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24. September 2015

Sechs neue Partnerorganisationen in Südosteuropa

Mit sechs neuen Partnerorganisationen in Südosteuropa stärkt medica mondiale das Netzwerk für Frauen und Mädchen in der Region. In beinahe allen Nachfolgestaaten von Jugoslawien ist medica mondiale durch eine Schwester- oder Partnerorganisation vertreten. Die Partnerorganisationen befinden sich in Kroatien, Serbien, Albanien, Kosovo sowie Bosnien-Herzegowina. Bis zu 15 Tausend Euro Förderung erhalten sie jeweils für ein Jahr.

Frauenorganisation Budućnost Modriča stärkt Überlebende durch Ausbildung

Die Organisation Budućnost Modriča („Zukunft Modričas“) wurde nach der Unterzeichnung des Dayton Friedensabkommens zwischen Kroation, Serbien und Bosnien und Herzegowina im Jahr 1996 von Aktivistinnen in Modriča gegründet. Die Nichtregierungsorganisation setzt sich für den Schutz und die Förderung von Frauenrechten in Bosnien und Herzegowina ein. In dem von medica mondiale geförderten Projekt erhalten 120 Frauen eine Arbeits- und Beschäftigungstherapie in Form einer dreimonatigen Ausbildung in einem Frauenhaus. Die Überlebenden häuslicher Gewalt lernen den Anbau von Früchten und Gemüse und können so auch wirtschaftlich wieder auf eignen Beinen stehen.

EWI vernetzt Frauenrechtsorganisationen in der ganzen Region Südosteuropa

Die kroatische Initiative EWI („Ökumenische Fraueninitiative“) entstand aus dem „Ecumenical Women’s Solidarity Fund“, einem Projektefonds des Ökumenischen Rats der Kirchen für Frauen des ehemaligen Jugoslawiens. Nach dessen Schließung im Jahr 2007 gründeten fünf ehemalige Mitglieder die Organisation EWI. Sie setzen sich für Frauenrechte, Frieden und Versöhnung sowie für ökumenische, interreligiöse Zusammenarbeit ein.

Das von medica mondiale unterstützte Projekt „Women Moving Mountains“ („Frauen, die Berge versetzen“) fördert den Austausch lokaler Frauenrechtsorganisationen zum Thema geschlechtsspezifische Gewalt. Das dadurch gebildete Netzwerk bildet den Rahmen für die zukünftige Zusammenarbeit auf nationaler und regionaler Ebene. Carolyn Boyd Tomasovic, Geschäftsführerin von EWI: “Die finanzielle Förderung von medica mondiale hat uns die Möglichkeit eröffnet, die Wirkungen frauenaktivistischer Arbeit zu geschlechtsspezifischer Gewalt zu analysieren. Das neue regionale Lernprogramm, das auf das Von- und Miteinander Lernen nach dem Best-Practice-Prinzip setzt, bildet den Rahmen unserer fokussierten, zukünftigen Arbeit auf nationaler und regionaler Ebene.“

Gynäkologische Versorgung im Kosovo durch Hareja

Der unabhängige Frauenverein Hareja („Freude“) versorgt durch das von medica mondiale geförderte Projekt „Move a step forward“ Frauen aus Rahovec gynäkologisch und leistet Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit. Es ist im Kosovo nach wie vor gesellschaftlich verpönt, dass Witwen und unverheiratete Frauen sich gynäkologisch untersuchen lassen. Die Aufklärungsarbeit von Hareja konnte schon viele Frauen überzeugen, dass eine ärztliche Untersuchung sinnvoll ist. Um den Frauen zudem wirtschaftliche Unabhängigkeit zu ermöglichen, bietet Hareja ihnen unter anderem Friseurinnenkurse an.

Adelina Shabani, Direktorin von Hareja, sagt: „Es bedeutet uns sehr viel, Teil des Förderprogramms von medica mondiale zu sein. Wir haben beide das gemeinsame, grundlegende Ziel, Frauen in Not, Frauen die durch sexualisierte Gewalt verletzt wurden, zu unterstützen und jede Art von Gewalt gegenüber Frauen zu verhindern.“

Über sexualisierte Gewalt sprechen, Frauenrechte einfordern

Überlebende sexualisierter Gewalt erhalten durch unsere neue bosnische Partnerorganisation SEKA („Geliebte Schwester“) Hilfe in psychotherapeutischen Einzel- und Gruppengesprächen.

Auch die Frauenhilfsorganisation Zena BiH („Frauen Bosnien und Herzegowinas“) unterstützt seit 1994 traumatisierte Frauen im Süden des Landes. Die Mitarbeiterinnen werden seit diesem Jahr durch Kolleginnen von Medica Zenica im trauma-sensiblen Ansatz geschult.

Der im Mai 2015 in Sarajewo abgehaltene Frauengerichtshof wäre ohne „Women in Black“ („Frauen in Schwarz“) nie zustande gekommen, sie organisierten das symbolische Tribunal. medica mondiale förderte dabei die psychosoziale Stabilisierung der Zeuginnen, um sie vor einer Retraumatisierung zu schützen.

Zu den frühen eigenen Gründungen von medica mondiale gehört die albanische Hilfsorganisation Medica Tirana. Seit 1999 half die Schwesterorganisation von medica mondiale Frauen in einem Therapie- und Beratungszentrum in Tirana. 2013 musste die Organisation aufgrund der Auswanderung großer Teile des qualifizierten Fachpersonals vorübergehend schließen. Inzwischen haben einige der erfahrenen Mitarbeiterinnen die Arbeit wieder aufgenommen und bieten Frauen psychosoziale Beratung, Rehabilitation und Hilfe zur Integration in die Gesellschaft an. Dabei werden sie von medica mondiale finanziell unterstützt.