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05. Dezember 2016

Solidarisch, sensibel, stark: Talk mit Monika Hauser in Stuttgart

Vor rund 150 ZuhörerInnen sprach Monika Hauser im Stuttgarter Hospitalhof mit der Journalistin und Redakteurin der Wochenzeitung „Kontext“, Susanne Stiefel, über ihre Motivation und aktuelle Projekte. Themen waren die Gründung von medica mondiale, die Situation in Afghanistan und die Arbeit im Irak. Auch die Situation von Frauen in Deutschland und das Projekt der baden-württembergischen Landesregierung, die jesidischen Frauen in Baden-Württemberg Therapie anbietet, wurden diskutiert.

In den ersten Fragen ging es um die Gründung von medica mondiale. Monika Hauser berichtete über ihre Wut, als sie in den 90er Jahren die voyeuristischen Berichte der Medien über vergewaltigte Frauen in Bosnien verfolgte. Dies war der Auslöser für ihre Reise mitten ins Kriegsgebiet, wo sie 1993 mit engagierten Fachfrauen aus der Kriegsregion die Frauenrechtsorganisation Medica Zenica gründete.

„Wir wussten, dass wir ganzheitlich, interdisziplinär und solidarisch arbeiten müssen.“

In den vergangenen 23 Jahren wurde die Arbeit stetig ausgeweitet, Kriegs- und Krisenregionen wie Afghanistan, Liberia und andere afrikanische Staaten, seit 2015 auch die Region Syrien/Irak, sind Einsatzorte für die Unterstützung von Frauen und Mädchen geworden. Mit Fachfrauen aus der Region solidarisch für Frauen und Mädchen zu arbeiten, ihr soziales Umfeld einzubeziehen und sich politisch für eine Veränderung einzusetzen, ist seit Beginn Grundlage des Engagements.

„Isolation ist das große Thema von Frauen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben.“

Die Initiative der baden-württembergischen Landesregierung, die Jesidinnen nach Deutschland geholt hat, um ihnen hier Sicherheit und Therapie zu bieten, sieht Monika Hauser kritisch. „Es mag für einzelne Frauen eine Lebenschance sein“, so Monika Hauser. „Aber Isolation ist das große Thema von Frauen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben. Man muss mit ihren eigenen Gemeinden arbeiten, sie nicht herauslösen.“

„Sich politisch zu betätigen ist Burnout-Prävention.“

Nachdem Hauser über die Arbeit von Medica Afghanistan berichtet hatte, fragte Susanne Stiefel: „Was macht das mit der eigenen Seele?“ Monika Hauser antwortete sehr klar: „Zerstörerische Gewalt dringt auch in uns ein. Doch wenn wir unser Herz nicht öffnen für das Leid, können wir diese Arbeit nicht machen.“ Wichtig sei es dabei, sich mit anderen zusammenzuschließen und durch politische Arbeit auf positive Entwicklungen hin zu wirken.

„Wir brauchen eine viel klarere Haltung gegen Gewalt. Es ist wichtig, dass Frauen ihre Stimme erheben und – zum Beispiel bei sexistischer Werbung – sagen: ‚Das akzeptiere ich nicht!‘. Und wir brauchen Männer, die unsere Welt mit uns zusammen so verändern, dass es mehr Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern gibt.“