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27. Juli 2017

Uganda: Mädchen stark machen

Die Benachteiligung von Mädchen in Norduganda zieht sich durch alle Lebensbereiche. Ein großes Problem sind sexualisierte Gewalt und ungewollte Schwangerschaften. Dem will die Partnerorganisation MEMPROW (Mentoring and Empowerment Programme for Young Women) entgegenwirken. Ihr Ziel: Mädchen stark machen und ihnen durch Ausbildung Chancen auf ein eigenständiges Leben eröffnen, aber auch das soziale Umfeld zum Umdenken bewegen und patriarchale Strukturen aufbrechen.

Es fängt schon beim Essen an. „Fleisch bekommen zuhause nur meine Brüder“, erzählt die 17-jährige Vicky. Die Benachteiligung von Mädchen in Norduganda zieht sich durch alle Lebensbereiche. Viele Mädchen müssen soviel im Haushalt mithelfen, dass ihnen kaum Zeit für die Schule bleibt. Ein großes Problem sind sexualisierte Gewalt und ungewollte Schwangerschaften. Schutz vor Übergriffen gibt es für die Mädchen kaum – nicht einmal in der Schule. Zudem fehlt es an Wissen zu Sexualität und reproduktiver Gesundheit. Die meisten brechen die Schule ab, wenn sie schwanger werden. Zu groß sind die Scham und das Stigma.

Vicky, die einen vier Jahre alten Sohn hat, erzählt: „Die anderen in der Klasse verspotten uns junge Mütter.“ Für viele beginnt so ein Teufelskreis aus sexualisierter Gewalt, früher Mutterschaft und fehlender Bildung. Dem will die Partnerorganisation MEMPROW (Mentoring and Empowerment Programme for Young Women) entgegenwirken. Ihr Ziel: Mädchen stark machen und ihnen durch Ausbildung Chancen auf ein eigenständiges Leben eröffnen, aber auch das soziale Umfeld zum Umdenken bewegen und patriarchale Strukturen aufbrechen.

An der Erussi Sekundarschule hat die ugandische Frauenorganisation im letzten Jahr insgesamt 64 Schülerinnen zwischen 14 und 25 Jahren unterstützt, die sexualisierte Gewalt erlebt hatten oder davon bedroht sind. In Trainings hat MEMPROW ihnen unternehmerische Fähigkeiten vermittelt, die ihnen helfen sollen, ihre Existenz zu sichern. Dabei ging es auch um Fragen wie Zugang zu Land und anderen Ressourcen sowie individuelle Berufs- und Zukunftsplanung. Zudem wurden 30 Ziegen angeschafft und zwei Hektar Land bereitgestellt, auf denen die Jugendlichen Mais und Bohnen anbauen können.

Um sexualisierte Gewalt langfristig einzudämmen, bezieht das Programm die gesamte Schule und Gemeinde ein. Auf Veranstaltungen versucht MEMPROW Lehrkräfte, Eltern und lokale Autoritäten für das Thema sexualisierte Gewalt und die Bedürfnisse der jungen Mütter zu sensibilisieren. Zudem hat MEMPROW an der Schule ein Büro eingerichtet, das Betroffenen psychosoziale Beratung bietet und alle Fälle dokumentiert, damit Übergriffe besser nachverfolgt werden können.

Mit Unterstützung von MEMPWOW hat Vicky es geschafft, wieder zur Schule zu gehen. Dafür war viel Überzeugungsarbeit notwendig – in ihrer Familie und an der Schule. Zudem hat sie sich ein Stück Land erstritten, auf dem sie Kaffee anbaut. In einer Kultur, die Frauen gewöhnlich keinen Landbesitz erlaubt, eine enorme Errungenschaft. Das hat ihr Selbstvertrauen gegeben. Mädchen in ähnlicher Situation rät sie: „Lasst euch nicht einschüchtern, geht weiter zur Schule.“

Ruanda: Das Schweigen brechen

Ebenfalls an Jugendliche richten sich die von der Partnerorganisation SEVOTA initiierten Jugendforen in Ruanda. Die Teilnehmenden verbindet eine gemeinsame Geschichte: Sie alle sind Kinder des Völkermords Mitte der 90er Jahre. Über 250.000 Frauen wurden damals vergewaltigt, verletzt und verstümmelt. Viele der Überlebenden brachten die Kinder der Täter zur Welt. Während diese in ihren Gemeinden oft als „Feindesbrut“ ausgegrenzt werden, schwanken die Mütter nicht selten zwischen Zuwendung und Ablehnung, gefangen in den eigenen traumatischen Erfahrungen. Auch 20 Jahre danach wirkt das Trauma so in die nächste Generation hinein.

Zu den ersten beiden Jugendforen waren Kinder von Frauen eingeladen, die schon länger Kontakt zu SEVOTA hatten. Eine Woche lang hörten und teilten sie ihre Geschichten, weinten und lachten zusammen. Den Austausch in der Gruppe erlebten sie nach dem jahrelangen Schweigen als befreiend. „Im Forum konnten wir zum ersten Mal frei und ohne Scham sprechen“, erzählt die 21-jährige Olivia.

Zudem zeigte SEVOTA Methoden, die helfen mit Traurigkeit, Wut, Scham und anderen belastenden Gefühlen umzugehen. Viele wussten bisher nur wenig von den Umständen ihrer Geburt. „Ich verstehe meine Mutter jetzt besser, weil ich weiß, was sie durchgemacht hat“, sagt Olivia. Das Verstehen hilft Müttern und Kindern, eine gelöste Beziehung zueinander aufzubauen. Damit die Jugendlichen sich weiter gegenseitig stärken können, hat SEVOTA in ihren Heimatregionen Jugendclubs ins Leben gerufen. Sie sollen nicht nur bei Problemen helfen, sondern auch positive Gemeinschaftserlebnisse bieten.

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