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03. Mai 2012

Peacebuliding-Projekt: Training für den Friedensaufbau

Den Aktivistinnen werden zwei verschiedene Trainings angeboten. Ein Training wird zum Thema Friedensaufbau je einmal pro Jahr in jedem Land stattfinden und von einer internationalen Trainerin geleitet werden. Vermittelt werden sowohl theoretische Grundlagen über Definitionen von Frieden und Konflikt als auch Konfliktbearbeitungsmechanismen.

Neu ist, dass die Trainings vor allem die Frauenperspektive berücksichtigen und analysieren, an welcher Stelle die Aktivistinnen bisher bereits eine wichtige Rolle im Friedensprozess spielen und wo ein Engagement Sinn machen würde. Viele der Frauen verfügen über jahrelange Erfahrung in Lobbyaktionen, haben sich aber noch nie systematisch mit Konfliktbearbeitung und -management beschäftigt. Das Training soll sie in die Lage versetzen, den Zusammenhang zwischen sexualisierter Gewalt gegen Frauen und dem Friedensprozess besser zu erfassen, mit international gängigen Begrifflichkeiten sicher umzugehen und ihre Rechte gegenüber Politikern und staatlichen Institutionen auch gezielt einzufordern.

Ein weiteres Training befasst sich mit dem Thema Lobbyarbeit; es wird einmal während der Projektlaufzeit angeboten und soll einen Überblick über Möglichkeiten und Instrumente der Lobbyarbeit geben. Außerdem werden Ansatzpunkte für politische Aktionen aufgezeigt, die sich an die Europäische Union und Deutschland wenden. In diesem Training wird die Partnerorganisation von medica mondiale aus Brüssel, ISIS Europe, maßgeblich beteiligt sein.

Das während der Trainings vermittelte Wissen kann direkt in den Netzwerktreffen für die Planung politischer Aktionen und die Auswahl der Themen und Ansatzpunkte eingesetzt werden.

Frauen als Akteurinnen: Trainings für den Friedensaufbau

Von Januar bis Anfang April 2010 fand die erste Trainingsreihe zum Thema Friedensaufbau in der Demokratischen Republik Kongo, in Liberia und Afghanistan statt. Die Trainingsteilnehmerinnen kamen aus Frauenorganisationen, die sich in verschiedenen Bereichen für Frauen einsetzen. Ihr Engagement reicht von psychosozialer Begleitung von Überlebenden sexualisierter Gewalt über Mikrokredite bis hin zu politischer Lobbyarbeit und Aufklärung über Frauenrechte. In ihren Gemeinden und Organisationen sind die Aktivistinnen meist Vorreiterinnen in einem gesellschaftlichen Veränderungsprozess, der traditionelle Männer- und Frauenrollen sowie Verhaltensmuster im Umgang miteinander in Frage stellt.

In Liberia war das Training für viele Frauen eine Herausforderung, da ein großer Teil der Teilnehmerinnen nicht lesen und schreiben konnte und keine Erfahrung mit praktischen Übungen und aktiver Beteiligung in Schulungen hatte. Auch in den anderen Ländern variierte der Bildungsstand der Teilnehmerinnen sehr. Die Begriffe von Frieden und Konflikt wurden daher mit Hilfe von Rollenspielen, nach der Methode des sogenannten Theaters der Unterdrückten, und Körperübungen behandelt. Dabei stellten die Trainerinnen immer wieder einen konkreten Bezug zur alltäglichen Lebensrealität der Frauen her. Es wurde deutlich, dass die meisten Teilnehmerinnen sehr genaue Vorstellungen davon haben, was Frieden für sie persönlich, in ihren Familien und Gemeinden bedeutet. Während des Trainings stellten sie zudem gewohnte Verhaltensmuster in Frage. In Liberia kam zum Beispiel in der Gruppendiskussion die Frage auf, inwieweit Schläge in der Kindererziehung als Gewalt betrachtet werden oder nicht. In Afghanistan äußerte eine Teilnehmerin, dass sie stärker darauf hinarbeiten wolle, Solidarität unter den afghanischen Frauen zu schaffen, da sie nur durch Einigkeit Dinge verändern könnten.

Die Schulungen boten darüber hinaus auch Raum für persönliches Wachstum. In Liberia berichtete eine Frau, dass sie im Anschluss des Trainings einen alten Streit beigelegen konnte; andere waren motiviert worden, Lesen und Schreiben zu lernen. Nahezu alle Frauen fühlten sich durch das Training gestärkt und in ihrer Arbeit ermutigt.

Für die zweite Trainingsreihe wünschen sich die Aktivistinnen aller drei Länder eine Vertiefung des Themas Kommunikation und eine Einführung in Methoden der Mediation, beides Schlüsselelemente für die Aufklärungs- und Lobbyarbeit.