Narben bleiben
„Es gibt keine Worte auf der ganzen Welt, um meine Gefühle zu
beschreiben. Es war das Schlimmste, was mir geschehen konnte.“
(aus:„Damit die Welt es erfährt“)
Damit Frauen und Mädchen die erlittenen Traumata verarbeiten
können, müssen viele Hindernisse und vor allem gesellschaftliche Tabus
wie in den stark patriacharalisch strukturierten Ländern Kosova, Albanien
und Afghanistan überwunden werden. medica mondiale schafft
mit seiner Arbeit hierfür die Basis und steht den Frauen zur Seite.
Hilfe zur Selbsthilfe
In den
Auslandsprojekten arbeitet medica mondiale stets mit einheimischen
Partnerinnen zusammen. Das sind Sozialarbeiterinnen, Krankenschwestern
oder Psychologinnen, die wir in Traumaarbeit schulen und/
oder zur Trauma-Expertin qualifizieren. Die einheimischen Frauen sind
in der gleichen Kultur wie Ihre Klientinnen aufgewachsen und haben
manchmal sogar das Gleiche erlitten. Deshalb verstehen sie die Sorgen
und Nöte der Frauen und Mädchen besser, als Beraterinnen aus
Deutschland dies je könnten.
Die Fachfrauen von medica mondiale werden im Rahmen ihrer Arbeit auch immer darin bestärkt, ihr eigenes Rollenverständnis als Frau in ihrer Gesellschaft zu hinterfragen und zu überprüfen. Das ist Voraussetzung, um diese therapeutische und Menschenrechtsarbeit überhaupt leisten zu können.
Sicherheit aufbauen
Aufgrund jahrelanger Erfahrung wissen die Fachfrauen von medica mondiale, dass traumatisierte Frauen und Mädchen ihr Leben wieder selbst steuern und kontrollieren lernen müssen, bevor sie therapeutische Trauma-Arbeit beginnen können. Sie brauchen die Sicherheit, die ihnen ein Beruf und ein gefestigtes soziales Umfeld geben.
Erste Schritte
Ein erster Schritt dazu sind zum Beispiel Gruppen, in denen sich die Frauen unverbindlich treffen, Gesprächspartnerinnen finden und Vertrauen zu den Beraterinnen fassen können. Die niedrig schwelligen Angebote von medica mondiale sind vielfältig und reichen von Koch- und Nähkursen bis hin zu qualifizierten juristischen Beratungen. Die Kurse holen die Frauen aus ihrer Isolation, zeigen ihnen, dass sie nicht allein dastehen, und tragen dazu bei, ihrer „Opferrolle“ entgegenzuwirken.
Basis für Verarbeitung
Darüber hinaus ermöglicht es medica mondiale den Frauen, sich fortzubilden. Schneiderinnen, Friseurinnen und Möbelpolsterinnen zum Beispiel werden in den Projekten ausgebildet. Die neuen Kenntnisse stärken das Selbstbewusstsein der Frauen und vergrößern ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Damit wird ein Grundstein für eine intensive Verarbeitung des Erlittenen gelegt.
Wunden vernarben
Wenn die Frauen sich dann erinnern wollen und können, werden gemeinsam mit den Beraterinnen von medica mondiale – in Einzelsitzungen oder therapeutischen Gruppen – die furchtbaren Erlebnisse an die Oberfläche des Bewusstseins geholt, rekonstruiert und betrauert. Die Fachfrauen achten besonders darauf, ihre Klientinnen nicht zu überfordern oder erneut zu traumatisieren. Zum heilenden Abschluss kann der therapeutische Prozess kommen, wenn es der Klientin gelingt, die traumatischen Erlebnisse als Teil ihrer Lebensgeschichte zu integrieren und eine neue Lebensperspektive zu entwickeln.
Dass unser Konzept der Hilfe zur
Selbsthilfe und ganzheitlichen Unterstützung
Früchte trägt, beweisen die medica mondiale Therapiezentren in
Zenica (Bosnien) und
Kosova. Beide
Zentren arbeiten jetzt operativ so
gut wie unabhängig von einer Unterstützung
durch medica mondiale.
Helfen Sie uns mit Ihrer
Spende bei der Unterstützung von Frauen in Kriegs- und Krisengebieten in aller Welt!
© medica mondiale e.V. · 08.12.2006

