Zurück zur Übersicht
06. Juni 2013

Partizipativ und überprüfbar: Kosovo erarbeitet Aktionsplan “Frauen, Frieden und Sicherheit“

Seit Mitte letzten Jahres arbeiten Regierung und Zivilgesellschaft im Kosovo gemeinsam an einem Nationalen Aktionsplan (NAP) zur Umsetzung der UN-Resolution 1325 "Frauen, Frieden und Sicherheit". Auf acht Treffen, an denen sich auch Medica Kosova beteiligt hat, wurde ein erster Entwurf erstellt. Dieser formuliert strategische Ziele, verbindliche Maßnahmen, überprüfbare Indikatoren und konkrete Budgets.

Der kosovarische Aktionsplan hat drei Hauptziele:

1. Verstärkte Vertretung von Frauen auf Entscheidungs- und Führungsebene.

2. Erhöhung des Frauenanteils im Militär und bei der Polizei sowie Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen dort.

3. Schutz, Rehabilitierung und Gerechtigkeit für Überlebende sexualisierter Kriegsgewalt sowie deren soziale, öffentliche und ökonomische Wiedereingliederung.

Durch ein Bündel an Maßnahmen, denen messbare Erfolgsanzeichen und Budgets zugewiesen sind, wird die Umsetzung des Aktionsplans transparent und überprüfbar gemacht. Beispielsweise sollen JournalistInnen im trauma-sensiblen Umgang mit Überlebenden sexualisierter Kriegsgewalt geschult werden. Hierfür sind unter anderem eine Informationskampagne und Workshops mit einem Budget von 26.000 Euro eingeplant.

Lola Vebrore Shehu, Direktorin von Medica Kosova, begrüßt die anstehende Verabschiedung des Nationalen Aktionsplans 1325. „Der NAP wird hoffentlich die Koordination zwischen staatlichen Stellen und Zivilgesellschaft verbessern. So können Überlebende sexualisierter Kriegsgewalt effektiver und bedürfnisorientierter unterstützt werden." Es ist geplant, dass eine Monitoring-Gruppe aus staatlichen und nicht-staatlichen AkteurInnen die Umsetzung des NAPs überwacht. Jeannette Böhme, Referentin für Politik und Menschenrechte bei medica mondiale, bewertet den kosovarischen Aktionsplan als ein gutes Beispiel für zivilgesellschaftliche Beteiligung. „In Deutschland hingegen wurden zivilgesellschaftliche Organisationen erst sehr spät in die Ausarbeitung des NAPs einbezogen und sind auch nicht regulär an dessen Überprüfung beteiligt. Hier werden Potentiale verschenkt. Wir ermutigen daher die Bundesregierung der Zivilgesellschaft eine stärkere Rolle bei der Umsetzung des hiesigen Aktionsplans einzuräumen."

Foto: © Anne Rose Heck

Erschienen im Newsletter Juni 2013