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13. August 2009

Neue Studie zur Situation von Frauen und Mädchen in Liberia

“Verletzlichkeit und Macht“ – zwischen diesen Extremen liegen die Erfahrungen von Frauen und Mädchen, die den brutalen Bürgerkrieg in Liberia (1989-2003) überlebt haben. In einer aktuellen Studie untersucht medica mondiale die Auswirkungen der massiven und systematischen Gewalt gegen Frauen im Krieg und gibt einen Überblick über die heutigen Lebensbedingungen von Frauen und Mädchen in Liberia.

Schätzungsweise zwei Drittel aller Frauen wurden im Krieg vergewaltigt. Viele Frauen verloren nicht nur ihre Familien, sondern wurden verstümmelt, gefoltert sexuell versklavt oder als Soldatinnen in den Krieg gezwungen. Doch gab es auch Frauen, die sich noch während des Krieges aktiv für den Frieden im Land eingesetzt haben: Bei den Friedensbemühungen haben sie eine entscheidende Rolle übernommen, Protestmärsche und Vernetzungstreffen veranstaltet und an den Friedensverhandlungen teilgenommen – obwohl sie meist nicht offiziell eingeladen waren.

Die Studie zeigt, dass die Gewalt gegen Frauen in Liberia – auch nach dem Krieg – noch immer kein Ende gefunden hat. Nach wie vor sind Frauen und Mädchen, vor allem auf dem Land, Vergewaltigung und Unterdrückung schutzlos ausgesetzt – derzeit handelt es sich um das am häufigsten angezeigte Verbrechen. Auch die sexuelle Ausbeutung von Frauen und Mädchen nimmt zu. Die materielle Not zwingt viele Frauen zur Überlebensprostitution oder in ausbeuterische Abhängigkeitsverhältnisse. Ursachen dafür sind neben der Armut der fehlende Zugang zu Bildung, Gesundheit und zu politischer Entscheidungsmacht. Aber auch das Zerbrechen stabiler Geschlechterbeziehungen durch Krieg und Flucht tragen dazu bei. Geschlechtsspezifische Gewalt gehört somit – so das Fazit der Studie – zu einer der „größten gesellschaftlichen Herausforderungen“ in Liberia.

Um die Situation von Frauen und Mädchen wirksam und nachhaltig zu verbessern, müsse die Stärkung von Frauen und Mädchen zu „einem integralen Bestandteil der Wiederaufbauarbeit“ werden. Dazu sei ein „grundlegenden Richtungswechsel in der Projektentwicklung und in der praktischen Projektarbeit“ nötig. Mit einer Reihe von Empfehlungen appelliert die Autorin der Studie daher sowohl an die liberianische Regierung als auch an nationale und internationale Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit: „Jede Aufbau- und Entwicklungsarbeit muss die Arbeit an Geschlechterbildern und -rollen in Form von Gendertraining integrieren“, lautet eine der zentralen Empfehlungen.  

Die Studie wurde im Auftrag von Feleknas Uca, Mitglied des Europäischen Parlaments verfasst. Autorin ist die Psychologin und Traumatherapeutin Dr. Simone Lindorfer.

Die vollständige Studie finden Sie hier 

Zusammenfassung auf Englisch