung der gleichen und unveräußerlichen Rechte von Frauen und Mädchen weltweit einzusetzen. Im Mittelpunkt dieser Aufgabe stehen die Achtung von Würde und körperlicher Unversehrtheit als Fundament für Gerechtigkeit, Entwicklung und Frieden in der Welt.
  • medica mondiale setzt sich dafür ein, dass Menschenrechtsverletzungen an Frauen ein Ende finden und die Rechte von Frauen wahrgenommen, eingehalten und geschützt werden. Werte wie Solidarität, Humanität, Verantwortungsbewusstsein und Nachhaltigkeit sind die Grundlage der Arbeit von medica mondiale. Durch ihren menschenrechtsorientierten und traumabearbeitenden Ansatz erzielt sie eine krisenpräventive Wirkung, die zu einer positiven gesellschaftlichen Transformation führt. Damit agiert die Hilfs- und Frauenrechtsorganisation in vielerlei Hinsicht im politischen und humanistischen Interesse Deutschlands.
Infostand von medica mondiale mit Broschüren über Frauenrechte und sexualisierte Kriegsgewalt. Copyright: Beate Kriechel/medica mondiale
Infostand von medica mondiale mit Broschüren über Frauenrechte und sexualisierte Kriegsgewalt.

Seit 1993 setzt sich medica mondiale ein für mehr Solidarität und Verantwortung im Kampf gegen sexualisierte Gewalt. Dabei richtet sich die Frauenorganisation an nationale und internationale Institutionen und Entscheidungsträger, lokale Autoritäten, Gemeinschaften sowie an die Öffentlichkeit. Humanität, Nachhaltigkeit und eine feministische Haltung bilden die Basis des Engagements von medica mondiale für die Menschenrechte.

(Stand: 2014)

Kampagne "Zeit zu sprechen" von medica mondiale 2005. Copyright: Rendel Freude
Kampagne "Zeit zu sprechen" von medica mondiale 2005.

Informieren, diskutieren, sensibilisieren:

medica mondiale hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Öffentlichkeit sowie politische EntscheidungsträgerInnen auf die Hintergründe und Folgen von sexualisierter Gewalt in Kriegs- und Krisengebieten hinzuweisen. Gleichzeitig möchten wir auch in der deutschen Bevölkerung ein Bewusstsein für geschlechtsspezifische Ungerechtigkeit schaffen und Frauen wie Männer dazu ermutigen, aktiv Verantwortung für eine gerechte Welt zu übernehmen.

Mit Kampagnen wie „Zeit zu sprechen“ (2005) oder „Im Einsatz“ (2008-2011), Spenden- und Protestaktionen, Fotoausstellungen und Vorträgen informiert medica mondiale insbesondere in Deutschland über sexualisierte Gewalt, ihre Hintergründe und Auswirkungen.

Fortbildung von medica mondiale zum Thema "Kriegsgewalt und Trauma". Copyright: Nuria Schaefer/medica mondiale
Fortbildung von medica mondiale zum Thema "Kriegsgewalt und Trauma".

Fortbildungen in Deutschland:

medica mondiale bietet auch in Deutschland Fortbildungen zum Umgang mit den Folgen von Gewalt und Traumatisierungen an. In Diskussionen, Gruppenarbeit und Rollenspielen lernen die Teilnehmerinnen Methoden kennen, wie von Gewalt betroffene Frauen – auch ohne therapeutische Kenntnisse – bei der Verarbeitung traumatischer Erfahrungen unterstützt werden können. Die Fortbildungen richten sich schwerpunktmäßig an Frauen und Männer, die in der humanitären und der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit tätig sind oder mit Flüchtlingen arbeiten. Dazu zählen SozialarbeiterInnen, AnwältInnen, Gesundheitsfachkräfte und PsychologInnen sowie Studierende und Auszubildende.

Monika Hauser als Expertin in einem Unterausschuss des Deutschen Bundestages. Copyright: Achim Melde
Monika Hauser als Expertin im Unterausschuss "Zivile Krisenprävention und vernetzte Sicherheit" des Deutschen Bundestages (2012).

