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03. Mai 2012

Peacebuilding-Projekt 2009-2011: Förderung politischer Teilhabe von Frauen und Mädchen

Frauen und Kinder zählen im Krieg zu den am meisten gefährdeten Bevölkerungsgruppen. Sie erfahren schwer wiegende Formen von Gewalt, darunter auch sexualisierte Gewalt. Häufig kommt es zu doppelter Traumatisierung, da sie nicht nur mit den Folgen von Vergewaltigungen zu kämpfen haben, sondern darüber hinaus aus ihren Familien und Gemeinden verbannt werden, die sie für die Übergriffe verantwortlich machen. Denn in vielen Kulturen hängt in unterschiedlicher Ausprägung die Ehre der Familie und des Mannes von der vermeintlich integren Sexualität der Frau ab: Eine vergewaltigte Frau gilt oftmals als Schande für das Ansehen der Familie, häufig kommt es zum Ausschluss aus dem familiären Umfeld. Das führt dazu, dass Frauen und Mädchen für sich selbst und ihre Kinder sorgen müssen, ohne auf die Unterstützung ihrer Familien und Dorfgemeinschaften zählen zu können.

Trotzdem kommt gerade Frauen eine tragende Rolle im Wiederaufbauprozess von Nachkriegs- und Postkonflikt-Ländern zu. Außerdem agieren sie oft als Streitschlichterinnen in ihren Familien und Gemeinden. Die Resolution 1325 des UN-Sicherheitsrats des Jahres 2000 erkennt diesen hohen Stellenwert der Frauen im Friedensprozess in Nachkriegsländern an. Die Resolution verlangt, dass alle UN-Länder mehr Frauen in Friedensverhandlungen und in die Planung von Sicherheitspolitik involvieren und stellt fest, dass sexualisierte Gewalt ein Hindernis für einen erfolgreichen Friedensprozess darstellt. Die UN-Sicherheitsratsresolution 1820 von 2008 geht sogar noch weiter, indem sie sexualisierte Gewalt als Kriegswaffe bezeichnet. Ihre Anwendung gilt folglich als Verbrechen und kann vor dem Inernationalen Strafgerichtshof als Genozid, Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder Kriegsverbrechen geahndet werden.

Vor diesem Hintergrund startete medica mondiale im März 2009 ein dreijähriges Projekt zur Förderung politischer Teilhabe von Frauen und Mädchen in Afghanistan, Liberia und der Demokratischen Republik (DR) Kongo, größtenteils finanziert von der Europäischen Kommission. Das so genannte Peacebuilding-Projekt beruft sich auf die beiden UN-Sicherheitsratsresolutionen und hat zum Ziel, Frauen in die Lage zu versetzen, sich stärker als bisher in den Friedensprozessen und der Planung von Sicherheitspolitik in ihren Ländern zu engagieren. In diesem Rahmen erhalten Aktivistinnen in den drei Ländern Trainings in Theorie und Praxis der politischen Lobbyarbeit und Konfliktbearbeitung. Die dort vermittelten Kenntnisse und Techniken werden dann direkt in Netzwerktreffen und Lobbyaktivitäten sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene angewendet. Das Projekt wird in Afghanistan von Medica Afghanistan, in Liberia von medica mondiale Liberia und in der DR Kongo von der Partnerorganisation PAIF umgesetzt. Auf europäischer Ebene übernimmt das in Brüssel ansässige Forschungsinstitut ISIS Europe – tätig in den Bereichen Konfliktprävention, Krisenmanagement, Peacebuilding, Waffenkontrolle und Abrüstung – Beratungsaufgaben für das Projekt. Die internationalen Lobbyaktivitäten werden von ISIS organisiert und begleitet.

In den Ländern werden lokale Projektmanagerinnen eingesetzt, die für die Organisation und Durchführung der Aktivitäten in den Ländern zuständig sind und sich dabei eng mit dem Projektmanagement der Kölner Geschäftsstelle von medica mondiale abstimmen. Zu den Projektaktivitäten gehören Netzwerktreffen, Trainings und Lobbyaktionen.