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17. März 2009

Pressemitteilung: Kongo-Friedensfonds muss Hilfe für Frauen ermöglichen!

Anlässlich der Auszeichnung der kongolesischen Menschenrechtsaktivistin Immaculée Birhaheka mit dem 11. Bremer Solidaritätspreis, ruft Monika Hauser, Geschäftsführerin von medica mondiale, zur umgehenden und umfassenden Unterstützung von vergewaltigten Frauen in der Demokratischen Republik (DR) Kongo auf. Insbesondere der mit 50 Millionen Euro ausgestattete deutsche Friedensfonds zum Wiederaufbau des Ostkongo muss in stärkerem Maße als bisher Hilfsmaßnahmen und Gelder für die Überlebenden sexualisierter (Kriegs-)Gewalt bereitstellen.

An keinem Ort der Welt werden derzeit die Menschenrechte von Frauen in größerem Ausmaß verletzt als im Osten der DR Kongo. Schätzungen des UN Menschenrechtsrates gehen davon aus, dass allein im Jahr 2008 rund 100.000 Frauen auf brutalste Weise vergewaltigt, versklavt und verstümmelt wurden, darunter auch junge Mädchen, zum Teil im Kindesalter.

Die kongolesische Frauenrechtsorganisation PAIF (Promotion et Appuix aux Initiatives Féminines) – Partnerorganisation von medica mondiale seit 2004 – ist eine der wenigen Organisationen vor Ort, die den Überlebenden dieser Gewalt mit medizinischer Versorgung, psychosozialer Betreuung sowie ökonomischer und politischer Unterstützung zur Seite steht. für ihre wichtige und mutige Arbeit hat die Leiterin von PAIF, Immaculée Birhaheka, am 16. März 2009 in Bremen den 11. Bremer Solidaritätspreis erhalten.

Doch insgesamt hat nur ein Bruchteil der Überlebenden Zugang zu adäquater Unterstützung, mit oftmals unermesslichen Folgen für die betroffenen Frauen wie für die Gesellschaft: „Die Vergewaltigungen im Kongo sind längst zu einem gigantischen gesellschaftlichen Problem geworden, Frauen sind schwersten Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt, werden schwanger, mit HIV/AIDS infiziert und von ihren Ehemännern verstoßen – ganze Familien und Dörfer werden so zerstört.“, so Birhaheka.

In ihrer Laudatio zur heutigen Preisverleihung fordert Monika Hauser daher, im Rahmen der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit mit der DR Kongo gezielt mehr Gelder für frauenspezifische Projekte bereitzustellen. „Es muss zukünftig sichergestellt werden, dass ein wesentlicher Teil des Friedensfonds an kongolesische Frauenrechtsorganisationen vergeben wird, die medizinische und psychosoziale Unterstützung für Überlebende von sexualisierter Gewalt bieten.“ Mit ihrer Arbeit tragen sie zudem erheblich zur Gewaltprävention und zum Wiederaufbau des Landes bei, so Hauser.

Mit dem von der Bundesregierung 2008 eingerichteten Friedensfonds sollen in erster Linie Projekte zur Infrastrukturförderung und zum ökonomischen Wiederaufbau finanziert werden. Maßnahmen, die speziell auf die Bedürfnisse der meist schwerst traumatisierten Frauen und Mädchen zugeschnitten sind, sind in dem Fonds nicht explizit vorgesehen. Viele der Frauen und Mädchen können jedoch von den Wiederaufbau- und Entwicklungsmaßnahmen nicht profitieren, da sie in Folge der erlebten Gewaltakte physisch und psychisch oftmals nicht dazu in der Lage sind. Dazu kommt die Angst vor sozialer Ausgrenzung, die Frauen in der DR Kongo nach einer Vergewaltigung erleben und die häufig verhindert, dass die Betroffenen Hilfsangebote annehmen.