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24. Oktober 2014

Vorreiterin für Frauenrechte: Medica Liberia setzt ihre Arbeit als eigenständige Organisation fort

In einer schwierigen Zeit für Liberia, in der wegen Ebola der Nationale Notstand ausgerufen wurde, wird dennoch auf einer der größten Meilensteine im Engagement von medica mondiale hingearbeitet: In den nächsten Monaten wird Medica Liberia ihre Arbeit als feministische, liberianische Frauenrechtsorganisation selbstständig fortsetzen.

Im Juni wurde der Vorstand vereidigt, in Anwesenheit von Vertreterinnen des Frauenministeriums und der Zivilgesellschaft. Die Mitarbeiterinnen sind sehr stolz darauf, ihre eigene Organisation zu gründen. Sie wollen sie zu einer Vorreiterin für Frauenrechte in Liberia machen. Mit der Gründung von Medica Liberia ist die enge Zusammenarbeit mit medica mondiale in Köln jedoch nicht beendet. Die junge Organisation braucht weiterhin Unterstützung. Wie diese aussieht, schildert die Programmleiterin für Liberia, Sybille Fezer.

 

Was ändert sich mit der Selbstständigkeit und wie sieht die Zusammenarbeit mit Medica Liberia zukünftig aus?

In Zukunft verwaltet die Organisation alle Finanzvorgänge selbst und auch alle Arbeitsverträge werden von ihr unterschrieben - nicht mehr wie bisher von medica mondiale. Caroline Bowah Brown trifft als Direktorin gemeinsam mit dem Vorstand wesentliche strategische Entscheidungen. Daran sind wir nur noch beratend beteiligt. Der Hebel wird nicht auf einmal komplett umgelegt, aber Liberia ist dann kein "medica mondiale-Programm" mehr. Wir sind jetzt Partnerorganisationen. Es geht also um einen Dialog zweier Organisationen. Dabei stehen viele Fragen im Fokus: Was wollt ihr? Was brauchen wir? Welche Projekte wollt ihr allein in Angriff nehmen, bei welchen sollen wir zusammen arbeiten? Wo können wir als etablierte Organisation unsere internationalen Kontakte nutzen, um für die Frauen in Liberia etwas zu bewegen?

Was brauchen die Mitarbeiterinnen vor Ort ganz konkret noch an Unterstützung?

Viele der Kolleginnen vor Ort hatten aufgrund des Krieges unterbrochene Berufsbiografien. Fakten erheben, analysieren und Berichte schreiben müssen sie sich über die Jahre erarbeiten. Es wird daher in Liberia, wie in allen anderen Projektregionen auch, nach wie vor viel um Weiterbildung und Qualifizierung gehen. Das Team möchte die Qualität der Arbeit stetig verbessern und den ganzheitlichen, gemeindebasierten Ansatz weiterentwickeln. Dabei unterstützen wir sie mit Know-how - auch in Kooperation mit unseren anderen Partnerprojekten. Die liberianischen Kolleginnen wünschen sich weiterhin unsere Expertise in Trauma-Arbeit und psychosozialer Beratung, aber auch konkrete Unterstützung und Beratung im Finanzmanagement, in der Personalführung und der Organisationsentwicklung. Manchmal ist es bereits hilfreich, wenn wir Rückmeldung zu einem Förderantrag geben.

Läuft die Finanzabwicklung denn schon von alleine?

Unsere Finanzkolleginnen wurden in den letzten Jahren wirklich gut auf die Selbstständigkeit vorbereitet. Es fanden Trainings statt und ein Buchhaltungssystem wurde aufgebaut. Aber auch hier wird es weiterhin Unterstützung durch die Finanzabteilung in Köln bedürfen. Wir sind ja immer noch gegenüber unseren SpenderInnen und Geldgebern verpflichtet, dass die Mittel in Liberia effizient verwaltet und ihre Verwendung kontrolliert wird. Als eigenständige Organisation kann Medica Liberia in Zukunft selbst Gelder bei Gebern oder Stiftungen beantragen. Das wird aber nicht ausreichen, um die Arbeit in mehreren Provinzen fortsetzen zu können. Hier sind wir in Köln gefragt. Zum einen, weil wir einen besseren Zugang zu internationalen Fördermöglichkeiten haben. Zum anderen, weil wir in Deutschland auch private SpenderInnen ansprechen können - die sind in Liberia kaum zu finden. Dem Engagement unserer SpenderInnen in Deutschland ist es beispielsweise zu verdanken, dass wir das Projekt in Liberia in den letzten Jahren in die Selbstständigkeit führen konnten.

Wie wird sich Ihre Rolle verändern?

Ich werde nicht mehr Caroline Bowah Browns Vorgesetzte sein, sondern eine Coaching-Funktion einnehmen. Da wir schon in den letzten Jahren partnerschaftlich zusammen gearbeitet haben und Caroline sehr engagiert und kompetent ist, wird mir das sicher nicht schwer fallen. Caroline schätzt den Außenblick und reflektiert gerne größere Entscheidungen mit mir. Auf der anderen Seite sind wir hier in Köln weiterhin in der Endverantwortung für einige der größeren Projekte, die Medica Liberia implementiert. Außerdem werde ich auch weiterhin Fachkräfte für Liberia suchen, die unsere Kolleginnen in Kurzzeiteinsätzen und bei spezifischen fachlichen Fragen unterstützen. Auch bei der Entwicklung neuer Projekte werde ich die Kolleginnen in Liberia unterstützen. Es liegt eine spannende Zeit vor uns. Westafrika ist in den letzten Jahrzehnten immer wieder auch von grenzüberschreitenden Konflikten erschüttert worden. Deshalb werden wir prüfen, ob zukünftig eine Zusammenarbeit mit Frauenorganisationen aus Liberias Nachbarländern wie Sierra Leone oder der Elfenbeinküste möglich ist. Eine Vernetzung von Organisationen aus der Region kann für den Erfahrungsaustausch oder für politische Aktionen von großem Vorteil sein.