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31. März 2011

„Nicht aufhören anzufangen“ – Lesung aus der Biografie über Monika Hauser im Oberlandesgericht Köln

„Wer an diesem Tag in Zenica sein Radio einschaltet, bekommt eine brisante Neuigkeit zu hören: In dem Anliegen, Frauen und Mädchen, die Opfer von Kriegsvergewaltigungen in Bosnien-Herzegowina geworden sind, medizinische und psychologische Unterstützung zu geben, teilen wir mit, dass diese Frauen in der Institution Medica Zenica aufgenommen werden.“ Mit einem Auszug aus dem Kapitel „An diesem Tag fiel der Strom aus“, beginnt die Schauspielerin Heidrun Grote mit einer Lesung aus der Biografie „Monika Hauser – Nicht aufhören anzufangen“ der Journalistin Chantal Louis.

Es ist das Kapitel über die Eröffnung des ersten Frauentherapiezentrums von medica mondiale in Bosnien-Herzegowina im März 1993. Rund 50 Gäste waren am Abschlussabend der Veranstaltungsreihe „medica mondiale - Im Einsatz gegen sexualisierte Kriegsgewalt“ der Einladung von medica mondiale gefolgt und in den Plenarsaal des Oberlandesgerichts Köln gekommen. In Anwesenheit von Monika Hauser und Sybille Fezer, Projektleiterin für medica mondiale Liberia, ließ Heidrun Grote einige Stationen aus dem Leben Monika Hausers und den bis heute 18 Jahren Organisationsgeschichte lebendig werden.

Auch an den heiteren Momenten, die es trotz des belastenden Themas immer wieder im Arbeitsalltag gibt, konnten die ZuhörerInnen teilhaben: „Als Monika Hauser und Sybille Fezer von ihrer zweiwöchigen Liberia-Reise zurückkehren, sind sie sichtlich beflügelt und beseelt von dem, was sie gesehen, gehört und gespürt haben, vom Aufbruch, der sich dort anbahnt. Die rund 20 medica mondiale-Mitarbeiterinnen, die sich im Kölner Konferenzraum einfinden, um ihren Reisebericht zu hören, erleben amüsiert eine Miniatur-Wiederauflage des Marsches der Frauen durch Fishtown: Hauser und Fezer ziehen singend und tanzend in den Raum ein, bekleidet in leuchtend bunten afrikanischen Gewändern, auf dem Kopf einen weißen Papierhut mit der Aufschrift: Stop raping Baby Girls.“

Im Anschluss an die Lesung ging Monika Hauser auf die Fragen der BesucherInnen ein und erläuterte etwa unter welchen Bedingungen medica mondiale oft ihre Arbeit aufnehmen muss: „Als wir 2002 nach Afghanistan kamen, gab es nach der langen Herrschaft der Taliban kaum ausgebildete Fachkräfte. Medizinisches Personal musste zunächst von uns in Methoden traumasensibler Behandlung geschult oder sogar in ihren eigenen Bedürftigkeiten gestärkt werden. Dieses Wissen können sie heute im Umgang mit ihren Klientinnen und ihren afghanischen KollegInnen weiter geben.“

Eröffnet worden war der Abend von Dr. Ute Hohoff, Pressesprecherin des Oberlandesgerichts Köln, die auf die gute Zusammenarbeit zwischen medica mondiale und dem Oberlandesgericht hinwies. Die Lesung war der Abschluss einer Veranstaltungsreihe, die medica mondiale in den Räumlichkeiten des Gerichts ausgerichtet hatte. In der Zeit vom 15. bis 29. März 2011 konnte medica mondiale ihre Arbeit dort präsentieren und auf das Schicksal zahlloser vergewaltigter Frauen weltweit aufmerksam machen. In den zwei Wochen fanden außerdem ein Vortrag zur Arbeit mit Überlebenden sexualisierter Kriegsgewalt und eine Podiumsdiskussion mit dem Titel „Wessen Verantwortung? Zur Strafverfolgung sexualisierter Gewalt in bewaffneten Konflikten“ statt.

Begleitend zur Veranstaltungsreihe war im gesamten Zeitraum die Fotoausstellung „Vergewaltigung als Kriegswaffe: Frauen in der Demokratischen Republik Kongo“ und die Installation „Frauen(auf)Marsch“ zu sehen. Die Ausstellung zeigte Bilder von der Fotojournalistin Cornelia Suhan, die im Auftrag von medica mondiale im September 2008 die kongolesische Frauenrechtsorganisation PAIF (Promotion et Appui aux Initiatives Féminines) in Goma/Ostkongo besucht hat. Mit der Installation von zwanzig lebensgroßen Figuren machte medica mondiale auf die Verbrechen an Frauen aufmerksam. Die weiblichen Figuren trugen T-Shirts mit der Aufschrift KRIEGSBEUTE; auf ihren Rücken Zitate von Mädchen und Frauen, die sexualisierte oder andere Formen von Gewalt überlebt haben.

Bei einem Rundgang durch Ausstellung und Installation nahmen auch einige BesucherInnen der Lesung die Gelegenheit wahr, sich dem Thema Kriegsvergewaltigungen auf diese Art  zu nähern. 

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