Zurück zur Übersicht
06. Mai 2015

Schnelle und umfassende Hilfe in Liberia: Ihre Spende im Einsatz gegen Ebola

Von Anfang an haben sich die MitarbeiterInnen von medica mondiale in Liberia im Kampf gegen das tödliche Ebola-Virus engagiert. Neben intensiver Aufklärungsarbeit und der Verteilung von Hygieneartikeln und Essenspaketen, haben sie Ebola-Kranken und ihren Angehörigen psychosoziale Beratung zukommen lassen. Mithilfe Ihrer Spenden für die Arbeit in Liberia konnte das Team schnell und bedarfsgerecht reagieren. Denn während die internationale Hilfe meist viel zu langsam anlief, waren wir bereits vor Ort.

Seit fast einem Jahr ist Westafrika von der größten Ebola-Epidemie betroffen, die es je gab. Beinah 10.000 Menschen sind ihr bereits zum Opfer gefallen. Das öffentliche Leben in den drei am stärksten betroffenen Ländern Liberia, Sierra Leone und Guinea kam zwischenzeitlich fast zum Erliegen. In Liberia, wo sich medica mondiale seit 2006 engagiert, wurden mit der Epidemie alle strukturellen und politischen Probleme des Nachkriegslandes deutlich sichtbar: Ein marodes Gesundheitssystem, fehlende Infrastruktur, enorme Armut und wenig Vertrauen in die Notmaßnahmen der Regierung führten dazu, dass sich der Virus rasant verbreitete.

Dorfberaterin von medica mondiale Liberia kann Dorfbewohner beruhigen

Im Südosten des Landes hat medica mondiale über die Jahre in rund 90 Dörfern ein breites Schutznetzwerk gegen Gewalt an Frauen aufgebaut, das von freiwilligen Dorfberaterinnen, Dorfautoritäten bis zu den Gesundheitsdiensten viele Akteure umfasst. Und anders als bei vielen großen Organisationen, die „von außen“ kommen, kannten die DorfbewohnerInnen unsere liberianischen Mitarbeiterinnen bereits – ein riesiges Kapital, um auf einer Vertrauensbasis schnell, vernetzt und effektiv zum Thema Ebola aufzuklären und Hilfe zu leisten.

Ein Beispiel illustriert dies: In einer Dorfgemeinschaft in River Gee brachten die BewohnerInnen das von einer internationalen Hilfsorganisation verteilte Desinfektionsmittel rund um das Dorf aus. Es verseuchte das Grundwasser und Tiere starben. DorfbewohnerInnen dachten, die Organisation wolle sie mit den gelieferten Chemikalien töten. Geraldine Elliot, die als medica mondiale Liberia-Gesundheitsberaterin seit vielen Jahren das Dorf regelmäßig besucht, fuhr sofort hin und sprach mit den Dorfbewohnerinnen. Ihr wurde zugehört und – was noch wichtiger ist – auch geglaubt.

Information über Ebola durch Radio-Talkshows und Telefonberatung

Fast 140 Hebammen, Dorfberaterinnen und andere Freiwillige wurden von medica mondiale darin ausgebildet, über das Virus zu informieren und Fälle zu identifizieren. medica mondiale Liberia engagierte sich in Radio-Talkshows, Theaterstücken, Dialogforen und der Telefonberatung für Betroffene und deren Familien – alles in enger Kooperation mit den staatlichen Gesundheitsdiensten, mit denen unsere Mitarbeiterinnen seit Jahren zusammenarbeiten. Unser Team versorgte Dorfgemeinschaften und entlegene Krankenstationen mit Hygienematerialien und unterstützte Familien, die unter Quarantäne gestellt worden waren, mit Lebensmittelpaketen. Die gute Nachricht: Es ist dem Bündnis aus Regierung, Gesundheitsfachkräften und Hilfsorganisationen offensichtlich gelungen, die Ausbreitung des Virus im Südosten des Landes aufzuhalten. In den drei Provinzen, in denen medica mondiale Liberia aktiv ist, gab es seit Ausbruch der Epidemie insgesamt nur 36 Ebola-Fälle.

Trauma-Beratung und Trauerbewältigung nach der Krise ist essentiell

Aus zwei staatlichen Krankenhäusern in Monrovia kamen im Februar Anfragen nach Trauerarbeit und Unterstützung bei der emotionalen Aufarbeitung der Krise, denn alle arbeiteten vor allem in der Anfangszeit auf Hochtouren und oft über die Grenzen ihrer physischen und psychischen Belastbarkeit. Erst jetzt, da das Chaos sich gelegt hat, kommen die ÄrztInnen, KrankenpflegerInnen und Hilfskräfte wieder etwas zum Durchatmen, müssen nicht mehr nur „funktionieren“. Ein kritischer Moment, in dem die erlebten traumatischen Erfahrungen von immenser Hilflosigkeit, Trauer, Tod erst recht spürbar werden. Hier hilft, dass die psychosozialen Mitarbeiterinnen von medica mondiale in Trauma-Beratung und Trauerbewältigung bereits geschult sind. Mit Unterstützung durch eine erfahrene Psychologin, mit der sie sich über eine Internettelefonplattform austauschen, bieten sie nun „psychosoziale Unterstützungsgruppen“ in den Krankenhäusern an. Das ist sicher nicht nur auf einer individuellen Ebene wichtig – denn unverarbeitete Traumata wirken in die Gesellschaft hinein und fördern unter Umständen auch zukünftige Krisen und Gewalt.

Die Menschen sind zutiefst verunsichert, existentielle Ängste aus der Bürgerkriegszeit werden reaktiviert. Der Verlust an Sicherheit, die eingeschränkte Mobilität, auseinandergerissene Familien und die vielen Todesfälle wecken Erinnerungen an den brutalen 14-jährigen Bürgerkrieg und können Retraumatisierungen auslösen.

Frauen besonders gefährdet: medica mondiale unterstützt Frauenkrankenhaus

Die Ebola-Epidemie hat auch geschlechtsspezifische Auswirkungen aufgezeigt: Gerade Frauen sind besonders gefährdet. Sie sind diejenigen, die sich traditionell um kranke Familienangehörige und Kinder kümmern und sich so am ehesten anstecken. Hinzu kommt, dass mit dem Ausbruch der Epidemie Krankenhäuser kaum mehr zugänglich für „normale“ Gesundheitsversorgung waren. Viele Frauen mussten zuhause oder gar auf der Straße gebären – eine untragbare Situation, die die ohnehin hohe Müttersterblichkeit in dem westafrikanischen Land noch weiter nach oben treibt. medica mondiale hat mit Spendengeldern daher auch ein privates Frauenkrankenhaus unterstützt, ein zusätzlicher Gynäkologe und Hebammen wurden eingestellt. Über 100 Frauen konnte so inzwischen geburtshilflich – und nach sexualisierter Gewalt – auch ohne Behandlungsgebühr geholfen werden.

Eigenständigkeit von Medica Liberia trotz Ebola-Krise

Trotz Ebola-Krise haben die liberianischen Kolleginnen weiter darauf hingearbeitet, die Arbeit als selbstständige Frauenrechtsorganisation Medica Liberia fortzusetzen. Die Vorstandsmitglieder haben ihre Arbeit bereits aufgenommen, die offizielle Übernahme aller Verantwortlichkeiten und der Übertrag aller Betriebsmittel an die neue Organisation sollen am 1. Juni 2015 stattfinden.