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24. November 2016

Ruanda: Godelieves Vision von glücklichen Frauen

Karen Knipp-Rentrop ist Länderreferentin für Burundi, Ruanda und die DR Kongo. Die 37-Jährige begleitet die Arbeit von SEVOTA seit fast vier Jahren und berichtet aus der Praxis. Besonders beeindruckt ist sie von der Gründerin Godelieve Mukasarasi.

Was macht eine Organisation wie SEVOTA aus?

Karen Knipp-Rentrop: "Zunächst einmal die Gründerin Godelieve Mukasarasi, die sich mit viel Kraft und Herz ihrer Organisation verschrieben hat. Sie wird getragen von ihrer „Vision von glücklichen Frauen“. Manchmal vergisst sie sich darüber selbst. Sie ist Tag und Nacht verfügbar und kennt jede Geschichte der Frauen. Aber nicht nur sie – das große Engagement aller bei SEVOTA ist einzigartig. Da sind zum Beispiel die Besuche bei Müttern, die einst aus der Gemeinschaft ausgeschlossen wurden, weil sie ein Kind des „Feindes“ austrugen und großzogen. Zur Geburt gab es weder Glückwünsche noch Aufmerksamkeiten. Die Frauengruppen holen das nach und kommen mit Geschenken, auch wenn das Kind schon lange volljährig ist. Das schafft ein unglaublich intensives Gefühl von Solidarität und Zugehörigkeit."

Was ist die größte Herausforderung für SEVOTA?

Karen Knipp-Rentrop: "Die liegt für mich ganz klar im Wandel. Der Schritt von einer ehrenamtlichen Organisation zu einer professionellen Organisationsstruktur, die langfristig ausgelegt ist. Godelieve hat jahrelang nichts verdient, alles sollte unmittelbar den Überlebenden zugutekommen. Der Krieg ist über 20 Jahre her und trotzdem bleibt das Gefühl, dass wenig Bestand hat. Das ist mit langfristigen Plänen für die Organisation manchmal schwer zu vereinen. Wir diskutieren das immer wieder. Die Finanzierung ist eine weitere Herausforderung. medica mondiale ist die einzige Förderin. Trotz des großen Netzwerks von Godelieve gelingt es in Ruanda kaum, Mittel einzuwerben. Das hängt beides zusammen."

Bisher wurden die Foren nur für Frauen organisiert. Wie kam es zu den Jugendforen?

Karen Knipp-Rentrop: "Oft schotten sich Frauen, die sexualisierte Kriegsgewalt erlebt haben, von ihrer Umwelt ab. Es begeistert mich, wie schnell sie aufblühen, wenn sie die Isolation erst einmal durchbrochen haben. Die Zukunft ihrer Kinder ist von zentraler Bedeutung für die Frauen. Doch in einer Familie mit einem Kind aus einer Vergewaltigung verbünden sich Mann und Frau oft gegen das Kind. SEVOTA berührt das Schicksal der Jugendlichen sehr und es wird intensiv an der Mutter-Kind-Beziehung gearbeitet. Wenn sich dann aufgrund unserer Arbeit das Verhältnis zwischen Mutter und Kind positiv verändert, bedeutet das auch für den Partner eine Veränderung. Ob unsere Maßnahmen langfristig wirken, hängt stark vom Umfeld der Frau ab. Daran arbeiten wir. An den ersten beiden Jugendforen nahmen Kinder von Frauen teil, die schon länger mit SEVOTA in Kontakt standen. Die Teilnehmenden sich also schon und der Zugang war relativ einfach. Die nächsten Foren finden mit neuen Gruppen statt. Das wird eine neue Herausforderung."