Zurück zur Übersicht
11. Dezember 2009

Monika Hauser zu Gast bei „klug und mutig!“

Vor rund 300 Gästen sprach Monika Hauser am Mittwoch, den 9. Dezember 2009, im Hamburger KörberForum über ihren unermüdlichen Einsatz für Frauen und Mädchen, die in Krisenregionen sexualisierte Gewalt erfahren haben. In der Gesprächsreihe „klug und mutig!“ befragte die Fernsehjournalistin Maria von Welser die Gründerin von medica mondiale, woher sie die Kraft und die Motivation für ihre Arbeit nimmt, welche politischen Ziele sie mit ihrem Verein verfolgt und was Menschen von Deutschland aus tun können, um die Situation in den Konfliktregionen zu verbessern.

In dem einstündigen Gespräch berichtete Hauser von dem Aufbau des ersten Therapiezentrums in der bosnischen Stadt Zenica und der gegenwärtigen Unterstützung für Frauen in Afghanistan, Liberia und im Kosovo, von ihrem Kampf um die gesellschaftliche Anerkennung und Entschädigung der Überlebenden von Vergewaltigung, von Erfolgen und Rückschlägen ihres Engagements. Gleichzeitig erinnerte sie auch an das Schicksal der etwa zwei Millionen deutschen Frauen, die im Zweiten Weltkrieg vergewaltigt worden sind. „Die deutsche Nachkriegsgesellschaft hat diese Frauen mit großer Ignoranz behandelt“, so Hauser. „Viele haben bis Heute nicht über die Vergewaltigungen gesprochen und haben dadurch ihre Traumatisierung oft unweigerlich an die nachfolgenden Generationen weitergegeben“. Die nicht verarbeiteten Kriegsvergewaltigungen würden heutzutage in den Altersheimen zu einem großen Problem, da dem Personal fast immer das Wissen um Kriegstraumata fehle. Welche Folgen das Schweigen und die Nichtaufarbeitung der erlittenen Gewaltverbrechen haben können, machte der Kommentar einer jungen Frau aus Bosnien im anschließenden Publikumsgespräch deutlich. Erst am heutigen Abend habe sie eine Ahnung davon bekommen, warum ihre kurz zuvor verstorbene Mutter nie über den Krieg habe reden wollen.

Foto: © Körber-Stiftung/Jann Wilken