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11. Oktober 2016

Workshop "Feministisches Führungsverständnis": Verbundenheit auf den ersten Blick

Zum ersten Mal trafen sich (fast) alle Führungskräfte der langjährigen Partnerorganisationen von medica mondiale beim „Feminist Leadership Workshop“ zu einem intensiven Austausch. Im Frauenbildungswerk Zülpich, in der Nähe von Köln, konnten sie eine Woche lang zum Thema „feministisches Führungsverständnis“ arbeiten. Präsent waren dabei natürlich die großen Herausforderungen, die unsere Partnerinnen aus (Post)-Konfliktgebieten, bei ihrer alltäglichen Arbeit begegnen. Doch vor allem die Freude stand im Vordergrund des Workshops.

Der Tag beginnt auf dem Boden. Im Kreis auf roten Meditationskissen sitzend, kommen die Teilnehmerinnen langsam an. Vor ihnen steht ein weiterer anstrengender Workshop-Tag. Doch jetzt zündet erst einmal jede der Teilnehmerinnen eine Kerze an für die Frauen und Kolleginnen aus ihren Organisation, die daheim geblieben sind. Ein Moment der Ruhe, ein kurzes Innehalten und Konzentrieren. Dann beginnt der Workshop-Tag. Moderatorin Alison Lazarus aus Südafrika leitet mit einem bunten Tuch in der Hand eine Runde zur Selbstreflektion ein.

Dabei stellen sich Fragen wie: „Woher nehme ich als Frauenrechtsaktivistin die Kraft für meine Arbeit? Woher die Energie, eine Organisation zu leiten in einem Umfeld, in dem Krieg herrscht, Konflikte toben, bei Anschlägen Menschen sterben, Frauen vergewaltigt, gedemütigt, unterdrückt und in ihrer Mobilität eingeschränkt werden? Wer bin ich, woher nehme ich meine ganz persönlichen Kraftressourcen, wie kann ich mich stärken?“

Einsatz für Frauenrechte verbindet

Viele der Frauen hatten zwar schon voneinander gehört, sich aber noch nie getroffen. Mit dabei waren Mirlinda Sada von Medica Gjakova, Sabiha Husic von Medica Zenica, Josefine Tengbeh von Medica Liberia, Humaira Rasuli und Saifora Paktiss von Medica Afghanistan, Grace Arach von Women affected by Conflict (FOWAC) aus Uganda. Schon in den ersten Stunden kam ein Gruppengefühl zwischen diesen unterschiedlichen Frauen auf, das während des Workshops immer stärker wurde. Der gemeinsame Kampf für Frauenrechte und die ähnlichen Visionen der Organisationen schaffen eine starke Verbindung.

Übungen zum feministischen Selbstverständnis

medica mondiales Idee, voneinander zu lernen und sich gemeinsam zu entwickeln, hatte viel Platz beim „Feminist Leadership Workshop.“ Unterschiedliche Wahrnehmungen und Einschätzungen trafen in zahlreichen interaktiven Übungen aufeinander. Bei einer Übung sollten sich die Frauen innerhalb von zwei Wänden eines Raumes positionieren. Die eine Wand stand für Women`s Liberation (Befreiung der Frauen), die andere für Gender Equality (Geschlechtergleichheit). Die Frauen mussten sich also in diesem Spannungsfeld für einen Standort zwischen diesen beiden Zielen entscheiden. Keine so leichte Aufgabe. Ist das eine die Voraussetzung für das andere? Wie positioniere ich mich persönlich, wie als Führungskraft einer Frauenrechtsorganisation? Und bedeuten die Begriffe in jedem Land etwas anderes? Diese Fragen stellten sich die Frauen, bunt verteilt zwischen den beiden Wänden, untereinander und erklärten ihre Position.

Frauenrechte weiter stärken – als demokratische Führungspersönlichkeit

Reflexion und Austausch tragen dazu bei, das feministische Selbstverständnis der Frauen zu stärken und ihre Führungsqualitäten weiterzuentwickeln. Im Rückblick auf den Workshop sagte eine Teilnehmerin: „Ich möchte eine vorbildhafte Führungskraft sein, mit Gefährtinnen, die die Frauenrechte weiter stärken, auch wenn ich nicht mehr da bin.“ Eine andere Teilnehmerin erklärte: „Ich möchte eine demokratische Führungspersönlichkeit werden, die Konsens durch Partizipation erreicht.“

Selbstfürsorge und achtsame Organisationskultur sind essentiell

Ein weiterer Schwerpunkt des Workshops lag auf der Führung von Mitarbeiterinnen. Wie können MitarbeiterInnen gestärkt werden, wie kann Selbstfürsorge im Arbeitsalltag integriert werden? Selbstführsorge ist essentiell für alle, die mit Themen wie Kriegsvergewaltigung und in Konfliktregionen arbeiten. Deswegen gab es beim „Feminist Leadership Workshop“ Coaching-Angebote, Massagen, Yoga, lange Spaziergänge und viele stärkende Gespräche.

Abschließend arbeiteten die Führungskräfte unserer Partnerorganisationen gemeinsam mit den Kolleginnen aus der Kölner Geschäftsstelle von medica mondiale am gemeinschaftlichen Partnerschaftskonzept. Am letzten Abend nutzten die Frauen während der Abschlussfeier die Tanzfläche, um der neu gewonnenen Energie und Inspiration Ausdruck zu verleihen. In Zukunft soll es einmal jährlich Workshops zum feministischen Führungsverständnis geben.