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12. März 2015

Überlebende aus Uganda: „Ich weiß wieder, warum ich morgens aufstehe. Ich bin nicht mehr allein!“

Viele ugandische Frauen und Mädchen überlebten Kriegsvergewaltigungen, sexuelle Versklavung oder andere Gewalt, ohne an ihr zu zerbrechen. Daraufhin von ihren Gemeinden verstoßen zu werden und häusliche Gewalt in der Familie zu erleben, raubt ihnen die letzte Kraft. Unsere langjährige Partnerorganisation FOWAC (Foundation of Women affected by Conflict) unterstützt diese Frauen, klärt ihre Dorfgemeinschaften und Familien auf. Ara Stielau, Bereichsleiterin Auslandsprojekte bei medica mondiale, besuchte FOWAC vor einigen Wochen, sprach mit den Beraterinnen und mit Überlebenden.

„Der Zusammenhalt ist spürbar“

„Manchmal tun sich alle Frauen einer Solidargruppe zusammen zu einer ‚Workparty‘: Alle helfen einer Frau auf ihrem Feld. Der Zusammenhalt ist spürbar.“, berichtet Ara Stielau von ihrem Besuch in der Spar- und Solidargruppe in der Gemeinde Ayu Alali. Seit 2009 hat FOWAC bereits Solidargruppen für über 560 Frauen im Norden Ugandas mit dem Ziel aufgebaut, Armut, Stigmatisierung von Überlebenden und Gewalt an Frauen entgegenzuwirken.

Die Begrüßung des Besuchs aus Köln war herzlich, einige der Frauen und Mädchen hatten Tänze und selbstgeschriebene Lieder vorbereitet. Sie sind erleichtert, dass sich ihr Leben durch die trauma-sensiblen Beratungsgespräche, die neue erworbene Existenzsicherung und die Solidarität untereinander verbessert hat. Eine Überlebende erzählt: „In unserer Spargruppe haben wir vergangenes Jahr 1.000 Euro erzielen können. Von meinem Anteil habe ich drei Ziegen gekauft. Bald werden es mehr sein und die Milch kann ich verkaufen. Mein Mann unterstützt das. Jetzt können wir unseren Sohn in die Schule schicken!“

“Vergreift sich ein Mann am Einkommen seiner Frau, so verstößt er seit kurzem gegen geltendes Recht.“

Die erwirtschafteten Einkünfte helfen bei der Re-Integration in die Familie und Dorfgemeinschaft. Doch der Zusammenhalt in der Gruppe, der Austausch über die erlebte Gewalt und die neuen gemeinsamen Ziele bewirken noch viel mehr: „Ich weiß wieder, warum ich morgens aufstehe. Wir haben gemeinsam schon so viel erreicht und haben noch viel vor. Wir können uns in aller Öffentlichkeit treffen ohne allgegenwärtig Verachtung zu spüren. Ich bin nicht mehr allein!“ Mit dem Ziel, das neu Erreichte zu schützen, setzte sich FOWAC für eine gesetzliche Verordnung ein, um die Frauen vor unberechtigten Zugriffen auf ihr selbst erwirtschaftetes Geld zu schützen. Ara Stielau: „Vergreift sich ein Mann am Einkommen seiner Frau, so verstößt er seit kurzem gegen geltendes Recht und kann dafür verhaftet werden.“

In diesem Jahr sollen weitere Spar- und Solidargruppen gegründet werden; bestehende werden fortgeführt. Gemeinsam mit den Überlebenden gehen die freiwilligen Helferinnen und Mitarbeiterinnen von FOWAC Probleme an, die sie erkannt haben: „Während der Erntezeit haben die Frauen kaum Zeit, sich um das Geschäftliche zu kümmern. Außerdem fehlt es an Lagerräumen für die Lebensmittel.“, erklärt Grace Arach, Geschäftsführerin von FOWAC. Auch dafür werden die Frauen gemeinsam eine Lösung finden.