Frauenrechtsarbeit:

Mit Aufklärungs- und Menschenrechtsarbeit wirkt medica mondiale auf gesellschaftliche und politische Veränderungen zugunsten von Frauen hin. Auf Fachveranstaltungen, in Gesprächen mit PolitikerInnen, aber auch in Positionspapieren und Offenen Briefen bezieht die Frauenrechtsorganisation Stellung zum Thema sexualisierte Kriegsgewalt. Die Frauenrechtsorganisation benennt Strategien zur Prävention sexualisierter Gewalt und fordert EntscheidungsträgerInnen zum Handeln auf. Mit der Veröffentlichung wissenschaftlicher Studien und Dokumentationen – etwa über den Umgang mit Zeuginnen vor internationalen Gerichtshöfen (2009)  oder zu den Langzeitfolgen von Kriegsvergewaltigungen in Bosnien und Herzegowina (2014) – hat sich medica mondiale als international anerkannte Expertin auf dem Gebiet der Geschlechtergerechtigkeit etabliert. In dieser Funktion drängt medica mondiale Politik und Regierungen weltweit darauf, die internationalen Abkommen zum präventiven Schutz von Frauen vor sexualisierter Gewalt einzuhalten. medica mondiale fordert immer wieder eine konsequentere Umsetzung der UN-Resolutionen 1325 und 1820. Diese schreiben eine stärkere Beteiligung von Frauen an Friedensprozessen und die Gewährleistung ihrer Sicherheit als unmittelbare Voraussetzung für dauerhaften Frieden in der Welt vor.

Projekte koordinieren:

medica mondiale vereint in der Geschäftsstelle Köln ein Team aus Expertinnen mit unterschiedlichen Kompetenzen beispielsweise zu den Themen Trauma-Arbeit, Projektkoordination und Finanzen. Sie alle sorgen dafür, dass überlebende Frauen eine ganzheitliche, fachübergreifende Unterstützung erhalten. Ihre Aufgaben reichen von der Beratung beim Aufbau und der Durchführung von Projekten über Wissensvermittlung in Trainings vor Ort bis hin zur Überprüfung der verwendeten Finanzmittel. Ziel dieser Arbeit ist es, die Kompetenz und die Handlungsfähigkeit der MitarbeiterInnen in den Projektländern zu stärken.

Projekte evaluieren:

Um zu gewährleisten, dass von Gewalt betroffene Frauen und Mädchen in Kriegs- und Krisengebieten wirkungsvoll unterstützt werden, führt medica mondiale in regelmäßigen Abständen wirkungsorientierte Beobachtungen und Evaluationen durch. Unabhängige Beraterinnen, aber auch eigene Mitarbeiterinnen reisen in die Projektländer und überprüfen mittels Befragungen, Expertinnengesprächen oder Workshops die Ergebnisse unserer Arbeit. Gleiches gilt für Aktivitäten im Inland.

Finanzierung sichern:

medica mondiale finanziert sich zu einem großen Teil durch Spenden, hinzu kommen öffentliche Mittel. Private Spenden sind eine Grundvoraussetzung unseres Erfolges. Sie tragen dazu bei, im Sinne unserer Überzeugung und unabhängig von Förderrichtlinien Dritter zu agieren. Mit Spendenbriefen, Infoständen, dem SpenderInnen-Magazin „memo“ und der Internetseite hält medica mondiale ihre SpenderInnen und UnterstützerInnen über die Projekte auf dem Laufenden. Darüber hinaus unterstützen uns öffentliche Geldgeber. Das sind im Wesentlichen die Europäische Union, das Auswärtige Amt, das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, die Kreditanstalt für Wiederaufbau sowie einzelne Landesregierungen und Städte. medica mondiale erhält auch Geld von Stiftungen und Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit wie dem ifa - Institut für Auslandsbeziehungen e.V. und dem Weltgebetstag der Frauen.

(Stand: 2014)