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13. Juli 2017

Trauma-Arbeit: Stark und selbstbewusst

Viele Menschen, die vor Krieg und Gewalt geflohen sind, haben Traumatisches erlebt. Um diese Erfahrungen zu verarbeiten, brauchen sie eine gute soziale Anbindung, ein sicheres Umfeld sowie umsichtig handelnde UnterstützerInnen. 2016 hat medica mondiale rund 200 Fachkräfte und ehrenamtlich in der Geflüchtetenhilfe Engagierte im stress- und traumasensiblen Ansatz geschult. Neben Wissen zu Trauma und Methoden der Selbstfürsorge stand die Förderung von Selbsthilfekompetenzen im Vordergrund.

Anzeichen von Trauma und Stress sind auf den ersten Blick oft schwer zu erkennen. Vermeintlich abweisendes oder aggressives Verhalten kann durch ein Trauma begründet sein. Wissen Helfende nicht, diese Zeichen zu deuten, können sich Traumafolgen verfestigen und bei allen Beteiligten zu Ohnmacht und Selbstüberforderung führen.

Geflüchtete stärken und stabilisieren, nachhaltige Hilfe ermöglichen

Mit dem vom Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen geförderten Qualifizierungsprogramm STAR zum stress- und traumasensiblen Umgang mit Geflüchteten reagierte medica mondiale auf die gestiegene Zahl der in Deutschland Zufluchtsuchenden. Ziel der Fortbildungsreihe war und ist es, hierher Geflüchtete zu stärken und zu stabilisieren. Das Programm ist daher zum einen darauf ausgerichtet, den neu Angekommenen kompetente Unterstützung zu eröffnen. Zum anderen will das Projekt zum Aufbau eines nachhaltigen Hilfesystems beitragen. MitarbeiterInnen sollen Stress- und Traumafolgen erkennen können, aber auch die Grenzen der eigenen Belastbarkeit.

Um die Fortbildungen auch nach 2016 fortführen und ausweiten zu können, wurden zunächst 16 Trauma-Fachfrauen als zusätzliche Referentinnen gewonnen und in mehrtägigen Schulungen darauf vorbereitet, die Seminare zu begleiten. Im Laufe des Jahres führte medica mondiale mehr als zehn Fortbildungen durch, um verschiedenen Zielgruppen wie Gesundheitskräften, Sicherheitspersonal und Ehrenamtlichen eine stress- und traumasensible Haltung im direkten Kontakt mit Geflüchteten zu vermitteln. Hinzu kamen weitere 13 externe Schulungen und Vorträge bei Bildungsträgern und Vereinen.

Förderung von Selbsthilfestrukturen: Austausch mit anderen Betroffenen wirkt stabilisierend

„Mit diesem Ansatz möchten wir Zufluchtsuchende in Deutschland stärken und langfristig befähigen, sich in die Gesellschaft zu integrieren“, sagt Alena Mehlau, Fachreferentin für Trauma-Arbeit. Aus nahezu 25 Jahren Arbeit mit Gewaltüberlebenden in Kriegs- und Krisengebieten weiß medica mondiale, dass gerade der Austausch mit anderen Betroffenen stabilisierend wirken kann. Die Förderung von Selbsthilfestrukturen in Form stärkender Gruppenangebote war daher ein zentraler Teil des Programms.

Seit Herbst 2016 schulte medica mondiale Frauen mit länger zurückliegender Fluchterfahrung darin, andere Geflüchtete mit ihren eigenen Erfahrungen zu unterstützen. „Diese Frauen haben alle einen besonderen Weg der Stabilisierung hinter sich“, erklärt Mehlau. „Sie zeigen, dass es trotz Schwierigkeiten möglich ist, in einem fremden Umfeld Fuß zu fassen und sich weiterzuentwickeln.“ Welches Potenzial solche Peer-to-Peer Ansätze im Kontext von Flucht und Trauma bieten, und wie sie noch effektiver gefördert werden können, diskutierte medica mondiale auf einem Fachtag im April 2017 mit Fachkräften und ehrenamtlich Engagierten aus NRW.

 

Weitere Infos zu unseren Fortbildungen zu Trauma und Flucht