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14. Januar 2011

medica mondiale in Afghanistan wird selbstständig: Medica Afghanistan gegründet

Es ist soweit: Anfang dieses Jahres ist medica mondiale Afghanistan zu einer eigenständigen afghanischen Nichtregierungsorganisation geworden. Seit dem Start des Engagements von medica mondiale in Afghanistan 2002 sind die einzelnen afghanischen Projekte während der vergangenen acht Jahren immer mehr zusammengewachsen. Daraus hat sich eine mutige und kompetente Frauenrechtsorganisation entwickelt, die sich fortan Medica Afghanistan - Women Support Organisation nennt – auch, um nach der Ablösung von medica mondiale die weiterhin enge Verbindung zur Kölner Schwesterorganisation zum Ausdruck zu bringen.

medica mondiale wird Medica Afghanistan in Kabul weiterhin finanziell fördern und beratend zur Seite stehen. Im fünfköpfigen Vorstand von Medica Afghanistan wird auch medica mondiale vertreten sein. Die anderen Vorstandsmitglieder sind VertreterInnen der afghanischen Zivilgesellschaft.

Mit der Gründung von Medica Afghanistan hat medica mondiale das erreicht, was seit Beginn zu den Grundfesten ihrer Arbeit gehört: Frauen weltweit darin zu stärken, ihre eigenen Wege zu gehen. Das heißt auch, ihnen beim Aufbau von Unterstützungsstrukturen für Frauen in ihren Heimatländern zu helfen, die nach einem gewissen Zeitraum in Eigenverantwortung geleitet werden.

Medica Afghanistan ist nach Medica Zenica (Bosnien-Herzegowina), Medica Kosova (Kosovo) und Medica Tirana (Albanien) das vierte von medica mondiale gegründete Frauenprojekt, das nun selbstständig wird. Der strukturelle Aufbau der Organisation und die Qualifizierung von afghanischen Frauen, die so nach und nach auch die Führungspositionen einnehmen konnten, waren wichtige Schritte auf dem Weg in die Selbstständigkeit von Medica Afghanistan, an der Kolleginnen in Köln und Kabul seit 2006 gemeinsam verstärkt gearbeitet haben. Arbeitsinhalte und Strategien wurden festgelegt und Werte definiert, auf denen die Arbeit von Medica Afghanistan basiert. In der Satzung erklärt die neue afghanische Nichtregierungsorganisation ihre Ziele und Aufgaben:

„Ziel von Medica Afghanistan ist es, Frauen und Mädchen, die von Krieg und anderen Formen von Gewalt betroffen sind, direkte Unterstützung zu bieten. Darüber hinaus setzt die Organisation sich zum Ziel, Fachkräfte im Bereich psychosoziale Beratung, Gesundheit, Bildung und Rechtshilfe im kompetenten und traumasensiblen Umgang mit Betroffenen von Gewalt zu schulen, um die Angebote für Frauen und Mädchen in Afghanistan besser auf deren Bedürfnisse auszurichten.“  

Vor allem die letzten beiden Jahre standen ganz im Zeichen der Vorbereitungen für den Übergang zu einer selbstständigen Frauenrechtsorganisation. Eine wichtige Entscheidung war dabei 2010 die Ernennung von Humaira Rasuli zur Direktorin von medica mondiale Afghanistan. Damit übernahm erstmals eine afghanische Kollegin die Leitung der Organisation.

2011 wird die neu gegründete Organisation mit ihren derzeit 75 MitarbeiterInnen viel zu tun haben. Die erfolgreiche Arbeit der letzten Jahre wird fortgeführt; außerdem ist geplant, die psychosoziale Arbeit und die Unterstützung von Klientinnen im Rahmen der Rechtshilfe durch eine Sozialarbeiterin ab Mitte des Jahres auch auf die Stadt Mazar-i-Sharif auszuweiten.

Die Gründung der afghanischen Frauenrechtsorganisation ist nicht nur ein wichtiger Schritt für medica mondiale und die neue Schwesterorganisation. Sie setzt auch ein positives Zeichen für Frauen und Mädchen in der von Männern geprägten und dominierten afghanischen Gesellschaft. Ein schöner Anlass für ein kleines Fest: Anfang März soll die Gründung von Medica Afghanistan offiziell in Kabul gefeiert werden.