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02. Juni 2014

Projekteförderung in der Region Große Seen: Partnerschaft macht stark

Interview mit Karen Knipp-Rentrop, Referentin Große Seen Afrikas und Projektefonds bei medica mondiale. Zusammen mit ihrer Kollegin Alena Mehlau, Referentin für Trauma-Arbeit, wird sie im Juni unter anderem in die Demokratische Republik Kongo reisen. Die beiden werden dort acht Partnerorganisationen besuchen, ihre Aktivitäten kennenlernen und in Frauengruppen mit den Frauen sprechen.

Seit wann arbeitest du in der Region der Großen Seen?

2006 habe ich angefangen, dort für den zivilen Friedensdienst von der GIZ zu arbeiten, und habe fast fünf Jahre in Ruanda gelebt.

Was hat dich dort besonders begeistert?

Ich habe in einer lokalen Partnerorganisation gearbeitet und viele engagierte Frauen und Männer aus der Region kennengelernt, wie zum Beispiel Godeliève Mukasarasi, die Gründerin von SEVOTA. Gemeinsam haben wir Projekte entwickelt und durchgeführt und ich konnte miterleben, dass unsere Arbeit etwas bewirkt. Der Mut und die Kraft der Menschen, sich trotz aller täglichen Herausforderungen eine Zukunft aufzubauen, beeindrucken mich.

Wie war die Situation 2006, als du die Region kennengelernt hast, und wie ist sie heute?

In Ruanda begegne ich immer wieder der Genozid-Problematik. Wichtige Themen sind bis heute Versöhnungsarbeit und Wirtschaftsentwicklung, auch wenn Ruanda sich wirtschaftlich schon stark weiterentwickelt hat. Als ich das erste Mal in Burundi war, gab es noch Ausgangssperren. Heute ist Burundi Nachkriegsland. Immer wieder fürchtet man aber, dass erneut gewaltsame Konflikte ausbrechen. In der Demokratischen Republik Kongo sind die Rebellengruppen weiter aktiv und es gibt kein effizientes Programm, das ihnen eine zivile Zukunft eröffnet. Bewaffnete Gruppen finanzieren sich unter anderem durch brutale Überfälle auf die Bevölkerung, erpressen Schutzgelder und illegale Steuern. Selbst wenn gerade keine kriegerischen Auseinandersetzungen stattfinden, kann man das kaum Frieden nennen, nicht mal Abwesenheit von Gewalt.

Was bewegt dich besonders, wenn du an deine Besuche in der Region denkst?

Oft sind es die kleinen Dinge: eine Frau, die erzählt, dass sie sich jetzt Schuhe leisten kann, eine andere, die sich lange zurückgezogen hatte und nun lachend berichtet, wie sie Gruppenmitglieder eingeladen hat, Mütter, die stolz über die Schulbesuche ihrer Kinder sprechen. Das alltägliche Leben stellt die Frauen immer wieder vor neue Herausforderungen – das Schulgeld, Essen und anderes organisieren, die unzureichende Gesundheitsversorgung, Erinnerungen, die zurückkehren, Konflikte, die die Frauen neuer Gewalt aussetzen oder sie gar fliehen lassen. Und ich denke oft an die Kraft der Kolleginnen vor Ort, trotzdem immer weiterzumachen und den Frauen beizustehen, immer wieder neuen Mut zu schöpfen.

Was ist bei deiner Projektreise im Juni geplant?

Zuerst fahre ich mit meiner Kollegin Alena Mehlau, sie ist Referentin für Trauma-Arbeit, zwei Wochen in die Demokratische Republik Kongo. Wir werden dort acht Partnerorganisationen besuchen, ihre Aktivitäten kennenlernen und in Frauengruppen mit den Frauen sprechen. Anschließend treffen wir uns in Baraka mit Leiterinnen und Beraterinnen der acht Partnerorganisationen zu einem dreitägigen Workshop. Dabei wird es auch um Vernetzung gehen. Sie arbeiten ja an ähnlichen Themen und da ist es hilfreich sich untereinander auszutauschen. Das gilt für die direkte Arbeit mit den Betroffenen und besonders auch für den Bereich der politischen Arbeit (Advocacy). Wir werden darüber sprechen, was für Themen für sie aktuell wichtig sind, an was sie gemeinsam – auch mit medica mondiale – arbeiten möchten und wo sie sich unsere Unterstützung wünschen. Danach fahre ich weiter nach Burundi und Ruanda. In Burundi werde ich weitere Partnerorganisationen besuchen. In Ruanda ist mit SEVOTA die Vorbereitung eines gemeinsamen Projekts geplant. Kinder und Familien der Überlebenden sollen noch stärker in die Aktivitäten einbezogen werden. Das ist den Frauen sehr wichtig, weil sie viel über die Zukunft ihrer Kinder nachdenken.

Hast du Rückmeldungen aus der Region zur Unterstützung von medica mondiale?

Bei einem Workshop vor zwei Jahren wurde klar, dass die Organisationen unseren partnerschaftlichen Ansatz sehr gut finden. Das bedeutet, dass wir nicht nur Projekte finanzieren, sondern auch für Fragen da sind, Fortbildungen anbieten und – wie jetzt bei dem Workshop – konkret zusammenarbeiten. Aktuell besuchen wir die Region zwei- bis dreimal im Jahr.

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Hintergrund:

Der Projektefonds medica mondiale fördert weltweit lokale Partnerorganisationen, die sich für ein Ende sexualisierter Gewalt an Frauen und Mädchen einsetzen. Neben finanzieller Förderung unterstützt medica mondiale dabei auch durch fachliches Know-how, z.B. für den Organisationsaufbau und die Qualifikation der Mitarbeitenden. Aus der zunächst einjährigen Förderung entstehen oft langfristige Kooperationen.

Immer mehr Anträge gehen ein:
2013 waren es 120, 2014 sind es rund 150 Anträge. Viele kommen aus der zentralafrikanischen Region der Großen Seen – seit 2011 Schwerpunktgebiet der Projektförderung.

 

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