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17. Juni 2015

Syrien/Nordirak: Überlebende brauchen mehr als Brot, Wasser und Strom

Traumatisierte Familien, überfüllte Flüchtlingslager, ein sich ausbreitender Krieg – die Situation in der Krisenregion Syrien/Irak bleibt besorgniserregend. Im April 2015 reiste die Psychologin Sybille Manneschmidt im Auftrag von medica mondiale in den Nordirak. Sie machte sich ein Bild von der Lage vor Ort und erstellte einen Konzeptvorschlag, wie und mit wem wir wirksame Angebote für Überlebende sexualisierter Gewalt in der Region aufbauen können.

„Im April gab es 22 Flüchtlingslager in der Autonomen Region Kurdistan im Nordirak, 16 davon in der Provinz Dohuk an der Grenze zur Türkei“, erklärt Sybille Manneschmidt. „Hier leben zurzeit zirka 750.000 Vertriebene und Flüchtlinge zusammen mit 1,3 Millionen Einheimischen. Das Gesundheitsministerium, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Hochkommissariat für Flüchtlinge der Vereinten Nationen (UNHCR) arbeiten Hand in Hand, um die lebensnotwendige gesundheitliche und materielle Versorgung – Brot, Wasser, Strom – für all diese Menschen bereit zu stellen.“

Beratung und konkrete Unterstützung für Frauen und Mädchen dringend notwendig

Auch Überlebende sexualisierter Kriegsgewalt erhalten Unterstützung – wenn sie den Mut finden, Hilfe in Anspruch zu nehmen, so die Psychologin weiter. In Flüchtlingslagern und Beratungsstellen in Dohuk unterstützt neben Hilfsorganisationen auch Fachpersonal des Gesundheitsministeriums die Frauen und Mädchen. Schilderungen über Vergewaltigungen, Überlebensprostitution, Folter, Angstzustände, Schlafstörungen und Stress gehören zu ihrem Alltag. „Was die Betroffenen jetzt neben materieller Hilfe dringend brauchen ist konkrete Unterstützung bei der Verarbeitung ihrer Erlebnisse“, erläutert Karin Griese, Bereichsleiterin Trauma-Arbeit bei medica mondiale.

medica mondiale qualifiziert Gesundheitspersonal in trauma-sensibler Beratung

Das Gesundheitsministerium Dohuk möchte bestehende Hilfsangebote ausbauen und sein Personal in Kooperation mit medica mondiale systematisch in psychosozialer Beratung schulen. Geplant sind zunächst zwei Qualifizierungsmaßnahmen im Jahr 2015 zu den Themen psychosoziale Erste Hilfe, psychosoziale Beratung sowie Grundlagen zur Selbstfürsorge für ÄrztInnen, Pflegepersonal und PsychologInnen. Darüber hinaus haben sich in Dohuk Aktivistinnen verschiedenster Ethnien und Religionszugehörigkeit zusammengefunden, um die Nichtregierungsorganisation „Women for a Better Life“ registrieren zu lassen. Gemeinsam wollen sie ein Frauengesundheitszentrum in Dohuk aufbauen, das Frauen einen sicheren Ort für Treffen und sozialen Austausch bietet. Beim Aufbau der Organisation und des Zentrums steht medica mondiale beratend zur Seite. Dazu Karin Griese: „Indem wir bestehende Strukturen nutzen und mit engagierten PartnerInnen vor Ort an einem Strang ziehen, tragen wir dazu bei, die Situation von Frauen und Mädchen in der Region langfristig zu verbessern.“

 

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