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06. Juni 2013

Podiumsdiskussion: Kein Fortschritt in Afghanistan ohne Gerechtigkeit und Bildung

"Frauenrechte in Afghanistan: Vor und nach 2014" lautete der Titel einer Podiumsdiskussion am 27. Mai im Zentrum für Entwicklungsforschung in Bonn. Monika Hauser und Sima Samar diskutierten über die Situation von Frauen in Afghanistan. Beim anschließenden Besuch der Kölner Geschäftsstelle von medica mondiale sprach Samar offen über ihre Wünsche für afghanische Frauen und Mädchen.

Hauser kritisierte, die internationale Gemeinschaft habe es trotz langjähriger Beteiligung am Wiederaufbau versäumt, effektive rechtsstaatliche Strukturen zu etablieren und die Zivilgesellschaft zu stärken. Die Situation einiger Frauen mit Schulabschluss in den Städten habe sich verbessert, erklärte Samar, Vorsitzende der Unabhängigen Afghanischen Menschenrechtskommission. Nach wie vor wüssten aber viele Richter und weite Teile der Bevölkerung erschreckend wenig über Frauenrechte und die sich daraus ergebenden strafrechtlichen Konsequenzen.

Bei einem anschließenden Treffen mit Vertreterinnen von medica mondiale nannte Samar als Ursachen für Gewalt gegen Frauen und Kinder die Armut weiter Teile der Bevölkerung sowie fehlende Bildung. „Dass die Zahl gemeldeter Gewalttaten in Afghanistan ansteigt, bedeutet nicht unbedingt, dass es häufiger zu Übergriffen kommt als früher", betonte Samar, „sondern dass immer mehr Frauen den Mut haben, sich zu wehren und die Täter zu benennen. Das ist ein echter Fortschritt."

Hunderte von Zeitungen und Bürgerradios, 60 Fernsehsender und das Internet trügen zur Aufklärung und zur gesellschaftlichen Entwicklung bei. „Was ich mir wünsche, sind mehr positive Rollenmodelle für Frauen", ergänzte Samar. Höhere Bildung für Mädchen und Frauen, die Gewerbe gründen und eigenes Geld verdienen, sei hier mitentscheidend. „Die deutsche Regierung kann einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie bestehende Initiativen der Zivilgesellschaft in Afghanistan weiterhin massiv unterstützt, besonders durch zweckgebundene Budgets für Frauenprojekte."

Die Podiumsdiskussion fand auf Einladung von The Right Livelihood College Campus Bonn, Zentrum für Entwicklungsforschung, Bonn International Center for Conversion und Crossroads Asia statt.

Fotos (von oben nach unten):

© ZEF
© Beate Kriechel/medica mondiale

Erschienen im Newsletter Juni 2013