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05. Mai 2011

medica mondiale Liberia hilft geflohenen Frauen und Mädchen aus der Elfenbeinküste

Nach den blutigen Auseinandersetzungen um den rechtmäßigen Nachfolger im Präsidentenamt sind in der Elfenbeinküste noch immer mehr als eine Million Menschen auf der Flucht. Mehr als 165.000 IvorerInnen haben sich in das Nachbarland Liberia geflüchtet. Allein in der Provinz Grand Gedeh, in der medica mondiale Liberia seit 2006 aktiv ist, sind knapp 62.000 Flüchtlinge – oft unter sehr schwierigen Bedingungen – über die Grenze geflohen. Ihre Zahl steigt mit 1.500 pro Woche kontinuierlich an.

Die meisten Flüchtlinge sind Frauen und Kindern sowie ältere Menschen, die Familienangehörige verloren haben. Das Überschreiten der Grenze bedeutet noch längst keine Sicherheit für sie: „Um sich und ihre Familien zu retten, sind Frauen mit ihren Kindern meist tagelang zu Fuß nach Liberia unterwegs, sie schlafen im Wald und sind dadurch ständig in Gefahr, überfallen zu werden“, erklärt Anu Pillay, Programmleiterin von medica mondiale Liberia. Auf der Suche nach Essen und einem Platz zum Schlafen seien die Frauen und Mädchen zusätzlich gefährdet. „Ein Großteil der Frauen hat Unterschlupf bei liberianischen Familien gefunden, die selbst als Kleinbauern um das tägliche Überleben kämpfen. Einige arbeiten für ein oder zwei Tassen Reis am Tag auf den Feldern ihrer Gastgeber, gehen unter Umständen mit Männern allein auf die Felder – erneut vollkommen schutzlos", so Pillay weiter. Mit Beginn der Flüchtlingswelle wurden erste Fälle von sexualisierter Gewalt und Vergewaltigungen bekannt. Einige der Frauen, die teilweise tagelang im Busch gelebt haben, sind vollkommen unterernährt und sehen sich gezwungen, sexuelle Dienste als Gegenleistung für Nahrungsmittel anzubieten. „Unsere Erfahrungen zeigen, dass Frauen, zumal in einem fremden Land, nicht wissen, an wen sie sich wenden können, und Angst haben, Gewalttaten öffentlich zu machen“, berichtet Pillay.


medica mondiale Liberia bereitet deshalb zurzeit gezielte und konkrete Unterstützung für betroffene Frauen vor. Derzeit wird ein mobiles Einsatzteam gebildet: Zwei Krankenschwestern und vier psychosozialen Beraterinnen werden in verschiedene Dörfer sowie Flüchtlingslager in der Grenzregion fahren. Dort werden sie sich um die geflohenen Frauen und Mädchen kümmern, sie psychosozial beraten und ihnen bei Bedarf medizinische Versorgung oder auch rechtliche Beratung vermitteln. Auch sollen vorbeugende Medikamente an vergewaltigte Frauen verteilt werden, um eine Infektion mit HIV und Geschlechtskrankheiten zu verhindern. Außerdem wird das Team von medica mondiale Liberia andere Organisationen vor Ort dahingehend beraten, wie sie sexualisierter Gewalt adäquat begegnen können.

Im Rahmen des geplanten Vorhabens arbeitet medica mondiale eng mit anderen Organisationen und Ministerien zusammen, darunter das UN-Flüchtlingshilfswerk, die Deutsche Welthungerhilfe und das liberianische Ministerium für Gender und Entwicklung.