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08. September 2014

medica mondiale Liberia: Ebola stellt bereits Erreichtes in Frage

Das liberianische Gesundheitsministerium und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) melden zum 31. August 1.698 an Ebola erkrankte Menschen in Liberia. 871 Menschen starben, bei 403 von ihnen konnte das Ebola-Virus nachgewiesen werden. Wir sprachen mit Caroline Bowah Brown, Direktorin von medica mondiale Liberia, über die aktuelle Lage.

Wie beeinflusst Ebola ihre Arbeit?

Im Moment gehen unsere Mitarbeiterinnen in Monrovia ihrer Beratungs- und Aufklärungsarbeit nur eingeschränkt nach. Persönliche Kontakte nach außen reduzieren wir wegen der Infektionsgefahr auf ein Minimum. Was mich beunruhigt ist, dass Ebola bisher Erreichtes in Frage stellt: Richter entlassen aus Angst vor Infektionen in überfüllten Gefängnissen Straftäter, die wegen sexualisierter Gewalt verurteiltet wurden. Ausnahmezustände wie die Ebola-Krise bergen auch die Gefahr, dass Gelder für Frauenprojekte gekürzt werden und stattdessen in Nothilfemaßnahmen fließen. Dabei sollten gerade Frauen besondere Unterstützung erfahren, denn 75 Prozent der Ebola-Toten sind Frauen. Sie stellen die Mehrheit der Gesundheitsfachkräfte in den Krankenhäusern und kümmern sich in den Familien und Dörfern um die Kranken und Toten.

Wie ist die Situation in ihren Projekten im Südosten des Landes, in den Provinzen Sinoe, Grand Gedeh und River Gee?

Dort gibt es bisher glücklicherweise nur wenige bestätigte Ebola-Erkrankungen. Aber wir wissen ja, wie schnell sich die Krankheit ausbreiten kann. Unser überlastetes Gesundheitssystem in Kombination mit den schlechten Straßenverhältnissen stellt eine besondere Herausforderung dar. Trotzdem können wir nicht einfach zuschauen und abwarten, sondern unterstützen die Anstrengungen der Regierung und anderer Organisationen. Das geschieht beispielsweise mit Bannern, auf denen wir erklären, wie jede und jeder sich, die Familie und die Gemeinde schützen kann. Gesundheitsfachkräften stellen wir eine Schutzausrüstung zur Verfügung. So können sie sicher und beruhigt ihrer Arbeit nachgehen.

Wie erleben die Mitarbeiterinnen von medica mondiale Liberia den Alltag in Monrovia?

Wir hören immer wieder den Klang von Sirenen. Das sind entweder die Bestatter, die Ebola-Tote abholen, oder Krankenwagen, die kranke Menschen in die Quarantänestationen bringen. Die Lebensmittelpreise sind rasant gestiegen. In dieser schwierigen, angespannten Situation beruhigen wir uns gegenseitig. Einige unserer MitarbeiterInnen haben Freunde verloren. Wir versuchen, sie zu trösten, wir weinen zusammen und stärken so den Teamgeist.

Wir sprachen mit Caroline Bowah Brown, Direktorin unserer Partnerorganisation medica mondiale Liberia

Further facts and figures about the ebola crisis (English)