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21. Dezember 2016

Monika Hauser zum Jahresausklang: Was braucht es für ein gutes Leben?

Vor einiger Zeit bereitete ich mich auf einen Vortrag vor. „Was braucht der Mensch?“, so lautete die Frage. Auf den ersten Blick ein facettenreiches Thema. Was braucht es für mich als Bürgerin, was als Freundin? Worauf bin ich in meiner Rolle als Mutter angewiesen und worauf kommt es mir als Friedensstifterin an? Was brauche ich als Berufstätige und was als politische Aktivistin? Für mich kann es am Ende nur eine Antwort geben: Für ein gutes Leben braucht es Geschlechtergerechtigkeit!

Unverzichtbar für ein gutes Leben sind körperliche Unversehrtheit und sexuelle Selbstbestimmung. Dafür braucht es ebenso politischen Willen wie die notwendigen Ressourcen, um die Belange von Frauen wahrzunehmen und ungerechte Normen und Werte zu verändern.

Unentbehrlich sind Empathie und Verbundenheit mit den Überlebenden sexualisierter Gewalt. Nur so können Konzepte wie der  stress- und traumasensible Ansatz von medica mondiale zur Unterstützung Betroffener entstehen, verbreitet werden und wirken.

Unersetzlich sind engagierte KämpferInnen für Menschenrechte, die sich nicht entmutigen lassen, die laut und deutlich die Interessen der Überlebenden vertreten und ebenso laut und deutlich die Ignoranz und Arroganz der Machthabenden benennen.

Unerlässlich für ein gutes Leben sind Solidarität und Würde bei der Unterstützung von Frauen in den Konfliktregionen dieser Welt. Das gilt ebenso für alle Menschen, die nach Deutschland geflohen sind vor Vertreibung, Verfolgung und Diskriminierung. Wenn wir sie kraftvoll und mutig unterstützen, können wir nur gewinnen.

Unabdingbar für geflüchtete Frauen in Unterkünften sind eine sichere Unterbringung, Privatsphäre, Schutzräume und Informationsangebote. Viele von ihnen haben zu Hause, auf der Flucht oder in Lagern Gewalt erlebt. Umso wichtiger ist es, ihnen mit einer stress- und traumasensiblen Haltung zu begegnen. Dazu tragen wir von medica mondiale mit einem Qualifizierungsprogramm in Deutschland bei.

Wie wir mit Überlebenden sexualisierter Gewalt und den Folgen der Verbrechen umgehen, liegt in der Verantwortung der gesamten Gesellschaft. Jegliche Form sexualisierter und geschlechtsspezifischer Gewalt – sei es in bewaffneten Konflikten oder in Friedenszeiten – ist Ausdruck diskriminierender Geschlechterverhältnisse. Ohne Geschlechtergerechtigkeit entsteht kein Frieden, den wir für ein gutes Leben so sehr brauchen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen friedvollen Jahresausklang. Wir bauen auf Sie als UnterstützerIn unserer Haltung und unseres Engagements, denn nur gemeinsam können wir etwas erreichen. Danke für Ihr bleibendes Vertrauen.

Ihre Monika Hauser