Zurück zur Übersicht
12. Mai 2010

Nordirak: Unterstützung des NAWA Frauenzentrums

Projektförderung in Suleymaniah, Nordirak: Frauen und Mädchen im kurdisch geprägten Norden des Irak sind vielen Formen von Gewalt und gesellschaftlichen Unterdrückungsmustern ausgesetzt: Beschneidungen, sexualisierte Gewalt und Folter sind weit verbreitet. Verweigert eine junge Kurdin die arrangierte Zwangsverheiratung oder geht voreheliche Beziehungen ein, droht ihr nach wie vor die so genannte Ehrentötung durch die eigene Familie. Die Angst vor dem Ehrenmord treibt viele junge Frauen in den Suizid.

Zwischen 2003 und 2005 förderte medica mondiale das Frauenzentrum NAWA (auf Deutsch: Zuflucht) in der nordirakischen Stadt Suleymaniah. Das Frauenzentrum wurde 1999 von der Frauenrechtsorganisation WADI e.V. gegründet und bietet Überlebenden von sexualisierter, meist innerfamiliärer Gewalt mit ihren Kindern Unterkunft sowie psychologische Unterstützung. Sozialarbeiterinnen vermitteln den Hilfe suchenden Frauen rechtlichen Beistand und suchen gemeinsam mit den Frauen und ihren Familien nach Lösungen für ihre Probleme. Auch die medizinische Erstversorgung ist im NAWA-Zentrum gewährleistet.

Da Frauen in der ländlichen Region um Suleymaniah nur wenig Zugang zu Bildung haben, initiierte WADI außerdem Alphabethisierungskampagnen und berufliche Weiterbildungskurse für die Frauen. Seit Kriegsende ist der Zulauf zum Frauenzentrum enorm gestiegen. Besonders für Frauen und Kinder ist der Überlebenskampf zwischen den Fronten der Plünderer, Heckenschützen und Besatzer unendlich schwer geworden. Viele irakische Frauen sind massiv traumatisiert und müssen zudem noch die Familie allein ernähren, da die Männer verschleppt, gefoltert oder an die Kriegsfront geschickt wurden.

Viele Frauen und Mädchen, die in Notsituationen Schutz im Zentrum finden, benötigen langfristige Begleitung und Unterstützung. Daher hat WADI mobile Frauenteams gebildet, die in abgelegene Dörfer und die Armenviertel der nordirakischen Städte fahren und den Frauen vor Ort beistehen. Jeweils eine Sozialarbeiterin und eine Ärztin beraten die Frauen bei familiären Problemen, leisten Beistand in rechtlichen Angelegenheiten und bieten ihnen oftmals die einzige Möglichkeit der medizinischen Erstversorgung. Zwischen April 2003 und Mai 2005 erhielten mehrere Hundert Frauen und Mädchen im Nordirak Unterstützung durch die mobilen Beratungsteams von WADI.

WADI wurde mit insgesamt 35.000 Euro durch medica mondiale unterstützt.